Auf Kommando – und mit einer Hand am Beckenrand – trainieren die Pistenfans aus Endersbach die Eskimorolle. Foto: Eva Herschmann
Die Wintersportler der Skizunft Endersbach sind nicht nur mit Skiern auf Pisten unterwegs, sondern im Sommer im Kajak auf Flüssen und Bächen. Sie trainieren deshalb regelmäßig ihre Fertigkeiten im Wasser – und auch mal im Hallenbad.
Eva Herschmann
17.01.2025 - 19:00 Uhr
Eigentlich ist den passionierten Skifahrern aus Endersbach ein anderer Aggregatzustand von Wasser lieber. Doch weil die Mitglieder der Skizunft, die eine Abteilung innerhalb der SG Weinstadt ist, nicht nur auf verschneiten Pisten unterwegs sind, sondern auch regelmäßig Kajakausfahrten unternehmen, üben sie nicht nur das Wedeln, sondern auch das Paddeln. Meistens tun sie das in Seen im Welzheimer Wald, wie dem Hagerwaldsee und dem Eisenbachsee, oder auch auf der Rems. Doch nun tauchen sie zum ersten Mal mit ihren Kajaks im Stiftsbad in Beutelsbach ab.
Der Badebetrieb ist zu Ende. Die letzten Gäste haben längst das Becken im gemütlichen, fast schon schnuckligen Stiftsbad verlassen. Jetzt können die Skifahrer loslegen. Rainer Müller, ein seit Jahrzehnten passionierter Kajakfahrer, öffnet die Seitentür der Schwimmhalle, denn die vier bunten Wildwasserkanus, jedes immerhin 5,5 Meter lang, aus Verbundstoff können nur über die Feuerleiter ins altehrwürdige Stiftsbad hineingetragen und in dem rund zehn auf 20 Meter großen Swimmingpool, der an der tiefsten Stelle zwei Meter misst, zu Wasser gelassen werden.
Wer in wilden Gewässern paddeln will, muss die Eskimorolle beherrschen
„Hier schwitzt man sich ja zu Tode“, sagt Ralph Pfeifer, der in der Badehose am Beckenrand steht, mit einem Grinsen, während er sich bei den für die Wintersportfans ungewohnten hohen Temperaturen warm macht. Das Üben hier sei wichtig, erklärt derweil Müller. Und es sei weitaus angenehmer im Hallenbad als im kalten See, mit Neoprenanzügen, Schwimmwesten und Helmen. „Bei 24 Grad Wassertemperatur fällt es einfach leichter unterzutauchen.“
Denn Ziel des Trainings im Stiftsbad ist es, die perfekte Eskimorolle mit dem Kajak zu lernen: „Die können wir alle nämlich noch nicht so gut“, sagt Rainer Müller, „aber wer im Wildwasser paddeln will, der muss sie beherrschen.“ Denn mit der Eskimorolle lässt sich ein gekentertes Kajak schnell und ohne auszusteigen wieder aufrichten. Und niemand wolle schließlich mit dem „Cowtail“, einem Abschlepphaken am Brustgurt der Schwimmweste, aus dem Wasser und an Land gezogen werden, so Müller. Lieber üben sie alle fleißig, zu eskimotieren, wie es unter echten Kanuten heißt.
Auf Donau, Rhein und Neckar hätten sie mittlerweile fast alle Stromschnellen durch, erzählt Rainer Müller. Auch in diesem Jahr haben die Skifahrerinnen und Skifahrer wieder zwei Kajakausfahrten geplant – im Frühjahr und im Herbst. „Und bei unseren Familienausfahrten an Pfingsten oder unseren Wanderfahrten müssen wir ab und an mit unseren Faltbooten, die wir im Rucksack dabei haben, auch ein paar Stromschnellen überwinden“, sagt Rainer Müller. Die Kajakgruppe der Skizunft ist für ihn – und seine Sportkameradinnen und -kameraden – ein beliebter Sommerausgleich zum Wintersport. „Und da wir bei unseren Bootsausflügen unter anderem in Gebirgsbächen paddeln, ist es ja auch irgendwie eine alpine Sportart.“
Die ersten Schritte zur Eskimorolle werden am Beckenrand gemacht
Alle Vorbereitungen sind getroffen, die Boote sind im Wasser, die Trainingsstunde in ungewohntem Terrain kann beginnen. „Eine Eskimorolle ist ein komplexer Bewegungsablauf, dem wir uns schrittweise annähern“, sagt Rainer Müller und beordert die vier Boote samt Insassen an den Beckenrand. Denn der dient zunächst als Trainingspartner. Mit einer Hand halten sich die Pistenfans fest, und jetzt heißt es Arme lang machen und immer weiter mit dem Kopf ins Wasser gehen und wieder hochdrücken, immer wieder, so lange, bis das Boot mit dem Kiel nach oben schwimmt und alle patschnass sind.
Wer sich traut, übt die Eskimorolle mit Paddel und ohne Beckenrand. Foto: Eva Herschmann
Nach einigen gelungenen Rollen am Beckenrand wagen sich die Ersten in tiefere Wasser vor. Doch der Hüftschwung, ohne den sich das Boot nicht kräftesparend wieder aufrichten lässt, mit dem Paddel in den Händen, ist weitaus schwieriger. Der eine oder andere müht sich unter Wasser mächtig, bis er wieder senkrecht im Kajak sitzt. Im Stiftsbad steht deshalb für alle Fälle am Beckenrand eine Rettungsschwimmerin bereit. Und Rainer Müller hilft, wo er kann. Denn er weiß, wie wichtig es ist, die Eskimorolle aus dem Effeff zu beherrschen. „Die Abfolge der Bewegungen muss automatisiert sein, damit draußen, wenn im eisigen Wasser der Kälteschock kommt, nicht alles wieder weg ist.“