Storchendrama in Markdorf Kükenquartett stirbt an Unterkühlung

Von kew 

Der Dauerregen hat die ersten Opfer gefordert. Vier Storchenküken sind am Bodensee in ihrem Horst erfroren. Die Bilder gab es live im Netz. Warum wurde nicht eingegriffen?

Ein Bild aus besseren Tagen: mit einer Webcam hat der BUND Bilder der Storchenbrut auf  dem Wohnturm des Markdorfer Bischofschlosses ins Weltweitnetz übertragen. Foto: BUND Markdorf
Ein Bild aus besseren Tagen: mit einer Webcam hat der BUND Bilder der Storchenbrut auf dem Wohnturm des Markdorfer Bischofschlosses ins Weltweitnetz übertragen. Foto: BUND Markdorf

Markdorf - Die Storchenmama ist schon weggeflogen, nur der junge Storchenpapa harrt noch aus und hält die Totenwache: Wochenlang konnten die Tierfreunde am Bodensee und weltweit per Webcam beobachten, wie sich die Störche Pünktchen und Mimmo auf dem Dach des Bischofschlosses in Markdorf (Bodenseekreis) hingebungsvoll um ihren Nachwuchs kümmerten. Doch jetzt ist es damit vorbei. Alle vier Küken sind gestorben. Die Webcam übertrug traurige Bilder ins Internet.

Schuld sei die Witterung, sagt Ira Brzoska, die sich im Auftrag der Markdorfer Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) um die Störche der Stadt kümmert. „Es regnete drei Tage, und es war kalt“, sagt Brzoska. In den ersten Lebenstagen wäre dies für die Storchenküken kein Problem gewesen. Dann hätten die Alttiere sie wärmen können. Doch der Markdorfer Nachwuchs war inzwischen drei Wochen alt – zu groß, um noch unter Mama oder Papa zu passen, aber zu klein, um schon selbst ein dichtes Gefieder zu haben. „Das ist, wie wenn Sie stundenlang nackt im Regen stehen.“

Der Storchenpapa war hochmotiviert

Brzoska musste tatenlos zusehen, wie ein Jungtier nach dem anderen immer lahmer wurde und sich dann zur Seite legte. „Das ging innerhalb weniger Stunden.“ Am Montagmittag waren alle noch fidel und wurden gefüttert. Besonders der junge Storchenpapa, für den es die erste Brut war, zeigte sich hochmotiviert, brachte Regenwurm um Regenwurm. Doch am Abend waren die Jungen tot.

Zum Eingreifen sei keine Zeit geblieben, zumal sich der Brutplatz in mehr als 30 Metern Höhe befinde und nicht einfach zu erreichen sei. Viele Tierfreunde hätten dies nicht verstanden. „Wir mussten uns rechtfertigen“, sagt Brzoska. Dabei sei menschliches Eingreifen ohnehin fragwürdig. „Wenn Jungtiere erfrieren, ist das ein natürliches Vorkommnis.“

Jedes Jahr ein Brutpaar mehr

Bei der Staatlichen Naturschutzverwaltung im Regierungspräsidium Tübingen geht man davon aus, dass die ungewöhnlich kühle und feuchte Witterung der vergangen Tage noch mehr Opfer gefordert hat. Allerdings werden die meisten Horste nicht mit einer Webcam überwacht. Zuletzt habe sich die Storchenpopulation in Oberschwaben aber gut entwickelt. Allein im Städtchen Markdorf wurden dieses Jahr acht Brutpaare gezählt. „Jedes Jahr kommt ein Nest dazu“, sagt Brzoska.