Den Horst auf dem Storchenturm hat das Weiler Storchenpaar bereits verlassen. Im Ried schlagen sich die beiden noch die Bäuche voll, ehe es in Richtung Süden geht.

Bereits seit etwa Mitte August ist das Nest auf dem Storchenturm in Weil der Stadt verlassen, in dem die Störche Leon und Heidi in diesem Sommer gleich vier Junge großgezogen haben. „Eigentlich bleibt zumindest das Männchen bis zum Abflug in den Süden im Horst“, sagt Sabine Holmgeirsson, die Storchenbeauftragte der Stadt und im Kreis.

 

Auf die beiden Weiler Störche scheint das in diesem Frühherbst nicht zuzutreffen. Aber anzutreffen sind die beiden immer wieder auf den Wiesen und Feldern zwischen Weil der Stadt und Merklingen. „So wie die beiden mit Picken beschäftigt sind, sollte es genug Futter geben“, erklärt die Storchenbeauftragte, die sich über Informationen freuen würde, die Aufschluss über den aktuellen Schlafplatz der beiden ergeben könnten.

Die Kinder der beiden Störche haben Weil der Stadt bereits verlassen

Offensichtlich haben sich in vielen Teilen Deutschlands die Weißstörche bereits auf ihre lange Reise begeben - wohl wegen Nahrungsmangel wegen der Trockenheit als Folge des Klimawandels. Meist sind die Altstörche sonst noch einige Wochen länger in Deutschland als die Jungstörche, die bereits seit Anfang August weg sind, so wie die vier Jungen aus der diesjährigen Brut.

Heidi und Leon sind derzeit noch oft im Merklinger Ried unterwegs. Foto: Annette Frühauf

„Drei der Jungstörche sind Anfang August zusammen losgeflogen. Der vierte zog erst ein paar Tage später fort“, hat Holmgeirsson beobachtet. Identifizieren kann man die vier anhand ihrer Ringnummern, denn die Jungen wurden Anfang Juni beringt.

Vielleicht haben Leon und Heidi noch das Hoch vom Wochenende genutzt, bevor sie dann auch fortziehen werden. „Sie fliegen wohl eher nach Frankreich oder Spanien, wo immer mehr Störche aus Deutschland auf Müllkippen überwintern“, schätzt Holmgeirsson. Denn für die lange Reise nach Afrika sei es eher schon zu spät. Auch ihre frühe Rückkehr, die bereits in diesem Februar war, deute darauf hin. Den kräftezehrenden Flug in den Süden schaffen die Störche nicht im Ruderflug und nutzen dafür die Thermik, warme, aufsteigende Luft, die durch die Sonnenstrahlung über Landflächen entsteht.

Über 100 Millionen Zugvögel verlassen im Herbst ihre Brutgebiete in Deutschland und begeben sich auf eine gefährliche Reise. Der Naturschutzbund (NABU) Deutschland schätzt, dass etwa 25 Millionen ihr Ziel nicht erreichen und Opfer von illegaler Jagd, Fressfeinden oder Stromleitungen und anderen Gefahren werden.

Storch Bert, einer der beiden Jungstörche aus dem vorigen Jahr, fiel in der Nähe der spanischen Stadt Saragossa einem Raubvogel zum Opfer. Von seinem Bruder Ernie fehlt jede Spur, denn sein Sender ist bereits kurz nach der sogenannten Besenderung ausgefallen. Von den drei Jungen aus dem Jahr 2023 hat keines überlebt. Eines ist an Dämmmaterial im Magen zugrunde gegangen, das zweite flog gegen einen Bauzaun und erlitt einen Genickbruch und das dritte starb im Jahr darauf – bei der Kollision mit einem Strommast.

Steigender Bestand an Störchen in Baden-Württemberg

„Bei Mühlacker wurde eines der beiden Jungen aus der Brut des ersten Jahres 2022 gesehen“, freut sich die Storchenbeauftragte über positive Meldungen. Diese Erkenntnisse ergeben sich dank der Ringnummern und den Informationen, die von aufmerksamen Menschen an die Vogelschutzwarte, wie die in Radolfzell am Bodensee, gemeldet werden.

Der Bestand der Störche ist in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren dank Schutzmaßnahmen angestiegen, sodass sie nicht mehr als gefährdet gelten. Was jetzt gefragt ist, ist die Unterstützung der Vögel in ihren Brutgebieten. Dazu gehört, Müll nicht achtlos in der Natur zu entsorgen, an dem die Störche beim versehentlichen Fressen sterben können. Auch die ehrenamtlichen Storchenbeauftragte, wie Sabine Holmgeirsson, unterstützen die Vögel vor Ort und tragen damit zu deren Erhalt bei.