Stellenabbau bei Daimler? Betriebsrat weiß nichts von Verschärfung des Sparprogramms

10 000 Stellen will Autobauer Daimler bis 2022 einsparen. Das hatte das Unternehmen bisher kommuniziert. Nach Medienberichten über einen weiteren Stellenabbau, zeigt sich der Betriebsrat verwundert. Er weiß nämlich von nichts.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG Foto: dpa/Christoph Schmidt
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Autobauers Daimler, weiß nichts davon, dass bei dem Stuttgarter Konzern mehr Stellen gestrichen werden sollen als bislang geplant. „Mit mir ist keine Verschärfung des Sparprogramms besprochen worden“, sagte Brecht unserer Zeitung. „Es gibt eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber, und an diese halten wir uns.“

Am Montag hatte das „Handelsblatt“ berichtet, Daimler plane, mehr Stellen abzubauen als ursprünglich geplant. Details dazu will das Unternehmen demnach bei seiner Bilanzpressekonferenz an diesem Dienstag veröffentlichen.

10 000 Stellen sollen abgebaut werden

Bislang hatte das Unternehmen lediglich kommuniziert, bis 2022 insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einsparen zu wollen. Dabei sollen mindestens 10 000 Stellen abgebaut werden. „Zwei Drittel der Summe sollen in Deutschland eingespart werden“, hatte Brecht unserer Zeitung im Dezember gesagt. Bei den Führungskräften sollen demnach wohl 1100 Stellen wegfallen.

Vor seiner ersten Bilanz als Daimler-Chef steht Ola Källenius unter hohem Druck, vor allem finanziell. Der Abgasskandal führt zu immer höheren Rückstellungen in Milliardenhöhe, zuletzt kamen laut Unternehmen voraussichtliche Kosten von 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro hinzu, vermutlich für Verfahren in den USA. 2019 rechnet Daimler vorläufigen Zahlen zufolge mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 5,6 Milliarden Euro, der durch die neuen Aufwendungen im Dieselskandal aber noch weiter schrumpfen dürfte. Damit wäre der Gewinn im Vergleich zu 2018 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Damals kam der Konzern noch auf rund 11,1 Milliarden Euro.

E-Offensive belastet die Rendite

Parallel dazu bringt die stockende Elektrooffensive die Rendite unter Druck. Den Anfang hatte der elektrische Geländewagen EQC gemacht. Doch die Kosten von E-Autos sind deutlich höher als die von Verbrennern. Allerdings dürfen die E-Autos nicht viel teurer sein als Wagen mit Verbrennungsmotor, weil sie sonst zum Ladenhüter werden. Hinzu kommt, dass der EQC langsamer anläuft als geplant. Daimler muss den Absatz von Stromern ankurbeln, um die immer schärferen Klimaziele der EU zu erreichen. Werden die Grenzwerte überschritten, drohen dem Autobauer Geldstrafen in Milliardenhöhe.

Källenius kündigt Sparprogramm an

Um den Konzern zu stabilisieren, hatte Ola Källenius im November 2019 das umfangreiche Sparprogramm angekündigt. In dessen Fokus stehen Personal- und Materialkosten sowie eine reduzierte Modellpalette. Vergangene Woche etwa hatte Daimler erklärt, den Pick-up X-Klasse einzustellen. Betriebsratschef Brecht hatte immer wieder moniert, der Konzern biete zu viele Modellvarianten an; Entwicklung und Produktion seien dadurch zu komplex. Auch Källenius hat mehrfach betont, alle Modelle kämen auf den Prüfstand, ebenso die zahlreichen Motorvarianten.

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