Stilikone aus dem Weißen Haus Mit Michelle Obama verschwindet der Glamour

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Die First Lady läuft zum Ende der Amtszeit ihres Mannes noch einmal zur Höchstform auf. In ihrer Persönlichkeit kulminieren Temperament, Haltung und stets das passende Outfit. Eine Würdigung der scheidenden Stilikone.

Für sie ist der Begriff der Power-Frau wohl erfunden worden: Michelle Obama, noch amtierende First Lady in den USA, hat von allen guten Dingen jede Menge abbekommen: Stil, Charisma, Herzlichkeit, Eloquenz. Foto: dpa 16 Bilder
Für sie ist der Begriff der Power-Frau wohl erfunden worden: Michelle Obama, noch amtierende First Lady in den USA, hat von allen guten Dingen jede Menge abbekommen: Stil, Charisma, Herzlichkeit, Eloquenz. Foto: dpa

Washington - Ein für ihre Verhältnisse ungewöhnlich schlichtes, blaues Strickoberteil trug Michelle Obama während der Rede, über die der US-Filmemacher Michael Moore sagte: „Dieser Augenblick wird in die Geschichtsbücher eingehen.“ Während einer Wahlkampfveranstaltung in New Hamsphire hielt die scheidende First Lady Mitte Oktober eine großartige Rede anlässlich Donald Trumps frauenfeindlichen Bemerkungen. Beobachter werden nicht müde, in jedes Outfit Michelle Obamas etwas hinein zu deuten. In dem Fall könnte man interpretieren, das schlichte Oberteil war bewusst gewählt, damit nichts von der Wirkung ihrer Worte ablenkt.

Ihre Präsenz raubt einem den Atem

Schließlich gehen bei Michelle Obama Look und Botschaft eine perfekte Symbiose ein. Nicht allzu viele Menschen im Rampenlicht haben die Gabe, Mode so gekonnt als Statement einzusetzen. Die britische Herzogin Kate weiß zum Beispiel, wie das geht. Während bei ihr Kostüme und Kleider allerdings teilweise etwas steif und fast wie aufgemalt wirken, verschmelzen Michelle Obamas meist farbenfrohen, luftigen Outfits mit ihrer temperamentvollen, extrovertierten Art. Die Präsenz der 1,80-Meter großen Frau kann einem selbst vor dem Fernseher den Atem rauben.

Sogar die Queen erliegt Michelles Charisma

Sie hält nicht viel von Protokollen. „Ich sage immer, dass Frauen das tragen sollten, in dem sie sich wohlfühlen. Ich glaube auch, dass es einfacher ist, mit Menschen eine Verbindung aufzubauen und ihnen ein gutes Gefühl zu geben, wenn man sich in seinem eigenen Outfit wohl fühlt“, hat sie einmal gesagt. Mit dieser Haltung gelang es Michelle Obama, Queen Elizabeths Sympathie zu gewinnen, als sie Ihre Majestät 2012 in einer Kombination aus Cardigan und Rock begrüßte – statt im gebügelten Kostüm wie es in Kreisen des Hochadels sonst üblich ist. Beobachter der royalen Szene waren entsetzt, als Obama der Königin auch noch freundschaftlich den Arm umlegte. Die Queen konnte diesem berührungsfreudigen american way of Begegnung nicht widerstehen und lächelte entwaffnet.

Schluss mit der farblosen Einfallslosigkeit im Weißen Haus

Anfang 2015 sorgte Michelle Obama für Aufregung, weil sie während eines Besuchs in Saudi-Arabien kein Kopftuch trug. Dabei hat sie sich in diesem Fall nur ans Protokoll gehalten. Dieses vermerkte, dass es weiblichen Mitreisenden selbst überlassen sei, ob sie eine Kopfbedeckung tragen wollten. Dennoch sprachen einige von einem „mutigen politischen Statement“. Nach der zweiten Vereidigung ihres Mannes 2013 überschlug sich die Presse mit Deutungen ihrer leuchtend-roten Abendrobe aus Chiffon und Seide. „Patriotisch“ sei die Farbwahl, ein Signal an alle, die den Obamas keine weitere Amtszeit zugetraut hatten. Doch schon während der ersten Amtseinführung 2009 war allen schnell klar: von nun an ist Schluss mit der farblosen Einfallslosigkeit in Washington.

Ein Kleid fürs Museum

Mit den Obamas zogen nach den Kennedys erstmals wieder Stil und Glamour ins Weiße Haus ein. Der weiße One-Shoulder-Traum, den Michelle bei der ersten Amtseinführung 2009 trug und in dem sie so unwiderstehlich innig mit ihrem Mann tanzte, zauberte ein Glänzen in die Augen der Beobachter. Heute hängt das Kleid im Museum. Und der taiwanisch-kanadische Designer Jason Wu ist ein gemachter Mann. 2009 war er gerade einmal 27 Jahre alt und hatte erst vor kurzem sein eigenes Label gegründet. Nach Michelle Obamas Auftritt in seiner Robe avancierte Wu zum It-Designer der US-Modeszene. Heute macht er Businessmode für Hugo Boss.

Der Herzogin-Kate-Effekt lässt grüßen

Auch das ist eine Spezialität von Michelle Obama: sie verhilft eher unbekannten, jungen Designern zu Ruhm und Ehre. Sie hat ein Faible für ungewöhnliche Kreationen, farbenfrohe Prints sowie extravagante Schnitte und trägt Designer, die meistens nur Modeexperten geläufig sind: Christopher Kane, Thakoon, Prabal Gurung oder Monique Lhuillier gehören dazu. Michelle Obama landet regelmäßig auf den Listen der bestangezogenen Prominenten der Welt. Mode-Blogs wie „Mrs-O“ beschäftigen sich ausschließlich mit den Kleidern der First Lady. Für Barack Obamas Anzüge interessiert sich so gut wie niemand, die Outfits seiner Frau hingegen kaufen Millionen von Amerikanerinnen nach – der Kate-Effekt lässt grüßen.

Ein Glücksfall nach Jacky Kennedy

Ihre trainierten Oberarme gehören inzwischen zum stimmigen Gesamtbild – Michelle Obama trägt fast immer ärmellose Kleider. Zu Beginn der Ära Obama mokierten sich noch manche über so viel Freizügigkeit. Als die First Lady 2015 beim Staatsdinner mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in einem schwarzen, selbstverständlich schulterfreien Kleid der chinesischstämmigen Designerin Vera Wang im Meerjungfrauen-Stil vor die Kameras trat, jubelte die Presse. Und den Mund vor Staunen nicht mehr zu bekommen hat die Welt beim letzten Staatsdinner der Obamas am 18. Oktober. In einer metallic-schimmernden, körperumfließenden Robe von Versace in Rosé-Gold brachte diese Statue von Frau die Modewelt zum Kreischen: „Grandezza! Bellissima!“ Dass nach Jacky Kennedy noch einmal jemand so viel Stil und Glamour ins Weiße Haus bringen könnte, ist ein Glücksfall. Schade, dass das nun erst einmal Geschichte ist.




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