Stellwerk S in Herrenberg Ein Wunderland, nicht nur für Bahnfans

Von  

Die Stadt hat eine neue Attraktion: das Stellwerk S, eine Miniaturversion der Stuttgarter Innenstadt, komplett mit dem alten Hauptbahnhof, der Königstraße sowie der Heilbronner Straße.

Der Stuttgarter Wolfgang Frey hat das Stellwerk S erbaut, heute gehört es Rainer Braun. In Herrenberg kann man das Modell besichtigen. Foto: factum/Granville 12 Bilder
Der Stuttgarter Wolfgang Frey hat das Stellwerk S erbaut, heute gehört es Rainer Braun. In Herrenberg kann man das Modell besichtigen. Foto: factum/Granville

Böblingen - Während sich im echten Stuttgart die Bagger der Bahn durch das Herz der Stadt wühlen, präsentiert sich der Stuttgarter Hauptbahnhof in Herrenberg (Kreis Böblingen) noch in altem Glanz. Auch die alte Bahndirektion und das Gleisvorfeld – beide unangetastet. Was wie der Traum eines Nostalgikers klingt, ist die neueste Attraktion der Stadt Herrenberg: eine riesige Miniaturversion der Stuttgarter Innenstadt, ein wahres Wunderwerk komplett mit fahrenden Zügen, Licht in vielen Gebäuden und liebevollen Details wie Büroräumen, in denen winzige Figürchen an Schreibtischen sitzen und zu arbeiten scheinen. Stellwerk S heißt diese kleine Welt, und sie gehört Rainer Braun.

Der 55-Jährige aus Herrenberg hat die Modellbahn auf Spur N im vergangenen Jahr gekauft. Gebaut hat sie allerdings Wolfgang Frey, ein Stuttgarter, der im echten Stellwerk tätig war und sein ganzes Herzblut in die Anlage gesteckt hat. „Mehr als 30 Jahre hat er daran gearbeitet“, sagt Rainer Braun. Frey, der 2012 gestorben ist, hatte sie in einem S-Bahnhof irgendwo in Stuttgart in nach und nach immer größeren Dimensionen gebaut, Teile der Anlage befinden sich heute noch dort. Den genauen Standort will Braun nicht verraten, damit Modellbahnfans dort nicht „hinpilgern“.

Das Mini-Stuttgart hatte an seinem Standort gelitten

Denn der großen Öffentlichkeit präsentieren durfte Frey seine Mini-Welt an ihrem Originalstandort nie – aus Brandschutzgründen, wie Gerald Wirag vom Vorstand des Modelleisenbahnclubs Herrenberg und Gäu erklärt. Ihm und seinen Klub-Kameraden fiel die Aufgabe zu, die von Braun erworbene Anlage in der Landeshauptstadt ab- und in Herrenberg wieder aufzubauen. Das Mini-Stuttgart sollte nämlich nicht nur für Besucher zugänglich gemacht werden – es hatte an seinem ursprünglichen Standort auch gelitten. Ein Wasserschaden hatte ihm zugesetzt. „Schauen Sie, das sind Stockflecken“, sagt Gerald Wirag und deutet auf Teile der Heilbronner Straße.

Seit den Sommerferien 2016 schuftet er mit seinem Team aus Modellbahn-Fans bereits an der neuen Ausstellung. Noch ist nicht alles fertig. „Einige Stellen sind noch schief, aber das kriegen wir hin“, sagt Wirag. Auch ist noch nicht das komplette Modell in seinem neuen Zuhause in Herrenberg angekommen. Es ist auch fraglich, ob jemals sämtliche Stücke dort zusammenhängend zu sehen sein werden – das Modell ist schlicht zu groß. Denn Frey hat nicht nur das Areal rund um den Hauptbahnhof nachgebaut. Sein Modell umfasst auf rund 180 Quadratmetern außerdem etwa auch den Stuttgarter Nordbahnhof, die Wilhelma und den Stuttgarter Westen, alles im Maßstab 1:160.

Reise durch die Geschichte

Wer sich das rund 15 Meter lange Modell nun in Herrenberg anschaut, der unternimmt sozusagen einen Spaziergang durch die letzten 30 Jahre von Stuttgarts Geschichte. Denn bei seinen Arbeiten orientierte sich Frey immer an dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen Gesicht der Stadt, machte Fotos von Gebäuden und Straßen und baute diese dann nach, erklärt Wirag. Freys erstes Projekt und damit das älteste Stück seines Werkes ist der Hauptbahnhof. Drei Versuche benötigte er, bis er mit dem kleinen Bruder des echten Vorbilds zufrieden war. „Der modernste Teil der Anlage ist das Cannstatter Carrée“, sagt Wirag.

Der Herrrenberger OB Thomas Sprißler zeigte sich bei der Eröffnung der Ausstellung begeistert über die neue Attraktion, die seine Stadt von nun an zu bieten hat. „Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, sagte er. Und auch Gerald Wirag ist stolz, dass das Projekt schlussendlich geklappt hat – denn es gab auch Rückschläge. So stürzte das Kaufhof-Parkhaus beim Transport einmal komplett ab. Trotzdem habe sich die monatelange Arbeit gelohnt, denn „diese Anlage ist eine Legende.“

Die Ausstellung

Öffnungszeiten
Das Stellwerk S, Nagolder Straße 14 in Herrenberg, ist vom heutigen Samstag, 16. September, an, immer donnerstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der letzte Einlass ist um 17 Uhr.

Preise
Erwachsene zahlen 6,50 Euro Eintritt, Deutsche-Bahn-Bedienstete und Modellbahnclubmitglieder kommen für 5 Euro rein. Kinder bis acht Jahren sind frei, ältere bezahlen 3 Euro. Ermäßigte Tickets etwa für Schüler kosten ebenfalls 3 Euro.