Stiftung Familienunternehmen Steuern runter – um die Jobs zu erhalten
Fast alle Betriebe sehen sich von einer im internationalen Vergleich übermäßigen Besteuerung gebremst, stellt die Stiftung Familienunternehmen im Jahresmonitor fest.
Fast alle Betriebe sehen sich von einer im internationalen Vergleich übermäßigen Besteuerung gebremst, stellt die Stiftung Familienunternehmen im Jahresmonitor fest.
Dass sich Unternehmen eine geringere Besteuerung wünschen, überrascht nicht. Allerdings fällt das Gesamturteil mittlerweile überaus kritisch aus: Laut dem Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen bewerten 80 Prozent der Betriebe den Steuerstandort Deutschland als (sehr) unattraktiv. Die Belastung gilt als zu hoch, hinzu kommt die wachsende Komplexität des Steuersystems, wie die vom Münchner Ifo-Institut durchgeführte Studie zeigt.
Wie wird der Steuerstandort bewertet? „Deutschland bleibt ein Hochsteuerland im internationalen Vergleich“, heißt es in der Studie. Die steuerlichen Bedingungen werden sehr negativ eingeschätzt; weniger als ein Prozent der Betriebe halten sie für attraktiv. Die Belastung von Unternehmensgewinnen wird allgemein als hoch bewertet – während Industrienationen wie Frankreich, die USA oder Großbritannien ihre Unternehmenssteuern deutlich gesenkt haben. Dort werden teils gezielte steuerliche Anreize gesetzt, um Investitionen anzulocken und die Attraktivität der Standorte zu erhöhen. Global agierende Familienunternehmen sehen hierzulande einen strukturellen Wettbewerbsnachteil. Schon moderate Unterschiede können demnach Investitionen, Gewinnverlagerung und Standortwahl beeinflussen.
Welche Prioritäten setzen die Unternehmen bei den Reformwünschen? Im Wunsch nach Reformen der Besteuerung fallen die Präferenzen weitgehend einheitlich aus. Vorrangig gefordert werden in erster Linie Maßnahmen, die direkt die Nettogewinnsituation verbessern oder den steuerlichen Rahmen für Investitionen erleichtern – eine Reduzierung der Stromsteuer etwa. Auch die unterschiedlich hohe Gewerbesteuer wird als enorme Bürde gesehen, wenngleich diese kommunale Steuer von der Bundesregierung kaum zu beeinflussen ist.
Besonders viel Beifall findet der Wunsch nach einer geringeren Körperschaftsteuer – knapp 60 Prozent der Unternehmen halten dies für (sehr) relevant, damit sich der Trend der Standortverlagerungen nicht fortsetzt. Nun hat Berlin schon beschlossen, dass die Körperschaftsteuer von 2028 bis 2032 stufenweise um insgesamt fünf Prozentpunkte gesenkt werden soll, was der Studie zufolge als notwendiger Schritt betrachtet wird.
Auch soll die Einkommensteuer im mittleren Bereich gesenkt werden, wünschen die teilnehmenden Unternehmen, um Arbeitsanreize für Beschäftigte zu erhöhen und das Werben um neue Fachkräfte zu erleichtern. Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Belastung auf diesem Feld. Gut 80 Prozent der Betriebe empfinden die Steuern und Abgaben auf Arbeit als (sehr) stark belastend, zudem als leistungshemmend aus Sicht der Arbeitnehmer. Die Regierung hat die Einkommensteuer bereits für Mitte der Legislaturperiode ins Visier genommen.
Weniger priorisiert werden von den Betrieben Optionen, die lediglich einen indirekten Nutzen hätten – etwa eine geringere Umsatzsteuer. Vielmehr könnte diese bei einer Verschiebung von direkten zu indirekten Steuern sogar moderat erhöht werden, um geringere Unternehmensteuern gegenzufinanzieren, meinen viele Teilnehmer.
Wie wird die Erbschaftsteuer betrachtet? Ein ganz heißes Eisen ist die Erbschaft- und Schenkungssteuer. Viele Ökonomen machen Druck – zuletzt hatte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer gefordert, dass Firmenerben deutlich mehr Steuern bezahlen sollten als Privatpersonen. Demnächst wird ein Urteil des Bundesverfassungsgericht dazu erwartet. Mehr als 50 Prozent der Familienunternehmen sehen diese Steuer schon jetzt als erhebliche Belastung – auch weil immer mehr Betriebe vor einem Generationswechsel stehen. Fast jedes zweite der 500 größten Familienunternehmen hat in den vergangenen drei Jahren eine innerfamiliäre Nachfolge über Erbschaft oder Schenkung vollzogen. Verkäufe spielen für diese Betriebe eine sehr geringe Rolle.
Die negative Wahrnehmung der Erbschaft- und Schenkungsteuer steht im Kontrast zu dem Umstand, dass der Staat bei der Übertragung von Betriebsvermögen großzügige Verschonungsabschläge von 85 bis 100 Prozent gewährt. Dies erfordere eine sorgfältige Vorbereitung, heißt es dazu in der Studie: Um die Vergünstigungen „auszuschöpfen, müssen Übertragungszeitpunkt, Beteiligungsquoten oder Rechtsform frühzeitig optimiert werden“. Entsprechend oft werde die Nachfolgeplanung „an die steuerlichen Rahmenbedingungen gezielt angepasst“.
Der Widerspruch zwischen der tatsächlich geringen Belastung und der kritischen Sicht auf diese Steuer wird mit „der komplexen Ausgestaltung des aktuellen Erbschaftsteuersystems“ erklärt – Bewertungsverfahren und Dokumentationspflichten erzeugen demnach einen erheblichen administrativen Aufwand. Daher wird eine Vereinfachung dieser Steuer angemahnt.
Wie wurde die Umfrage durchgeführt? An der Befragung nahmen vom 8. September bis 17. Oktober 1705 Betriebe teil, unter ihnen 1358 Familienunternehmen. Die 500 beschäftigungsstärksten Familienunternehmen haben gut 6,4 Millionen Angestellte.