Steuern Finanzbeamte dringend gesucht

Von Maria Wetzel 

Die Finanzverwaltung sucht dringend Nachwuchs. Wegen Personalmangels nimmt das Land weniger Steuern ein als möglich wäre.

Die Steuereinnahmen wären noch üppiger, wenn es genügend Personal gäbe Foto: dpa
Die Steuereinnahmen wären noch üppiger, wenn es genügend Personal gäbe Foto: dpa

Stuttgart - Weil in der baden-württembergischen Finanzverwaltung Mitarbeiter fehlen, entgehen dem Land nach Schätzungen des Beamtenbundes jährlich 350 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Allein 100 Millionen Euro würden nicht erhoben, weil bei den Konzernprüfern zehn Stellen nicht besetzt werden könnten, sagte der neue Landeschef Kai Rosenberger der Deutschen Presse-Agentur. Auch an Betriebs­prüfern und Steuerfahndern mangle es.

Dass zusätzliches Personal gebraucht wird, ist im Finanzministerium unbestritten. Genaue Zahlen lägen nicht vor, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag. Bei mehr als 16 000 Beschäftigten in der Finanzverwaltung seien immer einige Stellen unbesetzt. Die finanziellen Auswirkungen könnten aber nicht einfach hochgerechnet werden. „Wichtige Arbeit bleibt in der Zeit ja nicht unerledigt.“ In den vergangenen ­Jahren seien 500 Stellen geschaffen worden.

Eingangsbesoldung steigt

Im Ministerium hofft man darauf, dass durch die Wiederanhebung der Eingangs­besoldung für junge Beamte das Interesse an einer Ausbildung in der Finanzverwaltung steigt. Mit einer Imagekampagne (www.steuer-kann-ich-auch.de) wirbt das Ministerium um Nachwuchs.

Derzeit bereiten sich in Baden-Württemberg rund 2100 Personen auf eine Tätigkeit in der Finanzverwaltung vor. Rund 650 absolvieren eine zweijährige Ausbildung zum Finanzwirt, etwa 1450 machen ein Duales Studium – bei der dreijährigen Ausbildung wechseln sich Theoriephasen an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg und Praxisphasen in einem Finanzamt ab. Zudem soll durch 500 weitere Tele-Arbeitsplätze die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden. Bisher gibt es 300 Plätze für ­Mitarbeiter, die teilweise von zuhause aus arbeiten.

Im Bundesvergleich hat Baden-Württemberg die wenigsten Beschäftigten in den ­Finanzämtern. Auf 100 000 Ein­wohner ­kommen 110 Beamte. In Bayern sind es 115, in Nordrhein-Westfalen 125, in Hamburg sogar 176 Beamte.