Es steht schlecht um den Laubfrosch und den Kammmolch in hiesigen Gefilden. Das ist das niederschmetternde Ergebnis einer Erhebung des Naturschutzbundes Steinenbronn-Waldenbuch. Um das zu ändern, gehen die Naturschützer nun in die Offensive.

Filder - Laubfrösche und Kammmolche gibt es auf dem Betzenberg keine mehr. Das haben Leif Schall, Vorstandsmitglied beim Naturschutzbund (Nabu) Steinenbronn-Waldenbuch, und Biologe Thomas Bamann im Frühjahr 2015 herausgefunden, als sie die Gewässer zwischen dem Truppenübungsplatz Böblingen und dem Betzenberg untersucht haben. Lediglich in den Randgebieten Böblingen und Weil im Schönbuch waren nur noch wenige Laubfrösche und Kammmolche vorzufinden. „Das Ergebnis war für uns ziemlich niederschmetternd“, sagt Schall. Für ihn stand deshalb schnell fest: Es müssen nun radikale Maßnahmen ergriffen werden.

„Unser Plan ist, dass die beiden Arten sich in den Gewässern in unserem Gebiet wieder verbreiten können“, sagt Schall. Dazu wurden im Winter zwei bestehende Gewässer in Weil im Schönbuch entschlammt und ausgelichtet. „Die Gewässer waren alle von Bäumen zugewachsen, aber der Laubfrosch und der Kammmolch brauchen Licht zum Leben“, sagt Schall. Ein neues Gewässer liegt deshalb unter einer Hochspannungsleitung, in deren Nähe keine Bäume wachsen.

Zwei Gewässer auf dem Betzenberg wurden entschlammt

Im Zuge der Maßnahmen hat die Nabu auch zwei Gewässer auf dem Betzenberg entschlammt und die technischen Einrichtungen überarbeitet. Durch die Technik sollen die Gewässer alle zwei bis drei Jahre leergepumpt werden. Damit könnte eine weitere Ursache für den Rückgang der Amphibien vor Ort bekämpft werden: „Ein großes Problem sind die Fische, die die Larven der Amphibien fressen“, sagt Schall. Vor allem durch die Fischereien, die oft künstlichen Fischbesatz in die Gewässer geworfen hätten, und private Leute, die ihre Fische dort aussetzen, sei das zu einem großen Problem geworden. „Wenn Eltern einen Goldfisch, den das Kind nicht mehr cool findet, ins Gewässer werfen, dann kann das verheerende Folgen haben“, sagt Schall.

Die Gewässer wurden in den 1980er Jahren angelegt, seitdem aber nicht mehr auf Vordermann gebracht. Regelmäßige Überarbeitungen seien aber von hoher Bedeutung, so Schall. Der Uferbereich müsse regelmäßig abgeholzt und Schlamm ausgepumpt werden. Bisher fühlen sich die Amphibien auch auf dem Golfplatz in Weil im Schönbuch sichtlich wohl. „Eigentlich ist ein Golfplatz ein lebenswertes Ersatzhabitat“, sagt Schall. Dort können sie unter direkter Sonneneinstrahlung leben. „Wir sind auf der Suche nach neuen Standorten für Gewässer und betreiben gerade Lobbyarbeit bei den Gemeinden für den Laubfrosch“, sagt Schall.

Es ist verboten, Amphibienarten einfach umzusiedeln

Eine Amphibienart einfach von ihrem Standort zu einem anderen umzusiedeln, ist gesetzlich verboten. Deshalb müssen Gewässer so attraktiv werden, dass sich die Tiere von alleine dorthin bewegen. „Wir wollen ein Biotopverbundnetz bauen, indem wir möglichst viele Gewässer so aufwerten, dass die Arten dort eine Chance haben, sich auszubreiten“, sagt Schall. 90 Prozent der Kosten werden mit 3500 Euro vom Amphibienfonds der EnBW Karlsruhe gedeckt, für den sich der Nabu beworben hat.

Bei den wanderfreudigen Laubfröschen hat Schall Hoffnung, dass sie vom Böblinger Truppenübungsplatz herüberwandern. Der Kammmolch hingegen legt selten weite Strecken zurück. Im Winter gehen die Maßnahmen weiter. Jedes Jahr will der Nabu neue Gewässer anlegen und alte aufwerten. „Wenn wir jetzt nicht versuchen, die Arten zu halten, dann sind sie weg“, sagt Schall. Dann heißt es warten, ob die Amphibien sich in den Gewässern auf den Fildern wieder zu Hause fühlen.