Stellenabbau bei SEB Auch WMF-Standort Geislingen betroffen?

Die Nachricht der Groupe SEB zum geplanten Stellenabbau versetzt auch die Mitarbeiter der WMF in Geislingen in Sorge. Foto: Markus Sontheimer

Groupe SEB streicht bis zu 2100 Stellen. Die Produktion in Hayingen, Riedlingen und Diez wird geschlossen. Die Folgen für Geislingen sind unklar.

Das Schlagwort „Neuausrichtung“ haben die Mitarbeiter der WMF in den vergangenen Jahren oft gehört. Eine der gravierendsten Folgen einer „strategischen Neuausrichtung“ des Unternehmens in jüngerer Zeit war 2020 die Schließung der Kochgeschirrfertigung in Geislingen und die Verlagerung an andere Standorte im Ausland. Es folgte zum 1. Januar 2024 die Aufspaltung der WMF in fünf rechtlich selbstständige Geschäftseinheiten im „Skyline-Projekt“.

 

Groupe SEB kündigt „organisatorische Neuausrichtung“ an

In einer Pressemitteilung kündigte der Mutterkonzern Groupe SEB (Akronym für Société d’Emboutissage de Bourgogne) nun eine „organisatorische Neuausrichtung zur Steigerung von Effizienz und Agilität“ an. Im Rahmen eines „globalen Rebound-Plans“ sollen weltweit bis zu 2100 Stellen abgebaut werden. Dadurch sollen bis Ende 2027 die Kosten um 200 Millionen Euro gesenkt werden, teilte Groupe SEB mit. In der DACH-Region, die Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst, sind demnach bis zu 600 Stellen betroffen. Insgesamt sind in der Region laut Groupe SEB mehr als 4400 Personen beschäftigt.​

Die Maßnahmen berühren laut Pressemitteilung die Verwaltung, die Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten, die Stores sowie Teile der Produktion. Zudem ist geplant, die Fertigung von Kochgeschirr, Backformen und Messern an den Standorten Riedlingen, Hayingen (beide Baden-Württemberg) und Diez (Rheinland-Pfalz) einzustellen; dafür sollen bestehende Strukturen an anderen Standorten genutzt werden. Ob der Stellenabbau auch Auswirkungen auf den Geislinger Standort haben wird, ist noch unklar. Judith Hilscher von der Pressestelle verwies auf die Mitteilung, in der es heißt, der Campus in Geislingen sei „weiterhin Hauptsitz der Marke WMF, regionales Headquarter für die Region DACH der Consumer-Einheit und globales Kompetenzzentrum für professionelle Kaffeemaschinen“.

PCM-Bereich in Geislingen offenbar nicht betroffen

Metin Dogan, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, bestätigte die Schließung der Produktionsbereiche in Hayingen, Riedlingen und Diez. Insgesamt seien 250 Arbeitsplätze betroffen. An den drei Standorten werden Töpfe (Riedlingen), Backformen (Diez) und Messer (Hayingen) gefertigt. Von dem geplanten Stellenabbau habe er am Dienstagabend erfahren. Er könne offiziell bestätigen, sagte Dogan weiter, dass der PCM-Bereich in Geislingen (professionelle Kaffeemaschinen) von dem 200-Millionen-Euro-Sparprogramm ausgeschlossen sei.​

Allerdings gibt es in der Kaffeemaschinenproduktion seit rund zwei Wochen Kurzarbeit. Das hat das Unternehmen auf Nachfrage bestätigt. Weder Metin Dogan noch die Pressestelle wollten mehr dazu sagen. Auf sechs Presseanfragen reagierte das Unternehmen lediglich mit einem Satz: „Wir können bestätigen, dass wir Kurzarbeit eingeführt haben, um zyklische Nachfrageschwankungen abzufedern.“ Fragen zu den genauen Gründen und der Dauer der Kurzarbeit, der Zahl der betroffenen Mitarbeiter, zu einer möglichen Kurzarbeit auch in der Kaffeemaschinenfertigung im chinesischen Werk in Shaoxing und zur Zukunft des Geislinger Standortes ließ das Unternehmen unbeantwortet. In einer Pressemitteilung der Groupe SEB wird Stefanie Leiterholt, Geschäftsführerin der WMF Shared Services GmbH, mit folgenden Worten zitiert: „Das Wettbewerbsumfeld in unserer Branche verschärft sich weiter. Das Konsumverhalten verlagert sich zunehmend in digitale Kanäle. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, müssen wir unsere Organisation vereinfachen, unsere Effizienz steigern und unsere Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen. Die Maßnahmen dienen dazu, die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unserer Aktivitäten in Europa und der DACH-Region zu sichern.“​

Stellenabbau soll sozialverträglich und fair sein

Die Groupe SEB wolle den geplanten Stellenabbau sozialverträglich und fair umsetzen. Das Unternehmen setze auf freiwillige Vereinbarungen, natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen. Konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen würden zeitnah aufgenommen. Die DACH-Region bleibe für die Groupe SEB von hoher strategischer Bedeutung. ​Die Gruppe betreibe auch künftig in der gesamten Region ein Netz an Stores und werde weiter in ihre Kernmarken investieren.

Der Mutterkonzern Groupe SEB

Konzern
 Der französische Haushaltsgerätekonzern SEB ist Eigentümer von Marken wie WMF, Rowenta, Tefal, Moulinex, Silit, Emsa und Krups. Er beschäftigt laut der „Wirtschaftswoche“ weltweit rund 32.000 Mitarbeiter.

Ziele
 SEB hatte im vergangenen Jahr zweimal seine Umsatz- und Gewinnziele zurücknehmen müssen. Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft schrumpfte im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro.Der Nettogewinn lag 2025 bei 245 Millionen Euro, der Umsatz bei 8,17 Milliarden Euro.

Aktie
Die Pläne zum Stellenabbau trieben laut „Wirtschaftswoche“ die SEB-Aktie am Mittwoch in Paris um elf Prozent nach oben.

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