Steinmeier soll Bundespräsident werden Einer, der den Laden zusammenhält

Besonnen und fleißig: der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier soll Bundespräsident werden. Foto: AFP
Besonnen und fleißig: der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier soll Bundespräsident werden. Foto: AFP

Frank-Walter Steinmeier hat sich für das Amt des Bundespräsidenten nie aufgedrängt. Die Bundeskanzlerin hat aber keinen Besseren gefunden.

Berlin - Einer der ersten Gratulanten ist ein Grieche. „Ich freue mich für dich“, sagt Athens Außenminister Nikos Kotzias, als er während der EU-Außenministersitzung in Brüssel direkt vor Frank-Walter Steinmeier das Wort erteilt bekommt: „Du wirst uns in diesem Kreis fehlen.“ Deutschlands Chefdiplomat selbst, gerade zum gemeinsamen Koalitionskandidaten für die Nachfolge von Joachim Gauck im Amt des Bundespräsidenten gekürt, lässt sich an diesem Montag zunächst nicht vernehmen. Er sagt seine Brüsseler Pressekonferenz ab, will sich nicht aufdrängen, sondern die erste Reihe der Berliner Parteivorsitzenden die offizielle Ansage machen lassen.

Keine 20 Stunden zuvor, am frühen Sonntagabend, ist für Steinmeier aus Hoffnung langsam Gewissheit geworden. Sein Regierungsflugzeug steht auf der Startbahn im militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel. Lang muss die Besatzung warten, bis die Reise nach Brüssel beginnt, wo Gespräche über die Zeit nach der Wahl von Donald Trump bevorstehen. Aber noch wichtiger sind in diesem Moment die Signale, die er kurz vor dem Flug aus dem Kanzleramt empfängt, in dem sich kurz zuvor die Spitzen der Koalition getroffen haben. Angela Merkel und Horst Seehofer akzeptieren ihn als Bundespräsidenten, trotz SPD-Parteibuch. Nur noch die Sitzungen der Unionsgremien am Montagmorgen muss er abwarten.

Die Kanzlerin hat keine Alternative präsentieren können

Diese Hürde ist am Ende gar keine. In nicht einmal 45 Minuten holen sich die Parteivorsitzenden von CDU und CSU am frühen Vormittag in getrennten Telefonkonferenzen die Zustimmung ihrer jeweiligen Präsidien. Gefallen hat das den Unionisten natürlich nicht, von der Kanzlerin dargelegt zu bekommen, dass es nach mehreren Absagen, wie ein Teilnehmer Merkel zitiert, „keinen eigenen Kandidaten gibt, der gewinnen kann“. Und einen Grünen, selbst einen Schwarz-Grünen wie Winfried Kretschmann, wollen Bayerns Christsoziale partout nicht. Jens Spahn, Wolfgang Schäubles Finanzstaatssekretär, ist derjenige, der die Frage aufwirft, wie das alles der Parteibasis schmackhaft gemacht werden soll. Eine Alternative hat aber auch er nicht parat. Die Runde trauert deshalb erneut Norbert Lammert hinterher, dem Bundestagspräsidenten, der aber für das höchste Amt im Staate nicht zur Verfügung steht. „Schade“, wird Seehofer das später nennen, aber so sei es nun einmal. Da müsse man eben „Verantwortung für das Land“ übernehmen – und in den parteipolitisch sauren Apfel beißen.




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