Strafprozess in Heilbronn Landgericht: Beutezug durch das Bottwartal

Immer, wenn die Dämmerung hereinbrach, sollen sie zugeschlagen haben: Seit Montag stehen zwei Männer vor dem Heilbronner Landgericht, die im vergangenen Herbst in acht Häuser in Steinheim und Murr eingebrochen sein sollen. Wert der Beute: rund 25 000 Euro.

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Steinheim - Eigentlich kam er nach Deutschland, um ein besseres Leben zu finden. Doch jetzt will Bekim H. nur noch nach Hause. Nach Hause, das bedeutet in seinem Fall Albanien. Dort lebten seine Geschwister und die Eltern, dort habe er eine Aussicht auf Arbeit, sagt der 23-Jährige, der eigentlich anders heißt. Doch so einfach dürfte seine Rückkehr wohl nicht werden – denn H. sitzt im Gefängnis.

Seit Montag steht der Asylbewerber gemeinsam mit einem 21-Jährigen, der ebenfalls aus Albanien stammt, vor dem Landgericht Heilbronn. Der Vorwurf: schwerer Bandendiebstahl. Die beiden Angeklagten sollen zusammen mit einem dritten Albaner, gegen den getrennt verhandelt wird, im vergangenen Herbst in acht Wohnungen in Murr und Steinheim eingebrochen sein. Dabei hätten sie Schmuck, Laptops, Handys und Bargeld gestohlen, so die Staatsanwältin in ihrer Anklage. Der Gesamtwert der Beute: rund 25 000 Euro.

Acht Einbrüche in nur wenigen Wochen – mit einer Beute von 25 000 Euro

Das Vorgehen der drei Männer war laut der Ermittler dabei stets ähnlich: Von der Asylbewerberunterkunft in Steinheim machten sie sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf die Suche nach Häusern, in denen während der frühen Abendstunden kein Licht brannte. Dann hebelten sie mit einem Werkzeug Fenster oder Türen auf, um so ins Haus zu gelangen und sich dort zu bedienen. Bei einer der Taten seien die Männer vom Hausbesitzer überrascht worden und hätten versucht, diesen mit einer Eisenkette zu verletzten, um mit der Beute zu entkommen. Der Hausherr habe sich aber rechtzeitig wegdrehen können.

Zumindest einen Teil der Beute aus den Raubzügen schafften die Männer offenbar zurück in die Unterkunft – denn bei einer Durchsuchung Anfang November wurden etliche der Gegenstände, die von ihren Besitzern gemeldet worden waren, in den Zimmern der Angeklagten gefunden. Sämtliche Einbrüche sollen die Männer innerhalb weniger Wochen begangen haben, bis sie im November verhaftet wurden.

Vor der Heilbronner Kammer sagten beide Angeklagten, die kein Wort Deutsch sprechen, umfassend aus. Der jüngere der beiden gab zu, an vier der acht Einbrüche beteiligt gewesen zu sein. Mit den übrigen vier habe er aber nichts zu tun.

Nur eines der Mitglieder der mutmaßlichen Bande lebte legal in der Asyl-Unterkunft

Bekim H., der ältere der beiden Männer, leugnete hingegen jede Beteiligung an den Einbrüchen. Er habe lediglich einen Teil der Beute als Geschenk von seinen beiden Landsmännern angenommen. Dabei habe er aber gewusst, dass es sich um Diebes­gut handele.

Die Geschenke, wie zum Beispiel ein Laptop und ein Handy, dienten offenbar dazu, Bekim H. zu entlohnen, war er doch der einzige, der legal in der Steinheimer Unterkunft lebte. Die beiden anderen Männer der mutmaßlichen Bande lebten illegal in Deutschland. Sie hatten keinen Asylantrag gestellt, bekamen daher keine Sozialleistungen und keinen offiziellen Platz in einer Unterkunft. Da sie H. aber über einen gemeinsamen Freund kannten, habe er sie nach ihrer Ankunft in Deutschland in „seiner“ Steinheimer Asyl-Unterkunft wohnen lassen und für Essen gesorgt, sagte der 21-Jährige vor Gericht. H., das bestätigte er, sei bei den Raubzügen nicht dabei gewesen.

Das Motiv der Angeklagten: Geld für eine Operation des kranken Bruders

Wie der Schmuck, die Laptops und Handys aus den Einbrüchen dann in sein Zimmer gelangten – dazu konnte oder wollte H. vor Gericht nichts sagen. Der dritte Angeklagte, der Cousin des 21-Jährigen und laut Schilderungen der beiden Angeklagten wohl der Drahtzieher und Organisator der Einbrüche, habe die Tasche mit dem Schmuck wohl in seinem Zimmer aufbewahrt. Er sei völlig überrascht gewesen, als die Polizei im November das Diebesgut bei ihm entdeckt habe, sagte Bekim H..

Als Motiv für die vier Einbrüche gab der zweite Angeklagte die gesundheitlichen Probleme seines Bruders an. Gemeinsam mit seinem Cousin habe er 8000 Euro für eine Augenoperation sammeln wollen und sei daher auf die Idee gekommen, in die Häuser einzusteigen.




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