Stiftspfarrer Vosseler: Neuer Weg der Kirche: Handeln statt nur reden

Von Martin Haar 

Stiftspfarrer Matthias Vosseler lobt die EKD für ihren Stil und Mut bei der Seenotrettung und will nun auch selbst mehr Initiative ergreifen.

Auf neuen Wegen: Siglinde Hinderer und Matthias Vosseler Foto: Martin Haar
Auf neuen Wegen: Siglinde Hinderer und Matthias Vosseler Foto: Martin Haar

Stuttgart - Matthias Vosseler steht für eine Kirche für morgen. Das gilt im Wortsinn, aber auch im übertragenen Sinn. Wörtlich genommen steht hinter der „Kirche für morgen“ eine Reformgruppe, die sich gerade neben den anderen Gruppen „Lebendige Gemeinde“, „Evangelium und Kirche“ und „Offene Kirche“ für die Kirchenwahl am 1. Dezember positioniert.

Zusammen mit Tobias Wörner vom Jesustreff im Norden macht der Stiftspfarrer derzeit Wahlkampf, den er als passionierter Läufer „Herbstmarathon“ nennt: „Ich bin Pfarrer aus Leidenschaft und gern in meiner Kirche. Damit sie aber auch in Zukunft Menschen erreicht, muss sich einiges ändern. Deshalb gehe ich in Stuttgart gemeinsam mit Tobias Wörner für die Reforminitiative Kirche für morgen an den Start.“

Eine zukunftsfähige Kirche ist auch für Tobi Wörner eine Herzenssache, die er offensiv vertritt. Für Wörner und Vosseler gilt, beide bedienen sich oft sozialer Medien, um ihr Profil zu schärfen und Menschen zu erreichen. In diesem Sinne setzte Wörner unlängst auf Instagram folgende Botschaft ab: „Lieber Gemeindegründer als Haar-in-der-Suppe-Finder. Lieber Zukunftsgestalter als Untergangsverwalter. Lieber Neue-Wege-Geher als Auf-Kirchengesetz-Seher. Lieber mutiger Visionär als warum-sind-denn-die-Bänke-so-leer? Lieber Experimentierer als Mitgliederverlierer. Lieber Gute-Botschaft-Sager als Rückgangs-Beklager.“

Vosseler bevorzugt Facebook

Vosseler dagegen bevorzugt Facebook. Und er setzt auf andere Themen. Ihm geht es um Gottes Schöpfung und die Bewahrung selbiger. So schrieb er zuletzt: „Was uns Gott auf den ersten Seiten der Bibel mitgegeben hat, nämlich die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren, haben wir in unserer Gesellschaft weitgehend verlernt, zumindest den zweiten Teil. Deshalb ist es fünf vor zwölf und wir sind aufgerufen uns an die Anfänge zu erinnern und etwas dafür zu tun.“ Machen statt nur reden. Für Matthias Vosseler liegt darin ein neuer Stil. Ein Stil, der Menschen bewegen und erreichen soll. Ein Beispiel dafür sei auch die Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bezug auf die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer. Statt die unmenschlichen Zustände der Seenotrettung nur wortreich zu beklagen, setzte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ein Zeichen. Er kündigte an, dass die EKD ein eigenes Schiff ins Mittelmeer schicken wolle, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.

Für Vosseler ist das ein neuer Weg seiner Kirche, ein besserer Weg. Wenngleich er sagt: „Wir haben natürlich auch in der Vergangenheit schon viel gemacht, aber wir haben es schlecht verkauft.“ Zuletzt ging er daher selbst auf diesem neuen Weg vor seiner Stiftskirche und flankierte das Ganze auf Facebook. Zusammen mit dem Jugendwerk und dem Umweltbüro der Landeskirche initiierte er Mitmach-Stationen zum Thema ökologischer Fußabdruck. Die grünen Abdrücke auf dem Pflasterstein waren mit Fragen bedruckt. Zum Beispiel: „Ich schalte Fernseher, Drucker, Computer mit Steckerleiste aus! Immer (0 Punkte), meistens (3), selten (6), nie (9).“ Am Ende ergab die Punktzahl, die jeweilige Anzahl der Erden, die der Einzelne verbraucht.

Schöpfung bewahren

Manche Teilnehmer waren tatsächlich überrascht, wie ihr Hunger nach Ressourcen ist. Manche lebten auch im Irrglauben, sie lebten im Einklang mit der Bibel, in der steht: „Macht euch die Erde Untertan.“ Jenen muss Matthias Vosseler dann die Augen öffnen: „Das deutsche Wort Untertan wird hier missverstanden. Im Hebräischen bedeutet es ein zusammenleben – also auch mit den Tieren. Es ist nicht so, dass der Mensch als Großer über alles vermeintlich Kleine verfügen kann.“ Der Schöpfergott habe den Menschen seine Schöpfung gegeben, um sie zu bewahren, nicht um sie zu zerstören und auszubeuten. Siglinde Hinderer vom Umweltbüro der der Landeskirche ergänzt: „Wir leben heute auf Kosten anderer, das ist nicht fair und nicht im Sinne der Bibel.“

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