Von Sonntag an gibt es keinen Stierkampf mehr in Katalonien - das Parlament hat ihn verboten. Doch einige Matadore geben die Hoffnung nicht auf.  

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Barcelona - Bevor sich Serafân Marân am Sonntagabend anschickte, in der Arena La Monumental von Barcelona nach festgelegtem Ritual zwei Stiere zu töten, gab er sich wie gewohnt kämpferisch. "Das ist nicht die letzte Corrida in der Geschichte Kataloniens", sagte der 28-jährige Matador im Interview mit der konservativen Tageszeitung "ABC". "Es ist die letzte Corrida der Saison, aber mit etwas Glück und Arbeit werden wir im kommenden Jahr wieder Stiere in Barcelona sehen."

 

Wahrscheinlich irrt sich der katalanische Torero. Sonntagabend ging in Kataloniens einziger Arena, in der in den vergangenen Jahren noch Corridas geboten wurden, die Stierkampfsaison zu Ende. Und eine nächste Saison wird es nach dem Willen des katalanischen Gesetzgebers nicht geben: Das Regionalparlament beschloss im Sommer vergangenen Jahres, die Corridas ab 2012 zu verbieten. Auch wenn sich Serafân Marân an den Gedanken nicht gewöhnen mag: Sonntagabend nahm Katalonien in der ausverkauften, fast 20 000 Menschen fassenden Monumental-Arena Abschied vom Stierkampf.

Nur selten volles Haus

Volles Haus konnten die Betreiber der letzten katalanischen Arena in letzter Zeit nur noch selten vermelden. Nur wenn José Tomás, der Popstar unter den Matadoren, sein Kommen ankündigte, füllten sich die Ränge bis auf den letzten Platz - er stand auch bei der gestrigen Abschiedsvorstellung neben Serafân Marân und Juan Mora auf dem Programm. Im Laufe des vergangenen Jahres öffnete La Monumental 18-mal für die eine oder andere Art von Stierspektakel, darunter zwölfmal für klassische Corridas - und war gewöhnlich nur zu etwa einem Drittel besetzt. Die Aficionados, wie die Anhänger des Stierkampfes heißen, sind in Katalonien eine zu vernachlässigende Größe. Die Politiker konnten es sich erlauben, die Corridas zu verbieten, ohne um Wählerstimmen fürchten zu müssen.

Die Abgeordneten des katalanischen Regionalparlaments, die für das Verbot der Corridas stimmten, begründeten ihre Entscheidung mit Tierschutz, doch diese Argumentation nimmt ihnen niemand ab. "Das ist ein politisches Thema", sagt Serafân Marân, "weil der Stierkampf ein spanisches Symbol ist." Immer mehr Katalanen empfinden sich nicht mehr als Spanier, viele von ihnen würden sich gern vom Rest des Landes abspalten und einen unabhängigen katalanischen Staat gründen. Dieser Bewegung sind nun die Corridas zum Opfer gefallen - während die dörflichen Stierrennen, die Correbous, weiter erlaubt sind. Bei manchen Correbous werden dem Stier brennende Fackeln auf die Hörner gesetzt, was das Tier wahnsinnig macht. Unterdessen ziehen es rauflustige Männer am Schwanz oder malträtieren es anderweitig.

Matador hat Hoffnung

Weil er den Tierschutzargumenten nicht glaubt, hat der katalanische Matador Marân noch Hoffnung für die Corridas in seiner Heimatregion. Ihn ermutigt, dass die konservative Volkspartei, die aus den kommenden spanischen Parlamentswahlen am 20. November mutmaßlich als Siegerin hervorgehen wird, eine Verfassungsbeschwerde gegen das katalanische Stierkampfverbot eingereicht hat. Und ihn ermutigen die Unterschriftensammlungen für ein Volksbegehren, das die Corridas zum schützenswerten nationalen Kulturgut erklärt haben will.

Doch der größte Feind des spanischen Stierkampfs ist nicht die Politik, sondern das wachsende Desinteresse der Spanier an ihrer "fiesta nacional". Nur noch rund ein Drittel der Spanier erklärt sich zu Aficionados. Die Zahl aller Stierspektakel in den spanischen Arenen ist von 2007 bis 2010 um ein gutes Drittel auf 1724 zurückgegangen, nur 611 davon waren klassische Corridas. Ob mit oder ohne politischen Druck: die goldene Zeit des Stierkampfes in Spanien ist vorbei.

Serafân Marân wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen.

Ritueller Akt des Tötens

Begriff Das Wort „Stierkampf“ ist irreführend: Ein Mensch kann unmöglich gegen einen halbtonnenschweren Bullen kämpfen. Wenn sich drei Matadore jeweils zwei Stieren entgegenstellen, vollziehen sie einen rituellen Akt des Tötens. Die Spanier nennen diesen Akt Corrida, übersetzt: „Lauf“.

Volkssport Seit mehr als 200 Jahren werden die Corridas in ihrer heutigen Form in Szene gesetzt. In Spanien stehen rund 450 Arenen, von denen die meisten aber nur für Volksfeste genutzt werden. In der nordostspanischen Region Katalonien war bis Sonntag lediglich noch eine Arena in Betrieb: La Monumental in der Regionalhauptstadt Barcelona. Die 18 000 Plätze waren bei Kämpfen meistens nicht einmal zu einem Drittel gefüllt.

Arena Was nach der letzten Corrida aus La Monumental wird, ist ungewiss. Mehrfach gab es schon Konzerte in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1916: Die Beatles traten 1965 auf, die Rolling Stones 1976, Bob Marley 1980, Bruce Springsteen und die Dire Straits 1992. Mittlerweile bevorzugen die Musiker allerdings andere Spielstätten mit besserer Akustik.