Stimmartistin Youn Sun Nah Sie singt wie Engel und Dämonen

Von Bernd Haasis 

Die stimmgewaltige Koreanerin Youn Sun Nah macht gemeinsame Sache mit französischen Klangkünstlern und interpretiert Stücke von George Harrison, Johnny Cash, den Supremes und Leonard Cohen.

Das neue Album der Sängerin Youn Sun beschert ein intensives Hörerlebnis Foto: Label
Das neue Album der Sängerin Youn Sun beschert ein intensives Hörerlebnis Foto: Label

Stuttgart - Unzählige Versionen existieren von Leonard Cohens Hymne „Hallelujah“ (1984), Annie Lennox, Justin Timberlake und Helene Fischer haben sie schon gesungen. Es ist also keine Kleinigkeit, sich ein weiteres Mal heranzuwagen und eine eigene Interpretation zu finden. Der Koreanerin Youn Sun Nah gelingt dies nun mit Bravour: Ihre mächtige Frauenstimme vibriert vor einnehmender Feierlichkeit, während sie kunstvoll jede Silbe modelliert, emotionale Brechungen inklusive – diese Sängerin ist eine Naturgewalt und auf ihrem aktuellen Album ganz bei sich.

Dabei hat sie sich neu erfunden und mit drei französischen Elektro-Jazz-Klangkünstler gemeinsame Sache gemacht, den musikalischen Boden bereiten ihr der Arrangeur und Multiinstrumentalist Clément Ducol, der Cellist und Schlagzeuger Pierre-Francois Dufour und der Bassisten Laurent Verney. Wenn Youn Sun Nah den spanischen Klassiker „Asturias“ von Isaac Albéniz auf unerhörte als Scat intoniert, wabern dazu Synthesizersounds, nur punktuell fliegen Gitarren synchron mit. Die Idee ist so zwingend wie der künstlerische Zugriff, die Sängerin schraubt sich artistisch-opernhaft bis in höchste Höhen, um kurz darauf in sanftes Hauchen überzugehen – das ist eine Interpretation, die diese Bezeichnung wirklich verdient.

Das gesamte Album ist ein konzentriertes Eintauchen, Versinken, wie es sein Titel „Immersion“ verspricht. Betörend klingt Youn Sun Nah in der Vertonung eines Gedichts des arabischen Dichters Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī, nachdenklich und konzentriert in George Harrisons „It’s a Pity“, zum orgelhaften Chor verdichtet sich ihre Stimme in Marvin Gayes „Mery mercy me“. Und wenn sie den amerikanischen Folk-Evergreen „God’s gonna cut you down“ anstimmt, den schon der späte Johnny Cash denkwürdig verewigt hat, tönt ihr Gesang nicht mehr nur wie Engel und Dämonen, sondern gar wie der erzürnte Titelheld selbst.




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