Störer bei Rettungseinsätzen Gaffer sind das Allerletzte

Unfall auf der A 5: Ein Feuerwehrmann fordert den Gegenverkehr auf, weiterzufahren, anstatt zu gaffen. Foto: dpa/Rene Priebe

In Stuttgart muss die Polizei einschreiten, damit ein Herzinfarkt versorgt werden kann. Gegen Leute, die das Leben anderer gefährden, muss hart durchgegriffen werden.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Ein Mann liegt auf dem Bahnsteig. Er ist in einem Zug zusammengebrochen, es besteht Verdacht auf Herzinfarkt. Während andere Reisende Erste Hilfe leisten, zücken andere die Handys. Sie filmen, stören, meckern. Die Bundespolizei muss eingreifen und Platzverweise erteilen. So geschehen in dieser Woche in Stuttgart. Und täglich auf diese oder ähnliche Weise irgendwo in Deutschland.

 

Es ist eine Schande, dass immer häufiger diejenigen behindert oder gar angegriffen werden, die helfen wollen. Die Leben retten. Ja sogar die, die jeden Tag unseren Müll von den Straßen holen. Da wird gepöbelt auf Teufel komm raus. Einsätze werden behindert. Videos vom Leid anderer gedreht, um sie schnellstmöglich in sozialen Netzwerken hochzuladen, damit auch andere Gaffer sich daran ergötzen können – anstatt zu helfen. Was ist da nur verrutscht im Kopf von manchen Menschen?

Jeder einzelne ist gefragt

Doch was muss daraus folgen? Die entsprechenden Paragrafen im Gesetz sind verschärft worden. Die Justiz verfolgt die Täter, so gut sie kann, und versucht, sie möglichst hart zu bestrafen. Doch es liegt auch an den leidgeprüften Einsatzkräften, Störer anzuzeigen, so aufwendig das sein mag. Und es liegt an der gesamten Gesellschaft, ein solch asoziales Verhalten zu ächten, nicht mit Likes im Internet zu adeln, sondern es als das zu brandmarken, was es wirklich ist: das Allerletzte. Denn niemand darf vergessen: Jeder Gaffer könnte das nächste bedrängte Opfer sein.

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