Stimmenkönig bei Kreistagswahl Markus Grübel kehrt zu seinen Esslinger Wurzeln zurück

Markus Grübel wird nun wieder Esslinger Kreispolitik gestalten. Foto: /Robin Rudel

Sechs mal zog er direkt in den Bundestag ein, im kommenden Jahr kandidiert er nicht mehr für das deutsche Parlament. Der CDU-Politiker nimmt nun im Kreistag von Esslingen einen Sitz ein.

Mit fast 66 Jahren soll Schluss sein: Zur Bundestagswahl im September nächsten Jahres tritt Markus Grübel nicht wieder an. Sechs Wahlperioden im deutschen Parlament hat der CDU-Politiker dann hinter sich, „das reicht jetzt auch“, befindet er. „Ich habe mir überlegt, wo ich in Zukunft am meisten gebraucht werde, und das ist in meiner Familie.“

 

Ein Leben ganz ohne Politik kann sich der Esslinger jedoch nicht vorstellen. So kehrt er nach fast 22-jähriger Abwesenheit zu seinen Wurzeln zurück: Bei der Kommunalwahl im vergangenen Juni kandidierte Markus Grübel für den Kreistag und holte auf Anhieb 21 144 Stimmen – so viele, wie kein anderer Kandidat in den 13 Wahlkreisen.

„Natürlich freut mich das Ergebnis“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Der Titel Stimmenkönig ist ihm dennoch etwas unangenehm. Denn schließlich war Esslingen mit fast 67 000 Wahlberechtigten der größte Wahlkreis. Prozentual betrachtet mögen andere Kandidaten in ihren Wahlkreisen besser abgeschnitten haben, fügt er anerkennend hinzu. Das schmälert seinen Erfolg jedoch nicht: Kommunalwahlen sind Persönlichkeitswahlen. „Ich habe sicher von meinem Bekanntheitsgrad profitiert.“

Esslingen und Marcus Grübel, das ist eine enge Symbiose: In der Neckarstadt ist er geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, hier ist er in der Kirchengemeinde und im Blasmusikverband aktiv. Ganze 25 Jahre lang saß er im Esslinger Gemeinderat, vertrat seine Heimatstadt im Kreistag sowie im Stuttgarter Regionalparlament und seit 2002 – immer als direkt gewählter Abgeordneter – im Bundestag.

Auch in seiner Berliner Zeit war es ihm wichtig, in Esslingen verwurzelt zu bleiben. „Der direkte Kontakt zu den Menschen ist für eine gute Politik unverzichtbar.“ Dieser Satz ist keine Floskel: Er zeigt häufig Präsenz bei Veranstaltungen vor Ort und lädt regelmäßig Gruppen aus seinem Wahlkreis in die Hauptstadt ein. Um die 1000 Besucher, rechnet er hoch, seien es jedes Jahr gewesen.

Was ihn mit Mutter Teresa verbindet

Sich die Lebensgeschichten der Leute anzuhören, sich ihrer Probleme anzunehmen, das treibt ihn schon seit frühester Jugend an. Eine einfache Frage von Mutter Teresa sei der Auslöser für seinen Weg in die Politik gewesen: „Kennst du die Armen in deiner Stadt?“ Er selbst stamme aus der bürgerlichen Mittelschicht, „mit Armut war ich bis dahin nicht konfrontiert“, blickt er zurück. Und noch immer beschäftigt den überzeugten Christen diese Frage. Sie erklärt sein soziales Engagement: Sowohl im Esslinger Gemeinderat, als auch im Kreistag und im Bundestag gehörte er entsprechenden Gremien an, die sich um die Belange von Familien, Senioren und Jugendlichen kümmern. „Gerade die Armen, die Schwächeren brauchen Unterstützung“, sagt er im Brustton der Überzeugung.

In den kommenden fünf Jahren sitzt er erneut im Kreistag und wird dort – selbstverständlich – dem Sozialausschuss angehören. In die Gremienarbeit kann Markus Grübel nicht nur die Berliner Sicht auf die Dinge einbringen: „Vieles, was im Bundestag beschlossen wird, schlägt ja auf die kommunale Ebene durch.“ Sondern auch eine ganz persönliche: Seine Frau sitzt wegen einer MS-Erkrankung im Rollstuhl und sein bald 100-jähriger Vater benötigt zeitweise pflegerische Unterstützung. „Ich sehe, wie schwer es ist, Hilfeleistungen zu erhalten. Und das betrifft viele Menschen.“

Markus Grübel räumt ein, er habe das Glück, finanziell gut dazustehen und manche Hilfe aus eigener Tasche bezahlen zu können. „Ich frage mich aber: Wie schaffen das andere?“ Und während dem Notar Formulare, Anträge und Bescheide nicht fremd sind, würde der bürokratische Aufwand viele Betroffene überfordern. Themen wie Rente, Gesundheitsversorgung und Pflege müssten gerade angesichts des demografischen Wandels dringend überdacht werden, sagt er nachdenklich. Auch die Personalnot – insbesondere in der Pflege, aber nicht nur dort – treibt ihn politisch um: „Ich glaube nicht an das Wunder der Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland.“

Der ewige Konflikt um die Finanzen wartet

Auf die Arbeit im Esslinger Kreistag freue er sich sehr. Obwohl dort wieder „der ewige Konflikt um die Finanzen“ auf ihn warte, fügt Markus Grübel schmunzelnd hinzu. Natürlich gehe es darum, „einen schonenden Ausgleich zwischen Kreis und Kommunen zu schaffen“, betont er. Aber er mahnt zugleich: Es müsse auch genügend Geld da sein etwa für eine gute Bildung. Denn: „Das ist der Wohlstand der Zukunft.“

Zunächst aber hat er ein paar Tage Ruhe von der großen und kleinen Politik. Die parlamentarische Sommerpause nutzt der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium wie jedes Jahr für den Reservistendienst beim Marinekommando Rostock. Auch ein paar Tage Urlaub in Südtirol sind eingeplant – mit viel Zeit zum Lesen.

Zur Person

Berufliches
Markus Grübel, Jahrgang 1959, absolvierte nach dem Abitur am Esslinger Mörike-Gymnasium ein Studium an der Notarakademie Baden-Württemberg und war dann als Notarvertreter tätig. Kurz nach der Wende zog es ihn in die neuen Bundesländer: Er wurde Fachberater bei den Liegenschaftsämtern der Kreise Dippoldiswalde, Freital und Pirna, dann Leiter des Grundbuchamtes Dresden und schließlich Referent im Sächsischen Staatsministerium der Justiz. 1995 ging Grübel in seine Heimat zurück, wo er bis 1998 als Notar in Reutlingen und Tübingen und danach in Stuttgart tätig war.

Politisches
1984 trat er in die Junge Union ein, zwei Jahre später in die Union. Von 1989 bis 2014 saß Markus Grübel im Gemeinderat Esslingen, war dort von 1994 bis 2002 CDU-Fraktionschef. Von 1999 bis 2002 war er Mitglied im Kreistag Esslingen, bis 2004 auch im Stuttgarter Regionalparlament. Seit 2002 gehört Markus Grübel dem Bundestag an, er war unter anderem Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Verteidigungsausschuss und im Auswärtigen Ausschuss. Von 2013 bis 2018 war er als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung tätig, von 2018 bis 2022 als Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit.

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