Keine absolute Mehrheit Bolivien vor Stichwahl zwischen Morales und Mesa

Von dpa 

Boliviens Staatschef Morales strebt eine vierte Amtsperiode an. Doch für Jubel ist es noch zu früh. Er verfehlt die absolute Mehrheit. Sein Rivale Mesa setzt auf Unterstützung anderer Bewerber bei einer Stichwahl.

Boloiviens Präsident Evo Morales kann sich seiner Wiederwahl nicht sicher sein. Foto: Jorge Saenz/AP/dpa Foto: dpa 3 Bilder
Boloiviens Präsident Evo Morales kann sich seiner Wiederwahl nicht sicher sein. Foto: Jorge Saenz/AP/dpa

La Paz - In Bolivien wird es nach ersten Ergebnissen der Präsidentenwahl zu einer Stichwahl zwischen dem linken Staatschef Evo Morales und dem gemäßigt konservativen Bewerber Carlos Mesa kommen.

Nach einer vorläufigen Auszählung von 84 Prozent der Stimmen erreichte Morales am Sonntag 45,3 Prozent der Stimmen, gegen 38,2 Prozent für Mesa.

Die offizielle Auszählung deutete am Montag klar darauf hin, dass keiner der beiden Spitzenkandidaten die notwendige Mehrheit erreichte, um sich in der ersten Wahlrunde durchzusetzen. Nach der endgültigen Auszählung von 39 Prozent der Stimmen führte Mesa mit 44,2 Prozent gegen 40,8 Prozent für Morales. Dieser Zwischenstand bedeutet aber nicht, dass Mesa am Ende tatsächlich vorne liegt, denn die ausgezählten Bezirke sind nicht repräsentativ.

Die ersten Ergebnisse stammen aus den größeren Städten, in denen die Opposition gegen Morales stärker ist. Der indigene Staatschef kann vor allem auf die Unterstützung aus ländlichen Bezirken zählen.

Für einen Sieg in der ersten Wahlrunde sind entweder eine absolute Mehrheit der Stimmen oder mindestens 40 Prozent mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf den nächsten Rivalen erforderlich. Darauf deuten die Zwischenergebnisse nicht hin, so dass am Montag eine Stichwahl als wahrscheinlich galt.

"Wir haben noch einmal gewonnen", sagte Morales (59) am Sonntagabend (Ortszeit) vor dem Präsidentenpalast in La Paz nach Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses. Er rechne noch mit einem Sieg in der ersten Wahlrunde nach vollständiger Auszählung der Stimmen vor allem aus ländlichen Bezirken. Morales hatte die drei vergangenen Präsidentenwahlen mit absoluter Mehrheit gewonnen.

Morales bewirbt sich für eine vierte Amtsperiode in Folge seit 2006. Der Journalist Mesa (66) war bereits Staatschef von 2003 bis 2005. Ein möglicher Termin für eine Stichwahl wäre der 15. Dezember.

Der Ausgang einer Stichwahl erscheint nach der laufenden Auszählung ungewiss. Den dritten und vierten Platz belegen zwei konservative Bewerber, die zusammen rund 12 Prozent der Stimmen bekamen. Beide erklärten sich bereit, im Falle einer Stichwahl Mesa zu unterstützen.

"Wir haben einen unwiderruflichen Sieg erreicht", erklärte Mesa zu dem vorläufigen Ergebnis mit Blick auf eine Stichwahl. Mesa könnte von dem Unmut gegen Morales' Vorgehen bei der Wahl profitieren. Im Februar 2016 war Morales zunächst mit dem Versuch gescheitert, das Grundgesetz per Referendum zu ändern, um seine erneute Wiederwahl zu genehmigen. Später ließ er sich jedoch eine vierte Kandidatur durch das Verfassungsgericht genehmigen.

Dieses juristisch-politische Manöver löste eine Protestbewegung aus, die selbst am Wahltag noch öffentlich zum Ausdruck kam. Rund hundert Menschen wurden am Sonntag in Santa Cruz de la Sierra festgenommen, als sie gegen die erneute Kandidatur von Morales protestierten.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, genießt aber trotz autoritärer Züge seiner Regierung weiterhin eine starke Popularität. Ein Grund ist das robuste und anhaltende Wirtschaftswachstum von jährlich über vier Prozent. Wegen eines Preisrückgangs für Erdgas, Boliviens wichtigstem Exportgut, sind jedoch die Devisenreserven des Andenlandes in den vergangenen Jahren stark gesunken. Wenn das aktuelle Handelsdefizit bleibt, könnte es zu einer Finanzkrise kommen, warnen kritische Wirtschaftsexperten.