Stiftung Warentest Meist gute Noten für Frischmilch

Von lud 

Die Stiftung Warentest hat länger haltbare Frischmilch von 18 Anbietern unter die Lupe genommen. Dabei gab es nur wenige Ausreißer nach unten. Größere Unterschiede fanden die Tester bei der Haltung der Milchkühe.

Auf der Weide fühlen sich Kühe am wohlsten. Das wurde auch im Test berücksichtigt. Foto: Rolf Fassbind/AdobeStock
Auf der Weide fühlen sich Kühe am wohlsten. Das wurde auch im Test berücksichtigt. Foto: Rolf Fassbind/AdobeStock

Stuttgart - Immer mehr Verbraucher interessieren sich nicht nur für die Qualität und den Preis von Produkten. Sie wollen auch wissen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Die Stiftung Warentest trägt dem von Zeit zu Zeit mit sogenannten CSR-Bewertungen Rechnung. Das Kürzel steht für Corporate Social Relationship. Dabei wird untersucht, wie stark sich Unternehmen für gesellschaftliche Ziele wie faire Arbeitsbedingungen oder Umwelt- und Tierschutz einsetzen.

So auch im aktuellen Frischmilchtest der Stiftung Warentest, in dem länger haltbare Frischmilch von 18 Anbietern bewertet wird, darunter sechs Bioprodukte. Was die Milch selbst angeht, fanden die Warentester nur wenige Auffälligkeiten. 14 mal vergaben sie die Gesamtnote „gut“, einmal „befriedigend“ und dreimal „ausreichend“. Am besten bewertet wurde die Bio Frische Vollmilch von Aldi Süd, auf Platz zwei rangierte die Frische Bio Weidemilch von Arla.

Frische Alpenmilch von Aldi schneidet schlecht ab

Die schlechteste Note erhielt die Meierkamp Frische Alpenmilch von Aldi. Ausschlaggebend war hier vor allem eine mangelhafte Deklaration. „Das Bild mit der Kuh auf der Wiese ist irreführend“, so die Tester. Der Grund: zwei Bauernhöfe, die für die Untersuchung besucht wurden, hielten ihre Tiere nur im Stall. Beim vorletzten und vorvorletzten Testkandidaten führten ein stark überhöhter Jodgehalt (Lidl Milbona Bio Organic Frische Voll-Milch) oder ein leichter Kochgeschmack infolge einer wenig schonenden Wärmebehandlung (Andechser Natur Bioland Bio Vollmilch) zur Abwertung.

Zwischen Produktqualität und Preis zeigt sich – wie in vielen anderen Lebensmitteltests – kein Zusammenhang. Bei der mit der Gesamtnote 3,7 bewerteten Andechser Biomilch kostet der Liter im Durchschnitt 1,49 Euro, ein Liter Milsani Frische Vollmilch von Aldi Nord (Gesamtnote 2,0) kostet gerade mal 68 Cent.

Bio-Produkte schneiden besser ab

Anders sieht es aus, wenn im Rahmen der CSR-Bewertung der gesamte Herstellungsprozess betrachtet wird. Hier schneiden in der Regel die etwas teureren Bio-Produkte besser ab. Von den sechs Frischmilchsorten, die im CSR-Vergleich die Note „gut“ erhielten, trugen fünf ein Biosiegel. Die Bio-Frischmilch von Aldi-Süd schaffte allerdings nur ein „befriedigend“. Die einzige konventionelle Milch, die beim CSR-Engagement ebenfalls „gut“ bewertet wurde, war die Frische Bergbauern Milch von Berchtesgadener Land.

Auf den ersten drei Plätzen der CSR-Wertung stehen die Gläserne Molkerei, die Andechser Molkerei und Arla mit ihren Bio-Frischmilchsorten. Am Tabellenende finden sich mit der Note „mangelhaft“ die Frische Landmilch von Friesland Campina (Landliebe), die Frische Alpenmilch von Bärenmarke und die Frische Milch der Molkerei Weihenstephan, die zur Müller-Gruppe gehört.

Tierwohl als wichtiges Kriterium

In Anspielung auf eine bekannte Katzenfutter-Werbung ziehen die Tester das Fazit: „Kühe würden Bio Kaufen“. Tatsächlich ging die Beachtung des Tierwohls – etwa durch Zugang zu einer Weide oder zusätzlichen Platz im Stall – mit 45 Prozent in die Gesamtwertung ein. Und bei diesem Kriterium schneiden vier Bio-Anbieter „gut“, einer „sehr gut“ und einer „befriedigend“ ab. Bei Bio-Anbauverbänden wie Bioland oder Demeter gelten höhere Tierschutzstandards als beim EU-Biosiegel. Zudem geben Bio-Kühe weniger Milch, weil sie weniger Kraftfutter bekommen. Deshalb ist Bio-Milch zwangsläufig teurer.

In die gesamte CSR-Note gehen zudem Umweltmaßnahmen sowie Preisgestaltung und -transparenz ein. Wichtig war den Testern auch der Auszahlungspreis, den die Molkereien den Bauern zahlen – und der zeitweise kaum eine rentable Milchproduktion erlaubt. Der Grund: die Landwirte in der EU liefern nach wie vor mehr Milch ab, als im europäischen Binnenmarkt verbraucht wird. Bei Preisverhandlungen mit den Molkereien sitzen die Einkäufer der Handelsketten daher meist am längeren Hebel – vor allem, wenn der Export mal stockt. Derzeit sieht es wieder etwas besser aus – nach einem Tiefstand von 23 Cent pro Kilogramm konventionelle Milch im vergangenen Jahr werden derzeit im Bundesdurchschnitt wieder um die 36 Cent gezahlt. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, der einst mit einem Milchstreik gegen niedrige Preise protestierte, hält für eine wirtschaftliche Produktion jedoch 45 Cent für nötig.

Eine Packung kann Milch Dutzender Bauernhöfe enthalten

Den Warentestern ist klar, dass ihr Urteil auf einer ziemlich kleinen Stichprobe beruht. „Eine Packung kann Milch Dutzender Bauernhöfe enthalten“, räumen sie ein. Am Ende wurden für jede Milchsorte zwei Betriebe ausgewählt – jeweils ein großer und ein kleiner. Daraus ergaben sich insgesamt 28 Besuche, bei denen die Tester einen Blick in den Stall werfen konnten. Drei davon stellen sie im aktuellen „Test“-Heft vor. Mit 150, 250 und 275 Milchkühen liegen die dort porträtierten Landwirte allerdings deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 60 Milchkühen. Standard in der Milchkuhhaltung sind heute Laufställe mit Liegeboxen, in denen sich die Tiere frei bewegen können. Die Tester fanden aber auch sechs Betriebe mit wenig tiergerechter Anbindehaltung – durchweg kleinere Höfe. Kleinere Tierbestände bedeuten also nicht zwangsläufig auch mehr Tierwohl.

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