Stilles Museum Stuttgarter Museum schafft Angebot für neurodivergente Menschen

Das Stadtpalais Stuttgart möchte ein offenes und lebendiges Museum sein. Muss es dafür immer laut sein? Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Mit dem „Stillen Freitag“ schafft das Stadtpalais einen Abend, der speziell auf die Bedürfnisse neurodivergenter Menschen abgestimmt ist. Was bedeutet das?

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Das Stadtpalais möchte ein offenes und lebendiges Haus sein, so steht es im Leitbild des Stuttgarter Museums. Dazu gehört, dass es im Museumsinneren auch mal trubelig zugehen darf. Zum Beispiel im Café oder am Tischkicker im Eingangsbereich. Neurodivergenten Menschen, zum Beispiel mit Autismus, ADHS oder dem Tourette-Syndrom, kann das schnell zu viel werden.

 

Mit dem „Stillen Freitag“ schafft das Stadtpalais in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule der Medien nun einen Abend, der speziell auf die Bedürfnisse neurodivergenter Menschen abgestimmt ist. Geräuschreduktion, ein klar strukturiertes Leitsystem und ruhige Ausstellungsräume sollen so einen entspannten Museumsbesuch ohne Reizüberflutung ermöglichen.

Idee des Stillen Museum stammt aus Neuseeland

„Wir wollen unser Museum auch für Leute öffnen, die es sonst nicht so leicht haben, in der Stadt Dinge zu unternehmen“, so eine Museumssprecherin. Der „Stille Freitag“ findet zunächst am 16. Januar von 18 bis 21 Uhr statt. Je nachdem wie das Angebot angenommen wird, sollen weitere Termine folgen.

Auch wenn die „Stille Stunde“ hierzulande noch nicht sehr bekannt ist, ist sie in Ländern wie Neuseeland oder Großbritannien schon längst verbreitet. Die Idee der „Quiet Hour“ stammt von einer neuseeländischen Supermarktangestellten, die Mutter eines autistischen Kindes ist.

Stille Stunden auch in den Conceptstores Superjuju und Cap

Im Stuttgarter Conceptstore Superjuju in der Marienstraße 32 gibt es bereits seit 2023 täglich eine Stille Stunde. Immer von 11 bis 12 Uhr verstummt die Musik aus den Lautsprechern. „Ich bin Autistin und habe große Probleme mit Supermärkten und anderen großen Läden: zu laut, zu grell, zu durcheinander. Ich würde selbst gerne in stillen Läden einkaufen und denke, dass geht nicht nur Autist:innen so“, so Besitzerin Julia Rein.

Und auch die Filialen der Supermarktkette Cap haben das Konzept übernommen. Zur „Stillen Stunde“ werden in den Märkten das Licht gedimmt, die Warenversorgung eingestellt, die Töne beim Warenscanner heruntergestellt und es wird nicht laut telefoniert, wie Thomas Heckmann, Geschäftsführer der GFA süd, dem Inklusionsunternehmen hinter den Cap-Märkten, uns mitteilte. „Viele Menschen sind dankbar, in einer gewissen Ruhe einkaufen zu können.“ Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Hörgeräten oder autistische Menschen.

Im Cap Markt in Stuttgart-Untertürkheim beispielsweise herrscht von 16 bis 17 Uhr Ruhe, in der Filiale am Hölderlinplatz bleibt es immer samstags von 8 bis 9 Uhr still. Die jeweiligen Zeiten können auf der Webseite der Stuttgarter Cap-Filialen nachgelesen werden.

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