Alle Jahre wieder durchquert die Erde die Staubwolke des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Das Ergebnis? Bis zu 100 Sternschnuppen in der Stunde sind bei besten Verhältnissen zu beobachten.
Sollte der Weihnachtsmann noch Wünsche offengelassen haben, ist die Sommerzeit vom 17. Juli bis 24. August perfekt, um einen Blick auf Sternschnuppen zu erhaschen. Und die Nacht vom 12. auf den 13. August ist die Sternstunde des nächtlichen Lichterspektakels – denn da haben die Perseiden ihren Höhepunkt. Woher der Aberglaube stammt, man könne sich beim Anblick auf das Phänomen etwas wünschen, ist unbekannt. Je nach Kultur unterscheiden sich hier die Ansichten. Mancherorts, wie in der Mongolei oder auf den Andamanen-Inseln im Indischen Ozean, sollen sie sogar Unglück bringen.
Was genau sind Perseiden?
Die Perseiden sind ein alljährlich wiederkehrender Meteorstrom, der von der Erde einmal im Jahr „durchflogen“ wird. Die Wolke ist also die Hinterlassenschaft des Kometen namens „Swift-Tuttle“. Demnach könnte man alle Sternschnuppen-Fans dieses Spektakels auch liebevoll „Swifties“ nennen. Gelangen diese Hinterlassenschaften in Form von kleinen Staubkörnern in die Erdatmosphäre, verglühen sie und kreieren eine leuchtende Spur am Nachthimmel. Da der Punkt, von dem aus die Sternschnuppen zu fliegen scheinen, im Sternbild Perseus liegt, erhielten sie den Namen Perseiden.
Tipps für eine atemberaubende Sternschnuppennacht
Die Faszination für das Naturspektakel ist astronomisch, auch wenn es nicht jedem gelingt, einen Blick auf sie zu erhaschen. Diese Tipps können Abhilfe schaffen:
- Den 12. August im Kalender Rot markieren: Bis zu 100 Sternschnuppen in der Stunde können zu sehen sein.
- Dunkle Orte zum Sternschnuppen-Spotting auswählen. In der Stadt ist es viel zu hell.
- Der frühe Vogel erblickt die Sternschnuppe: Die beste Beobachtungszeit ist kurz vor der Morgendämmerung.
- Den Blick am besten in nordöstliche Richtung schweifen lassen.
- Keine Ferngläser: Sternschnuppen sind meist nicht länger als eine Sekunde zu sehen, ein möglichst großes Sichtfeld ist also von Vorteil.
- Zwischendurch nicht aufs Smartphone schauen. Die Augen brauchen 30 Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
- Kein Schnuppenglück: Auch die Milchstraße zeichnet sich im August deutlicher am Himmel ab.
Die Sternschnuppennacht in Stuttgart
Möchte man die City nicht verlassen oder seine Nacht spontan unter dem Sternenhimmel verbringen, bietet Stuttgart durch seine Kessellage gute Spots. Es wird empfohlen möglichst auf Hügel oder Berge zu steigen, sich mit einer Jacke, Picknick-Decke und Kissen auszustatten und ein bisschen Zeit einzuplanen. Denn drei Nächte vor dem Perseiden-Hoch ist Vollmond, was die Lichtverhältnisse für das Himmelserlebnis verschlechtert. An diesen Spots ist die Wahrscheinlichkeit dennoch hoch, die kosmischen Wunscherfüller zu erblicken:
Der Birkenkopf: Der höchste Spot des Stadtgebiets – auch „Monte Scherbelino“ genannt – liefert eine tolle Sicht über den Kessel.
Der Killesberg: Mitten im Killesbergpark gibt es ausreichend Grünflächen, um gemütlich den Nachthimmel zu bestaunen.
Die Karlshöhe: Auch hier genießt man eine hervorragende Aussicht über die Stadt und die nächtliche Himmelkulisse.
Die Waldebene Ost: Die bewaldete Hochebene bietet Abstand und Ruhe vom Großstadt-Rummel und zahlreiche Aussichtspunkte für einen Blick nach oben.
Der Santiago-de-Chile-Platz: In Stuttgart Degerloch gelegen, bietet der Platz eine wunderschöne Aussicht über die Landeshauptstadt.
