Stihl in Waiblingen Ausbildung zur Fachkraft 4.0

Ein Stihl-Mitarbeiter und  sein Kollege Roboter arbeiten sich   zu. Foto: Gottfried Stoppel
Ein Stihl-Mitarbeiter und sein Kollege Roboter arbeiten sich zu. Foto: Gottfried Stoppel

Der Motorgerätehersteller Stihl digitalisert Schritt für Schritt nicht nur seine Produktionsprozesse. Auch die Ausbildung der Nachwuchskräfte wandelt sich.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Waiblingen - Unaufgefordert greift sich der übermannsgroße Roboterarm einen Trennschleifer von einem Förderband, hebt das nicht eben leichte Gerät mühelos hoch und schüttelt es einmal kurz durch. „Er prüft, ob in dem Tank ein Saugfilter installiert ist“, erläutert Ralf Leonhardt, der bei der Firma Stihl in Waiblingen für die technische Ausbildung zuständig ist, die „Schüttelkontrolle“, die bis vor kurzem noch ein Mensch durchgeführt hatte.

Dann dreht der elektronisch gesteuerte Mitarbeiter das Gerät und hält es seinem grauhaarigen Menschenkollegen hin. Der nimmt eine kleine Endeinstellung vor und signalisiert gewissermaßen per Handschlag, dass er fertig ist, bevor der grüne Roboter die Maschine noch einmal dreht, schwenkt und sie in einen bereitstehenden Karton verpackt. Früher wurden diese Vorgänge unabhängig voneinander an drei verschiedenen Arbeitsplätzen erledigt.

Vorbildliche Mensch-Roboter-Kollaboration

Die „Mensch-Roboter-Kollaboration“ bei der Trennschleifer-Montage ist nur ein Beispiel für das, was gemeinhin unter dem Fachbegriff „Industrie 4.0“ subsumiert wird und in der Produktion von Stihl längst Einzug gehalten hat. „Wir sind dabei, immer mehr Arbeitsschritte und -werkzeuge miteinander zu verknüpfen“, sagt Günther Kahn, der Ausbildungsleiter des Motorgeräte-Herstellers. Das Ziel sei, Daten flexibel aufnehmen und in den Produktionsprozessen gezielt verarbeiten zu können. In der Fabrik von Morgen, der Smart-Factory, sei bestenfalls alles – von der Bestellung bis zur Auslieferung – digitalisiert und miteinander verknüpft.

Dazu müsse freilich auch die Berufsstruktur und -ausbildung angepasst werden: hin zu mehr Elektro- und Informationstechnik. „Wir brauchen nicht weniger, aber andere Mitarbeiter“, sagt Kahn. Zwei Drittel der Nachwuchskräfte würden zurzeit zwar noch als „klassische“ Lehrlinge eingestellt, „doch auch hier wandelt sich einiges“. Damit meint Kahn nicht nur neue Ausbildungsgänge wie etwa den zum Produktionstechnologen, der seit einem Jahr angeboten wird. Auch insgesamt müsse man neue Kompetenzen vermitteln – im technischen wie im kaufmännischen Bereich. Als feste Hilfsmittel würden dazu von Mitte des Jahres an unter anderem Tabletcomputer mit Internetzugang eingesetzt. Von diesem Herbst an sollen die Azubis zudem Zugang zu einer firmeneigenen Cloud bekommen, auf der relevante Informationen zentral gespeichert werden.

Medienkompetenzen für die Azubis

Ein Schwerpunkt werde die Schulung in Medienkompetenzen sein, sagt Kahn, denn man stelle immer wieder fest, dass die junge Generation nur privat in der Digitalisierung angekommen sei. „Der Umgang mit neuen Anwendungen ist zwar sicherlich furchtloser und geübter als in unserer Generation, aber hinter die Kulissen schauen nur die wenigsten“, weiß Kahn. Seine Firma hingegen wolle die Mitarbeiter in die Lage versetzen, sich Wissen über komplexere Vorgänge so anzueignen, dass sie daraus für sich und das Unternehmen einen Mehrwert generieren könnten.

Der Vortrag des Ausbildungsleiters nebst Führung durch die Produktion hätte sich im übrigen eigentlich direkt an jene Zielgruppe richten sollen, um die mittlerweile auch hoch attraktive Firmen wie Stihl zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs buhlen müssen. Doch den drei Schulklassen, die im Rahmen der Industriewoche Baden-Württemberg auf Vermittlung des vom Verband Südwestmetall getragenen Arbeitskreises Schulewirtschaft hätten kommen sollen, waren Ausfälle im S-Bahn-Netz zum Verhängnis geworden.




Unsere Empfehlung für Sie