Stolpersteine in Bad Cannstatt Im Gedenken an die Opfer der Nazis

Von öbi 

Der Künstler Gunter Demnig wird am Freitag, 28. April, zum ersten Mal auch in Steinhaldenfeld Stolpersteine verlegen. Erinnert wird an Kuno Wolf und Gabriele Machauer, die im Alter von zweieinhalb Jahren in eine Klinik eingeliefert und später dort auch umgebracht wurde.

Gunter Demnig wird am Freitag wieder in Stuttgart sein. Foto: dpa-Zentralbild
Gunter Demnig wird am Freitag wieder in Stuttgart sein. Foto: dpa-Zentralbild


Steinhaldenfeld - Wenn der Kölner Künstler Gunter Demnig am Freitag, 28. April, nach Stuttgart kommt, wird er erstmals in Steinhaldenfeld Stolpersteine verlegen. Jeweils ein Kleindenkmal wird dann an Kuno Wolf und Gabriele Machauer erinnern, die beide der NS-„Euthanasie“ zum Opfer fielen.

Über die Verbrechen von Grafeneck hat die Forschung viel zutage gefördert. Viele Einzelschicksale wie das von Kuno Wolf bleiben zwar im Dunkeln, wenn nicht durch die Stolperstein-Arbeit Erinnerungen an ihn geweckt werden. Man weiß von Grafeneck jedoch, dass mehr als 10 000 Patienten dorthin „verlegt“ und im Kohlenmonoxid erstickt wurden.

„Viel zu wenig ist hingegen immer noch bekannt, dass in die NS-,Euthanasie‘ auch behinderte Kinder systematisch einbezogen wurden“, heißt es bei der Cannstatter Stolpersteininitiative. „Unter dem Vorwand, man verfüge über neue aussichtsreiche Heilverfahren, wurden sie ihren Eltern weggenommen, in eine ,Kinderfachabteilung‘ verbracht und mit Medikamenten getötet.“ Dieses Schicksal hatten in der Stuttgarter Städtischen Kinderklinik bereits mehr als 20 Kinder erlitten, als die zweieinhalbjährige Gabriele Machauer dort eingeliefert und planmäßig umgebracht wurde. Sie starb am 20. Mai 1944. „Ihre Geburts- und Todesdaten haben sich ermitteln lassen, alle anderen Spuren scheinen restlos ausgelöscht zu sein. Die Hoffnung besteht jedoch, dass durch die Stolperstein-Verlegung vielleicht alte Erinnerungen wiederbelebt werden“, heißt es bei der Cannstatter Stolpersteininitiative weiter.

Die Verlegung findet gegen 14.30 Uhr an der Kolpingstraße statt

Erstmals setzen sich unter dem Titel „StolperKunst“ Künstlerinnen für eine lebendige Erinnerung ein. Gabrieles kurzes Leben hat die Malerin Mechtild Schöllkopf-Horlacher bewogen, in memoriam des jungen Mädchens ein Bild zu schaffen und bei der Stolpersteinverlegung zu präsentieren. Ihre Mitwirkung hat auch Staatsschauspielerin Gabriele Hintermaier zugesagt. Mit der Lesung ausgewählter Texte wird sie die Verlegung der Kleindenkmale für Gabriele Machauer und auch Kuno Wolf begleiten, der zu den Patienten gehört, die in der Gaskammer von Grafeneck qualvoll getötet wurden.

Die Verlegung der Stolpersteine findet am Freitag, 28. April, gegen 14.30 Uhr vor dem Gebäude Kolpingstraße 31 und anschließend vor dem Gebäude Kolpingstraße 65 statt. Die angegebenen Uhrzeiten können allerdings nur eine grobe Orientierung für den geplanten Zeitpunkt der Verlegung sein — Verschiebungen lassen sich trotz sorgfältiger Planung nicht ganz ausschließen. Wer bei einer Steinverlegung dabei sein will, sollte sich deshalb möglichst frühzeitig am Verlegungsort einfinden.

An die 900 Stolpersteine erinnern bereits in öffentlichen Gehwegen in Stuttgart an Opfer des Nationalsozialismus. Weitere 14 Steine wird der Kölner Künstler Gunter Demnig, Initiator dieses europäischen Kunst- und Erinnerungsprojekts, am Freitag in der Landeshauptstadt verlegen.

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