Das Teehaus am Weißenburgplatz: Einer der beliebtesten Aussichtpunkte Stuttgarts und perfekt zum Sternschnuppen-Schauen.
Das Schloss Solitude: Tagsüber ein beliebter Spot zum Picknicken, abends ideal, um einen Blick auf Sternschnuppen zu erhaschen.
Sternwarten: Super Sternschnuppen-Spots in Baden-Württemberg
Einen besonders guten Blick hat man auch auf Sternwarten. Davon gibt es einige im Ländle. Hier ein Überblick:
Sternwarte Stuttgart
Von der Sternwarte Stuttgart auf der Uhlandshöhe aus, lässt es sich seit 1922 in den Himmel blicken. Seit dieser Zeit werden regelmäßig öffentliche Führungen an den Instrumenten der Sternwarte angeboten.
Highlights gab es in der langen Geschichte der Sternwarte Stuttgart viele. Eines, das besonders heraussticht war der Besucheransturm zur totalen Mondfinsternis am 27. Juli 2018. Weit über 1000 „Mondsüchtige“ strömten zur Sternwarte und auf die benachbarte Wiese. Die „Tagesthemen“ berichteten darüber in einer mehrminütigen Schalte.
Führungen: Als Einzelperson oder als Kleingruppe kann die Sternwarte zu den Führungszeiten, die nur bei klarem Himmel stattfinden, ohne Voranmeldung besucht werden, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Adresse: Sternwarte Stuttgart, Zur Uhlandshöhe 41, 70188 Stuttgart
Sternwarte Welzheim
Die klimatischen Verhältnisse im Welzheimer Wald eignen sich besonders zum Sternegucken: Die Schadstoffbelastung ist minimal und der Sternenhimmel noch einigermaßen nachtdunkel. Sonnenklar also, dass sich die Verantwortlichen des Planetariums der Landeshauptstadt Stuttgart die Sternwarte Welzheim seit deren Bau im Jahr 1992 als Beobachtungsstation nutzen.
Tausende Besucher konnten inzwischen durch die Teleskope einen Blick auf die Wunder des Kosmos werfen. Neben den öffentlichen Veranstaltungen für Hobby-Astronomen werden in Welzheim Himmelsaufnahmen für die Sternenvorführungen im Stuttgarter Planetarium gemacht. Außerdem werden synoptische Beobachtungen von Gestirnen gemacht, um Luft- und Klimaverhältnisse zu prüfen, damit die atmosphärischen Bedingungen und deren eventuelle Änderungen erfasst werden.
Führungen: Auf der Sternwarte Welzheim finden bei klarem Wetter Sternführungen in der Westkuppel statt. Auch Sonderführungen können angemeldet werden. Zusätzlich wird einmal pro Monat eine Sonnenführung angeboten.
Für diese Führungen gelten folgende Regeln:
- Besucher müssen sich zur Führung online über die Homepage anmelden und erhalten eine Anmeldebestätigung, die zur Sternführung mitzubringen ist.
- Pro Führung sind maximal 25 Personen zugelassen.
Adresse: Lettenstich 10, 73642 Welzheim
Sternwarte Zollern-Alb
Eine der modernsten Volkssternwarten Europas steht in Rosenfeld-Brittheim. Von hier aus können Objekte des Weltalls wie beispielsweise Sonne, Mond, Planeten und Kometen bei geeigneter Wetterlage von Besuchern selbst beobachtet werden. Durch die ländliche Lage ohne viel Lichtsmog kann das Band der Milchstraße auf der Sternwarte Zollern-Alb noch mit dem bloßen Auge bis zum Horizont verfolgt werden. Rosenfeld ist einer der wenigen Standorte in Europa, welcher über ein großes Teleskop mit verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten verfügt. Die Stars der Anlage sind ein modernes Spiegelteleskop mit 80 Zentimeter Durchmesser, zwei Kuppeln mit Spezialgeräten für die Sonnenbeobachtung und die Himmelsfotografie mit Weitwinkeloptiken.
Führungen: Ob zum Sternschnuppengucken im August, der Familienveranstaltung Faszination Mond oder zur Begegnung mit Saturn, dem Herrn der Ringe – die Sternwarte Zollern-Alb lädt zu jeder Menge interessanter Veranstaltungen ein. Einzige Voraussetzung: Um Anmeldung wird gebeten.
