Sternekoch Franz Feckl aus Ehningen Gastro-Größen reisen zur Fußball-EM der Spitzenköche nach Verona

Matthias Heitzer und Franz Feckl (rechts) präsentieren eine Auswahl der bislang errungenen Pokale der kickenden Köche. Foto: Stefanie Schlecht

Am Wochenende kommen Dutzende Sterne- und Spitzenköche aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz zusammen. Aber nicht zum Kochen, sondern zum Kicken. Der Ehninger Sternekoch Franz Feckl verrät ihr Erfolgsrezept.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Was Köche und Fußballer gemein haben? Sicherlich die Leidenschaft – und den Biss. Wenn am Wochenende Gastro-Größen aus ganz Deutschland nach Verona reisen, um dort bei der Europameisterschaft (EM) der Spitzenköche gegen Kollegen aus Österreich, Italien und der Schweiz anzutreten, wollen sie nicht weniger als gewinnen. „Aber uns ist auch die dritte Halbzeit wichtig“, sagt Franz Feckl mit einem Augenzwinkern. Er ist nicht nur Sternekoch in seinem Gourmetrestaurant Landhaus Feckl in Ehningen, sondern auch seit vielen Jahren der Präsident der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Spitzenköche und Restaurateure.

 

Die Italiener erfinden die EM der Köche

Die sportlichen Zusammentreffen der besten Köche aus den vier Teilnehmerländern finden schon seit 27 Jahren statt. Die Idee dazu kam aus Italien, wo kickende Spitzenköche den Wunsch hatten, gegen andere Nationen anzutreten. Im Jahr 1996 gründete sich in Deutschland zunächst ein Fußball-Freundeskreis, dem ausschließlich Sterneköche angehörten; 2005 wurde schließlich ein Verein gegründet, in dem dann auch erstklassige Köche ohne Stern sowie Sommeliers, Restaurantbetreiber und Feinkosthändler aufgenommen wurden.

Der Ehninger Franz Feckl war vom ersten Spiel an dabei, aber auch gastronomische Größen wie Johann Lafer, Heiner Finkbeiner und Harald Wohlfahrt vom Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn oder Zwei-Sterne-Koch Lothar Eiermann ließen damals regelmäßig ihren Herd kalt, um mitzuspielen. „Johann Lafer war ein exzellenter Torwart“, erinnert sich Feckl. Nie werde er vergessen, wie Lafer zu einer Köche-EM höchstpersönlich mit dem Hubschrauber angeflogen kam und neben dem Spielfeld landete.

Seither haben 18 Europameisterschaften der Spitzenköche stattgefunden. Länder wie Schweden, Frankreich oder die Niederlande haben einige Jahre auch teilgenommen – eine Weltmeisterschaft wurde 2004 ausgetragen –, inzwischen sind aber nur noch Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz fest dabei. „Wir nennen die EM deshalb inzwischen auch Alpencup. Sie findet im Wechsel in diesen vier Ländern statt“, sagt der Geschäftsführer des Vereins, Matthias Heitzer. Einnahmen, die überwiegend durch Sponsoren aus der Gastroszene generiert werden, werden immer einem wohltätigen Zweck im jeweiligen Land gespendet.

Dieses Jahr ist Italien mit seiner Mannschaft „Nazionale Italiana Ristoratori“ Gastgeber der EM. Um sich vorzubereiten, haben sich die deutschen Fußballköche im April zu einem Trainingslager in Bad Krozingen auf dem Fallerhof getroffen sowie zu einer Trainingseinheit bei der Familie Tress auf der Schwäbischen Alb. Insgesamt kommt die Mannschaft etwa siebenmal im Jahr zu Spaßspielen zusammen, jeweils mit anderen Auswahlmannschaften von Postangestellten, Politikern, Krimiautoren oder Bundeswehrsoldaten. Trainiert werden sie dabei von Riccardo Ricci, einem italienischen Wein- und Feinkosthändler aus Ditzingen, der früher bei den Stuttgarter Kickers gespielt hat. „Er ist ganz schön streng“, sagt Feckl. Ernst nehmen würden sie es aber alle, und das sei letztlich auch ihr Rezept zu vielen Spielerfolgen und Europameistertiteln.

Kickende Köche und kochende Kicker

Warum aber treffen sich Köche zum Kicken? „Viele haben keine Zeit für Vereinsfußball, aber Spaß am Fußball“, sagt Matthias Heitzer. Franz Feckl zum Beispiel begleitet seine Liebe zum Fußball schon das ganze Leben. In seiner Jugend kickte der gebürtige Bayer im Verein, doch mit Beginn seiner Kochlehre war es damit vorbei. In seinem Werdegang spielte der Fußball trotzdem noch einmal eine wichtige Rolle, als ihn 1978 der Meisterkoch Eckart Witzigmann nur deshalb einstellte, weil er gut mit dem Ball umgehen konnte. „Er wollte kein Zeugnis sehen, sondern nur wissen, ob ich kicken kann“, erzählt Franz Feckl. Samstags um elf Uhr habe sich das gesamte Küchenteam zum Spiel auf dem Fußballplatz getroffen, „und wehe, wer nicht da war“.

Inzwischen spielt der 67-Jährige zwar nicht mehr aktiv Fußball, „aber ich bin begeisterter Fan geblieben“, sagt er und zieht ein leidendes Gesicht, weil sein Herzensverein, der FC Bayern, gerade schwächelt. Zu den Spielen der Fußballköche reist Feckl zum Anfeuern der jüngeren Kollegen gerne an, schließlich sei es immer ein nettes Zusammenkommen und im Laufe der Jahre seien viele Freundschaften entstanden. „Und es ist eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen“, sagt der Koch, der seinen Stern seit 36 Jahren hält. Nicht über Rezepte, aber über kulinarische Trends oder den Fachkräftemangel, mit dem alle zu kämpfen hätten. Die Personalnot mache sich auch dadurch bemerkbar, ergänzt Matthias Heitzer, dass zu den Spaßspielen inzwischen mehr Köche kurzfristig absagen müssten als vor der Coronazeit. „Im Zweifel geht der Betrieb vor.“

Das Landhaus Feckl bleibt erhalten

Gerüchte
 Wenn der Sternekoch Franz Feckl zurzeit mit Gästen seines Gourmetrestaurants spricht, wird er häufig darauf angesprochen, wie schade es sei, dass er sein Landhaus Feckl verkauft habe und schließe. „Das stimmt nicht“, betont der 67-Jährige. Er und seine Frau hätten lediglich einen dritten Ruhetag eingeführt und das Apartmenthaus Feckl’s Apart verkauft. „Wir haben etwas entschleunigt, eben weil wir gerne noch viele Jahre weitermachen wollen“, sagt Feckl. Er sei seit 52 Jahren Koch, davon 36 Jahre lang mit Stern, da sei es an der Zeit, ein klein wenig kürzerzutreten.

Feckl’s Apart
 Das Gebäude am Altdorfer Weg 2 haben die Feckls während der Pandemie an den Klinikverbund Südwest vermietet, die darin Mitarbeiter unterbrachten. Vergangenen Sommer verkauften sie es. Der neue Besitzer hat die Apartments weitere 15 Jahre dem Klinikverbund vermietet.

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