Stolpersteine im Stuttgarter Süden Schrubben gegen das Vergessen

Diese beiden Gedenksteine im Heusteigviertel Foto: Archiv
Diese beiden Gedenksteine im Heusteigviertel Foto: Archiv

Die FDP-Fraktion im Stuttgarter Süden will, dass die Stolpersteine im Bezirk geputzt und, wo nötig, ausgebessert werden. Die Kosten dafür sollen aus der Bezirkskasse bestritten werden. Aber die meiste Arbeit dabei ist ehrenamtlich – und pädagogisch sinnvoll.

Innenstadt: Kathrin Wesely (kay)

S-Süd - Mehr als 130 Stolpersteine sind in den vergangenen 17 Jahren im Stuttgarter Süden verlegt worden. Der Künstler Gunter Demnig, der die Idee der Stolpersteine 1990 in die Welt setzte, reist noch heute herum, um die Gedenksteine eigenhändig in die Trottoirs einzulassen – und zwar nicht nur in der Bundesrepublik: Demnigs Stolpersteine liegen in 21 Ländern verteilt. Überall sind sie der Witterung ausgesetzt, weshalb das Messing mit den Jahren von einer derart dunklen Patina überzogen ist, dass die eingravierten Namen und Daten immer schlechter zu entziffern sind. Demnig empfiehlt daher Reinigung und Pflege. Oft übernehmen dies Vereine und Initiativen. So nun auch im Stuttgarter Süden: Die FDP-Fraktion wird im Bezirksbeirat einen Antrag stellen, in dem sie Geld für die Reinigungskosten fordert. So müssen laut der Kostenaufstellung von FDP-Bezirksbeirat Karl Stahr zwei Stolpersteine neu gesetzt und acht erneuert werden. Zudem brauche es Putz- und Poliermittel sowie Helfer, um etwa 70 Steine zu reinigen. Macht insgesamt 2100 Euro. Über eine Bewilligung wird bei der nächsten Bezirksbeiratssitzung am Dienstag, 8. Dezember, abgestimmt.

Geschichtsunterricht auf allen Vieren

Angeregt hatte die Reinigungsaktion der langjährige FDP-Bezirksbeirat im Süden Wolf-Dieter Wieland, der im April dieses Jahres verstorben ist. Er hatte das Anliegen bereits im Bezirksbeirat vorgebracht und war dabei von der Geschichtswerkstatt Süd unterstützt worden, die selbst zahlreiche Stolperstein-Biografien im Bezirk erforscht hat. Die Lokalhistoriker hatten auch die Idee, sich wegen der benötigten Putzhelfer an die Schulen zu wenden. Die Putzete könne auf diese Weise – so der Hintergedanke – Teil eines lebensnahen Geschichtsunterrichts werden. Üblicherweise werden solche Arbeiten auf den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar gelegt oder auf den 9. November, den Tag der Novemberpogrome. Genauso hat es sich auch FDP-Bezirksbeirat Stahr gedacht: Er will den Putztag auf den 27. Januar legen, geht aber davon aus, dass das Ersetzen einzelner Steine sich bis zum Frühjahr hinziehen wird.

Putzen als Erinnerungsarbeit

In vielen Städten hat sich inzwischen der 9. November als alljährlicher Stolperstein-Putztag für alle und Form der Erinnerungsarbeit etabliert. An diesem Datum jährt sich die Reichspogromnacht von 1938, die Zerstörung von Synagogen und jüdischer Geschäften mit hunderten Mordopfern, der brutale Auftakt zur massenhaften Vernichtung von Menschen. Um die Erinnerung wach zu halten, greifen die Leute zum Putzschwamm und stellen anschließend neben dem glänzenden Stein eine Kerze auf zum Gedenken an die Verschleppten und Ermordeten. Auch Demnig greift zum Putzschwamm. Er rät übrigens davon ab, eine Drahtbürste zu verwenden.




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