Adresse: Sternwarte Zollern-Alb, Am Wasserturm 4, 72348 Rosenfeld
Sternwarte Tübingen
Seit 1956 wird in der Sternwarte Tübingen auf der Waldhäuser Höhe der Nachthimmel mit einem Zeiss-Refraktor mit 30 Zentimeter Durchmesser und fünf Meter Brennweite beobachtet. Das Gerät wurde bereits 1925 konstruiert und diente viele Jahre dem Nobelpreisträger Carl Bosch in Heidelberg als Beobachtungsinstrument.
Führungen und Veranstaltungen: Die Freitage sind für Vorträge, die Samstage für Sternführungen und die Sonntage für Sonnenführungen abonniert.
Sternführungen befinden sich aktuell in der Sommerpause und kehren ab dem 6. September 2025 zurück.
Das abwechslungsreiche Programm der Astronomischen Vereinigung Tübingen kann jedoch nicht ganzjährig erlebt werden und bei ungeeigneter Witterung ist kein Sterneschauen möglich. Daher vor einem Besuch unbedingt auf der Webseite nachsehen, wie die aktuelle Lage ist, bevor man sich unnötig auf den Weg macht.
Adresse: Astronomische Vereinigung Tübingen, Waldhäuser Straße 70, 72076 Tübingen
Robert-Mayer-Sternwarte Heilbronn
Die Robert-Mayer-Sternwarte Heilbronn wird von einem Verein betrieben, der sich hauptsächlich der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit widmet. Weit über 4000 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, besuchen die Veranstaltungen der Sternwarte in jedem Jahr.
Speziell für Familien mit Kindern ab acht Jahren bietet die Sternwarte in den Wintermonaten einmal im Monat spezielle Führungen an, die bereits um 19 Uhr beginnen. Wenn es um diese Zeit bereits dunkel ist, gibt es Informationen rund um den Sternenhimmel, bei klarem Himmel wird danach mit den großen Teleskopen beobachtet. Es ist keine Voranmeldung notwendig, die Termine sind im Veranstaltungskalender auf der Homepage der Sternwarte nachzulesen.
Am Freitagabend finden regelmäßig Führungen zu wechselnden astronomischen Themen statt. Nach einem kurzen Vortrag kann bei klarem Himmel durch die großen Teleskope geschaut werden. Themen und Termine – auch zum Sternschnuppenschauen – finden sich auf der Homepage der Sternwarte.
Adresse: Robert-Mayer-Sternwarte, Bismarckstraße 10, 74072 Heilbronn
Sternwarte Kraichtal
Die etwas andere Sternwarte, denn nicht die Stadt Kraichtal, sondern der Privatmann Roland Zimmermann hat diese auf seinem Grund und Boden errichtet. Diese ist ein Teil des 4000 Quadratmeter großen Astronomieparks. In diesem stehen viele astronomische Modelle.
Ein idealer Spot – auch fürs Sternschnuppenschauen: Da keine Großstadt in der Nähe der Sternwarte Kraichtal ist, ist die Sicht in den Nachthimmel recht ungetrübt. Selbst die Straßenlaternen von Kraichtal wurden auf LED umgestellt.
Führungen: Roland Zimmermann nimmt Besucher ab acht Jahren mit auf eine himmlische Reise. Sie beginnt auf der Erde und führt durchs Sonnensystem. Danach werden die Heimatgalaxie und die Milchstraße erkundet, bevor gedanklich in die Unendlichkeit des Universums geflogen wird. Mit Hilfe der vielen Modelle im Astronomiepark werden die Führungen auch für Laien verständlich.
Reine Beobachtungsabende: In den Wintermonaten Januar, Februar, November und Dezember finden zuvor keine Führungen statt. Dauer zwei Stunden.
Führungen mit Beobachtungsabend: finden von März bis Oktober statt. Dauer zwei plus zwei Stunden.
Hinweis: Bei Regenwetter fallen die Termine aus. Aktuelles auf der Webseite.
Adresse: Sternwarte Kraichtal, Roland Zimmermann, Albert-Schweizer-Straße 16, 76703 Kraichtal