Steinschlaggefahr auf der Yburg in Kernen Eine teure Ruine wird renoviert

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Der Gemeinderat Kernen hat beschlossen, das Wahrzeichen der Gemeinde in Stetten für 330 000 Euro zu sanieren. Eine Wahl hatte er nicht. Hitzige Diskussionen gab es trotzdem.

Marodes Gemäuer: Die Yburg  mit der Kunst von Karl Ulrich Nuss. Foto: Patricia Sigerist
Marodes Gemäuer: Die Yburg mit der Kunst von Karl Ulrich Nuss. Foto: Patricia Sigerist

Kernen - Ist schon blöde gelaufen. Da hat Bürgermeister Stefan Altenberger die Stallwächterparty der Städte und Gemeinden mit Teilnahme an der Remstal Gartenschau nach Kernen und auf die Yburg gelotst, und jetzt ist die romantische Stettener Ruine so ruinös geworden, dass sie wegen Steinschlag-Gefahr gesperrt werden musste. Das Bauamt in Kernen hat die Lösung gefunden, das eine zu erledigen – die Sanierung –, und das andere nicht bleiben zu lassen, nämlich die Großkopfeten-Party am 4. August: Die Fassadenrestaurierung wird in zwei Bauabschnitten erfolgen.

Schloss Stetten steht als Ausweich-Location zur Debatte

Falls sich der erste Abschnitt über diesen Termin hinzieht, gibt es schon eine Ausweich-Location: Der Gemeinderat dachte an den für jeden zugänglichen Schlosshof in Stetten. Ob jemand den Besitzer, die Diakonie Stetten, oder gar deren Schutzbefohlene und Schlossbewohner schon gefragt hat, ob sie die laute Sause bis in die Nacht wünschen, und wie die Antwort lautet, ist noch nicht bekannt.

Umwelteinflüsse haben die Burgfassade stark geschädigt

Die Schäden an der Natursteinfassade der Yburg sind massiv. Das Fachbüro Aedis hat im Auftrag der Gemeinde den Zustand untersucht, weil das Bauamt den Außenbereich trocken legen, einen Platz für Klohäuschen schaffen und den Zugang verbessern will (unsere Zeitung berichtete). Das Büro zeigte auf, was niemand aufgefallen war: Die Fassade ist durch Umwelteinflüsse mit Schalen- und Rissbildungen an den Sand- und Bruchsteinen geschädigt.

Im ersten Bauabschnitt wird dafür gesorgt, dass keine Steine an den Hauptzugangsseiten sowie am Zugang zu den Gewölbekellern herunterfallen können. Im zweiten Bauabschnitt werden die restlichen Fassadenflächen, die Süd- und Ostfassade sowie sämtliche Wandflächen im Innenraum gesichert und restauriert. Das bröckelnde Bruchsteinmauerwerk soll abgeschlagen, Fehlstellen mit Mörtel verschlossen werden. Ein farblich abgestimmter Sanierungsmörtel in einem Teilbereich der Ostfassade soll Salze und Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk ziehen. Er wird zunächst alle fünf bis zehn Jahre, später in längeren Intervallen, abgeschlagen und erneuert. Schadstellen und Schalenbildungen an den steinmetzbearbeiteten Gliederungen werden verankert und konserviert. Nur in Ausnahmefällen sollen Steine komplett ausgetauscht werden.

Krach im wegen der Höhe der Kosten überraschten Gemeinderat

Die Gesamtkosten für beide Bauabschnitte wurden vom Fachbüro auf 330 000 Euro beziffert. Da hat manche Räte schier der Schlag getroffen. SPD-Gemeinderätin Ingrid Möhrle protestierte heftig dagegen, so überraschend mit einer außerplanmäßigen Ausgabe konfrontiert zu werden. Die Sitzung wurde richtig hitzig: CDU-Gemeinderat Rainer Müller handelte sich für seine als beleidigend verstandene Wortwahl gegenüber PFB-Gemeinderat Eberhard Kögel einen Ordnungsruf des Bürgermeisters ein. Ein von der UFW und Kögel vorgeschlagenes Dach für die Ruine, um sie vor weiteren witterungsbedingten Schäden zu schützen, wurde als aufwendig und nicht genehmigungsfähig eingeschätzt. Den Sanierungsplan hat der Gemeinderat einstimmig abgesegnet. Ein Zuschuss der Landesregierung in Höhe von einem Drittel der Kosten wurde beantragt.