Erdgräber wählen nicht mehr so viele Menschen als letzte Ruhestätte aus. Foto: Kanter, Natalie
Alles wird teurer – in Leinfelden-Echterdingen gilt das auch für das Lebensende. Die klamme Stadt will an den Bestattungsgebühren drehen. In einem Fall wird es aber günstiger.
Der Stadt Leinfelden-Echterdingen geht es wie vielen Kommunen: Sie muss aufgrund ihrer angespannten Haushaltslage an mehr Einnahmen kommen. Und geht nun auch an jene Gebühren ran, die anfallen, wenn Menschen sterben. Die Stadt hat nach knapp zehn Jahren ihre Friedhofs- und Bestattungsgebühren neu kalkulieren lassen. Ein neues Berechnungsmodell wurde zugrunde gelegt. Das erklärte Ziel: Bei steigenden Kosten soll der städtische Zuschuss nicht nach oben gehen. Die Folge: Gibt der Gemeinderat Ende des Monats grünes Licht, müssen Angehörige von Mai an zum Teil deutlich mehr für die Bestattung ihrer Liebsten bezahlen. Dennoch muss die Kommune 932 000 Euro pro Jahr in das Bestattungswesen investieren. Das ist die Summe, die eben nicht durch die Gebühren abgedeckt ist.
Stefan Kasteel von der Firma Allevo Kommunalberatung hat sich die voraussichtlichen Kosten der kommenden fünf Jahre für die Bestattung, die Grabnutzung und die Kremation angeschaut. Laut dieser Prognose fallen 311 000 Euro mehr dafür an, als in der Vergangenheit. Dieses Plus galt es auf die Gebühren umzulegen. „Überall da, wo es möglich ist, wurde eine volle Kostendeckung festgesetzt“, erklärte er am Dienstagabend im zuständigen Gemeinderatsausschuss.
Früher wurden die Gebühren über die Fläche berechnet, die ein Grab auf einem der städtischen Friedhöfe einnimmt und über den Zeitraum, in der ein Grab benutzt ist. „Weil ein Urnengrab deutlich kleiner ist als ein Erdgrab, war dies auch deutlich günstiger“, sagte Stefan Kasteel. Damit die Erdgräber nicht noch teurer werden müssen, solle die Größe des Gräber fortan nicht mehr so ins Gewicht fallen, der Fokus liege mehr auf der Nutzungsdauer. Der Grundgedanke dahinter: „Wir wollen, dass jemand, der ein Erdgrab haben möchte, auch die Wahlmöglichkeit dazu hat.“
Was kostet künftig eine Bestattung in Leinfelden-Echterdingen?
Was bedeutet die Neukalkulation nun genau? Gerade die stark nachgefragten Urnengräber sollen teurer werden. Wer ein Urnenwahlgrab für 25 Jahre auswählt, muss dann nicht mehr 3774 Euro, sondern 4183 Euro bezahlen – also 409 Euro mehr. Einen besonderen Aufschlag soll es bei Urnengräbern am Baumhain (bisher 3714 Euro) und bei der Urnennische im Kolumbarium (bisher 3517 Euro) geben. Diese Bestattungsformen werden dann künftig 1509 Euro beziehungsweise 1523 Euro teurer. Jeweils bei einer zweifachen Belegung und 25 Jahren. Wobei hier insbesondere die Grabnutzungsgebühr ins Gewicht fällt und das Nutzen der Feierhalle in diesen Kosten dabei ist.
Ein Erdgrab, in dem zwei Tote Platz finden, und für 25 Jahre genutzt wird, soll derweil dank des neuen Berechnungsmodell um 368 Euro günstiger werden und dann nicht mehr 5349 Euro, sondern 4981 Euro kosten. Erdgräber hatten in der Vergangenheit nicht mehr so viele Menschen als letzte Ruhestätte ausgewählt. In Leinfelden-Echterdingen gibt es im Moment 86 Erdbestattungen auf den städtischen Friedhöfen und 278 Urnenbestattung pro Jahr.
Da das städtische Krematorium auf dem Leinfelder Waldfriedhof im Wettbewerb mit Betreibern steht, kann dort die Stadt nicht all ihre Ausgaben auf die Gebühren umlegen. „Wenn hier die Gebühren zu stark ansteigen, weichen die Bestatter auf andere Krematorien aus“, erklärte der Experte. Eine Einäscherung wird künftig 495 Euro kosten. Früher lag diese Gebühr bei 479 Euro.
Wer für die Bestattung seiner Liebsten die Feierhalle auf einem der Friedhöfe anmieten will, soll auch etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, als bisher. 480 Euro statt ursprünglich 425 Euro sollen ab Mai fällig werden. Um hier alle Kosten zu decken, müsste die Stadt dafür 2500 Euro erheben, rechnete Stefan Kasteel vor.
Die klassischen Baumgräber am Leinfelder Waldfriedhof sind zur Neige gegangen. Foto: Natalie Kanter
Regeln auf den Friedhöfen: Ein Schale Bier am Grab ist nicht erlaubt
Die Bestattung von Kindern kostet weniger, als wenn Erwachsene sterben. Für alleinstehende, arme Menschen, die keine Angehörigen haben, übernimmt die Stadt die Bestattung und die Kosten. Wer nicht sofort die ganze Summe zahlen kann, kann in Raten zahlen, betonte Ordnungsamtschef Gerd Maier. Menschen mit schmalem Geldbeutel, die sich nicht in der Lage sehen, die Bestattung ihrer Angehörigen zu bezahlen, können einen Antrag auf Kostenübernahme beim Landratsamt stellen.
Die klassischen Baumgräber am Leinfelder Waldfriedhof sind derweil zu Neige gegangen. Weiter in den Wald wolle man aufgrund des Klimawandels nicht gehen, klärte Maier auf. Für diese Bestattungsform will man künftig Baumreihen auf den Friedhöfen nutzen. Urnen mit nach Hause zu nehmen, um beispielsweise die Asche des Verstorbenen im heimischen Garten oder in einem Fluss zu verstreuen, sei anders als Rheinland-Pfalz in Baden-Württemberg noch nicht möglich, klärte er auf Nachfrage einer Stadträtin auf. Neu in der Friedhofssatzung soll verankert werden, dass städtische Mitarbeiter Dinge, die nicht an Urnenwände oder Baumgräber gehören, ohne die Angehörigen zu informieren abräumen können. Ausnahmen werden an Todestagen gemacht. Maier nannte dafür ein Beispiel: So wurde eine Glasschale mit Bier am Grab aufgestellt, weil der Verstorbene gern Bier getrunken habe.