Stolpersteine in Ludwigsburg Vom De facto-Bürgermeister zum Geächteten: Die bewegte Geschichte von Max Elsas

Auf dem Synagogenplatz in der Nähe des Ludwigsburger Bahnhofes wird an Max Elsas mit einem alten Koffer als NS-Opfer gedacht. Foto: Julian Meier/privat

Max Elsas war ein angesehener Bürger von Ludwigsburg – bis die Nationalsozialisten kamen und seine Existenz vernichteten. In der Stadt erinnert noch heute eine Straße an ihn.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Der Name von Max Elsas ist in Ludwigsburg auch heute noch präsent: Am Synagogenplatz erinnert ein alter Koffer an ihn, es gibt eine Max-Elsas-Straße, und wer aufmerksam durch die Innenstadt spaziert, kann auch einen goldenen Stein mit seinem Namen im Boden finden. Doch wer war er – und welches Schicksal erfuhr er?

 

Max Elsas war in der Stadt ein angesehener Mann und auch als Berater geschätzt. Doch er hatte ein Problem: Er war Jude. Das reichte, um in das Visier der Nationalsozialisten zu kommen. Nach der Machtergreifung verlor er sämtliche Rechte, im Lebensmittelladen wurde er nicht mehr bedient. Sein Beispiel verdeutlicht, wie skrupellos die Nationalsozialisten auch in Ludwigsburg Existenzen zerstörten und einen normalen Bürger zu einem Verächteten machten, der schließlich in Einsamkeit starb.

Vielseitig politisch und ehrenamtlich aktiv

Max Elsas kam am 10. März 1858 in Ludwigsburg zur Welt und wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester in der Marstallstraße 4 auf. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Textilfachmann sowie eine kaufmännische Ausbildung, bevor er den Betrieb seines Vaters übernahm, die Bunttuchweberei Elsas & Söhne GmbH. Dort waren mehr als 400 Arbeiter beschäftigt.

Daneben war Elsas auch vielseitig in der Kommunalpolitik und ehrenamtlich tätig. Nach drei Jahren im Bürgerausschuss kam er 1910 in den Stadtrat, wo er als Mitglied der Demokratischen Partei bis 1932 blieb. Während des Ersten Weltkriegs war er stellvertretender Bürgermeister und übernahm von 1916 bis 1918 die Regierungsgeschäfte, als Oberbürgermeister Gustav Hartenstein eingezogen wurde.

Max Elsas gemeinsam mit König Wilhelm II von Württemberg bei einer Ausstellungseröffnung 1914 in Ludwigsburg. Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Die Liste seiner Ämter und Mitgliedschaften ließe sich noch lange fortsetzen. Doch im Zuge der judenfeindlichen Politik der Nationalsozialisten wurde er zum Rückzug aus allen öffentlichen Ämtern gezwungen. In der Biografie von Albert Sting und Martina Kütterer wird der ehemalige Landtagsabgeordnete Wilhelm Keil mit den Worten zitiert: „Ich war Augenzeuge, wie der Greis gebeugt ein Lebensmittelgeschäft mit höflichem Gruß betrat. Man nahm keine Notiz von ihm, erwiderte seinen Gruß nicht und bediente ihn nicht. Zerknirscht schlich er davon.“

Verhaftung und Deportation ins KZ

Am Tag nach der Reichspogromnacht wurde Max Elsas schließlich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Sein Sohn Ludwig Elsas stellte sich für ihn, sodass der mittlerweile 80-jährige Vater freikam – während der Sohn ins Konzentrationslager Welzheim deportiert wurde. Im gleichen Jahr wurde dann die Bunttuchweberei „arisiert“, die Familie hatte kein Einkommen mehr. 1939 starb seine Frau Ida, zwei Jahre später gelang Sohn Bernhard die Flucht nach Amerika. Max Elsas war plötzlich allein.

Doch das dauerte nicht lange, denn schon im Dezember 1941 wurde er von den Nazis in ein Zwangsaltenheim für Juden und von dort ins Konzentrationslager Theresienstadt im heutigen Tschechien gebracht, wo er schließlich im September 1942 starb.

Weltweit größtes dezentrales Mahnmal gegen Faschismus

Damit Schicksale wie das von Max Elsas nicht in Vergessenheit geraten, hat Gunter Demnig 1995 damit angefangen, Steine mit Namen und Lebensdaten von Opfern der NS-Diktatur zu verlegen. Daraus ist das weltweit größte dezentrale Mahnmal gegen die faschistische Gewaltherrschaft entstanden, an dem sich auch Ludwigsburg beteiligt.

Max Elsas bekam im Jahr 2009 selbst einen Stolperstein – vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Marstallstraße 4. Am Samstag wird nun auch sein Sohn Ludwig Elsas diese Ehre zuteil. Die Aufgabe, die Erinnerung an die Verfolgten und Deportierten hochzuhalten, wird aber noch weitergehen. Denn es gibt immer noch genügend Schicksale, die noch darauf warten, in das öffentliche Gedächtnis gebracht zu werden.

Stolpersteine Ludwigsburg

Verlegung
Am Samstag, 21. Februar, werden in Ludwigsburg ab 9 Uhr vier neue Stolpersteine verlegt. Dabei werden die Namen von Dr. Ludwig Elsas, Karl Köpf, Ida Hirschfeld und Marie Mack im Boden verewigt. Gunter Demnig, der das länderübergreifende Erinnerungsprojekt vor mehr als 30 Jahren initiiert hat, wird die Steine persönlich verlegen.

Projekt
Mit den Stolpersteinen soll an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur erinnert werden. In Ludwigsburg wurden die ersten zwölf Stolpersteine im Jahr 2008 verlegt, mittlerweile existieren 99 davon. Regelmäßig wird auch zum Stolperstein-Putzen eingeladen, um die Erinnerung aufrechtzuerhalten.

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