Sternenhimmel im September Der Herbstmond überdeckt die Sonne

Ein Paar betrachtet die Milchstraße auf dem Gipfel des Grande Dent de Morcles (2969 Meter) in der Schweiz Foto: dpa
Ein Paar betrachtet die Milchstraße auf dem Gipfel des Grande Dent de Morcles (2969 Meter) in der Schweiz Foto: dpa

Noch trägt der Anblick des abendlichen Sternenhimmels sommerlichen Charakter.Was sich alles im September beobachten lässt, erklärt der Stuttgarter Experte Hans-Ulrich Keller vom Planetarium.

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Sterne und Sternbilder

Das Sommerdreieck mit den hellen Sternen Wega, Deneb und Atair steht hoch über unseren Köpfen. Der Schwan hält sich fast exakt im Zenit auf. In klarer, dunkler Nacht erblickt man hier die sommerliche Milchstraße. Ihr schimmerndes Lichtband zieht im großen Bogen vom Nordosthorizont über den Scheitelpunkt zum Südwesten, wo es durch das Sternbild Schütze geht.

Der Große Wagen sinkt im Nordwesten herab, während das Himmels-W, die Kassiopeia, im Nordosten emporsteigt. Beide Bilder sind in Mitteleuropa zirkumpolar, das heißt, sie gehen nie unter und sind somit in jeder klaren Nacht zu sehen.

Tief im Süden stößt man auf das Sternbild Steinbock. Flankiert wird der Steinbock von seinen Tierkreisnachbarn Schütze im Westen und Wassermann im Osten. Der Steinbock ist ein Fabelwesen, halb Ziegenbock, halb Fisch. Auf einem Fragment einer babylonischen Sternkarte aus dem zwölften vorchristlichen Jahrhundert, das heute im britischen Museum in London ausgestellt ist, sieht man den Vorderteil als Bock, das Hinterteil endet in einem Fischschwanz.

Den Osthimmel hat inzwischen das Pegasusquadrat erobert. Es heißt auch Herbstviereck. Denn der Pegasus ist das Leitsternbild des Herbstes. Als geflügeltes Pferd soll der Pegasus den Poeten zu ihren Gedankenreisen verhelfen. An der Nordostecke des Pegasusvierecks hängt die Sternenkette der Andromeda. Tief im Osten ist das Sternbild Widder aufgegangen. Nur drei Sterne sind mit freien Augen zu erkennen, die ein stumpfwinkeliges Dreieck bilden.

Venus zeigt sich in der Abenddämmerung tief im Westen. Noch ist unser Nachbarplanet nicht sehr auffällig. Zu Monatsbeginn geht Venus kurz vor neun Uhr abends unter, Ende September bereits eine Stunde früher.

Planeten

Knapp über dem Südwesthorizont zeigen sich abends gegen 21 Uhr die Planeten Mars und Saturn. Mit dem hellen, roten Antares im Skorpion bilden sie ein auffälliges Dreieck, zu dem sich am 8. der zunehmende Halbmond gesellt. Jupiter hat sich vom Abendhimmel zurückgezogen. Am 26. überholt die Sonne den Riesenplaneten im Sternbild Jungfrau. Jupiter hält sich am Taghimmel auf und bleibt nachts unsichtbar unter dem Horizont.

Merkur zeigt sich zu Monatsende in der Morgendämmerung – etwa von sechs bis halb sieben Uhr in der Früh. Vom 25. September bis 5. Oktober kann man den Planeten knapp über dem Osthorizont erspähen. Danach verblasst er in der zunehmenden Morgenhelle. Neptun kommt am 2. September im Sternbild Wassermann in Gegenschein zur Sonne. Wegen seiner großen Sonnendistanz ist er so lichtschwach, dass er mit bloßen Augen nicht gesehen werden kann. Neptun wurde am 23. September 1846 auf der Berliner Sternwarte von Johann Gottfried Galle und Heinrich d’Arrest entdeckt, nachdem der Franzose U.J.J. Leverrier und der Engländer J.C. Adams die Position dieses zunächst hypothetischen Planeten aus Bahnstörungen des Planeten Uranus errechnet hatten. Mit 49 424 Kilometer ist der Durchmesser des Neptuns viermal größer als der der Erde, er ist auch 17-mal so schwer. 165 Jahre ist Neptun unterwegs, um mit seinen 13 Monden die Sonne zu umrunden.

Mond

Die Neumondphase tritt am 1. September um kurz nach elf Uhr ein. Da der Mond am gleichen Tag die Erdbahnebene von Süd nach Nord kreuzt, fällt sein Schatten auf die Erde, es ereignet sich eine Sonnenfinsternis. Nur fünf Tage später kommt der Mond mit 405 060 Kilometer in Erdferne. Somit ist die Mondscheibe etwas kleiner als die der Sonne: Es kommt zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Die Zone der Verfinsterung zieht sich vom Südatlantik über Zentralafrika, den Norden Madagaskars,die Insel Reunion bis zum Indischen Ozean hinein. Von Europa aus bleibt die Finsternis unbeobachtbar.

Vollmond ist am 16. um kurz nach 21 Uhr im Sternbild Wassermann. Abermals kreuzt der Mond die Erdbahnebene, diesmal in südlicher Richtung. Dabei tritt er tief in den Halbschatten der Erde ein. Zur Mitte der Halbschattenfinsternis um 20.54 Uhr sieht man den eben aufgegangenen Vollmond am Osthimmel. Der Mondaufgang erfolgt in Stuttgart am 16. um 19.33 Uhr. Halbschattenfinsternisse des Mondes werden von Laien kaum wahrgenommen. Der Austritt aus dem Halbschatten um 22:56 Uhr bleibt ebenso unbeobachtbar wie der Eintritt. Zwei Tage nach Vollmond kommt der Mond mit 361 900 Kilometer in Erdnähe. Am Abend des 21. passiert der abnehmende Halbmond den rötlichen Aldebaran im Stier knapp südlich.

Sonne

Die Sonne verlässt am 16. September das Sternbild Löwe und wechselt zur Jungfrau. Am 22. September überschreitet sie den Himmelsäquator um 16:21 Uhr in südlicher Richtung, der astronomische Herbst beginnt. An diesem Tag ist der Tag- und Nachtbogen der Sonne gleich groß, weshalb man von Herbst-Tagundnachtgleiche spricht. Da Sonnenauf- und -untergang jeweils für den oberen Sonnenrand kalkuliert werden und die atmosphärische Strahlenbrechung die Sonnenscheibe am Horizont etwa ein halbes Grad höher erscheinen lässt, tritt die eigentliche Tagundnachtgleiche später ein: Am 25. September geht die Sonne in 50 Grad Nord um 7:11 Uhr auf und um 19:11 Uhr unter.

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