Schilder weisen am Kimry-Platz auf die Höchstparkdauer von 90 Minuten hin. Foto: Simon Granville
Lange dürfen die Einkäufe in den Geschäften am Kimry-Platz in Kornwestheim nicht dauern. Sonst wird es teuer. Viele Autofahrer sind sauer – auf Kulanz dürfen sie nicht hoffen.
Es könnte so praktisch sein: Erst einige Sachen in der Drogerie besorgen, anschließend im Supermarkt den Wocheneinkauf erledigen und danach die Medikamente in der Apotheke abholen. Am Kimry-Platz in Kornwestheim sind sieben Geschäfte und Einzelhändler ansässig. Doch wer gleich mehrere Läden besucht, kassiert nicht selten eine saftige Vertragsstrafe. Der Ärger um die vor Monaten eingeführte Parkregelung reißt nicht ab.
Bereits zweimal hatten Alexander Maßmann und seine Familie die unerfreuliche Post im Briefkasten. Jeweils 42 Euro wurden fällig, weil einmal er und einmal sein Schwiegervater länger als 90 Minuten mit ihren Autos auf dem Platz standen. Parkwucher und Abzocke nennt Maßmann die Forderungen. Die Summe sei in ihrer Höhe völlig unangebracht. „Dieser Betrag fällt für manche für einen ganzen Wocheneinkauf an“, sagt er verärgert.
Seit dem Sommer gilt die neue Regelung
Die Stellflächen am Kimry-Platz sind im Eigentum einer auswärtigen Treuhandgesellschaft. Im Juni 2025 hat sie der Firma Parkdepot die Kontrolle der Fläche übertragen, weil die Fremdparker, vor allem Bewohner aus dem angrenzenden Wohngebiet und Besucher des Schwimmbads, zugenommen hatten. Seither ist die Parkdauer dort auf eineinhalb Stunden begrenzt. Die Kennzeichen der Fahrzeuge werden beim Ein- und Ausfahren mit einem Scan erfasst und mit einem Zeitstempel versehen. Wer die Höchstdauer überschreitet, erhält ein Schreiben von Parkdepot und wird zum Zahlen der Strafgebühr aufgefordert.
Die vorgegebene Maximaldauer hält Alexander Maßmann für unangemessen. „Es ist oft nicht möglich, innerhalb der 90 Minuten alle Einkäufe für eine Familie zu erledigen“, sagt er. An dem Tag, als er das Limit deutlich überschritt, sei in den vier besuchten Geschäften besonders viel Betrieb gewesen. Gegenüber älteren Menschen wie seinem 78-jährigen Schwiegervater, der im Januar ebenfalls in vier Geschäften einkaufte, oder anderen Personen, die nicht schnell zu Fuß sind, sei die Höchstparkdauer erst recht rücksichtslos.
Parkdepot pocht auf Gebühren
In beiden Angelegenheiten reichte Maßmann Beschwerde bei der Firma ein und dokumentierte mit Quittungen, dass der Parkplatz nur für die Dauer der Einkäufe genutzt wurde. Von den Forderungen rückte Parkdepot allerdings nicht ab. Er erhielt die Antwort, dass die Überschreitungen eine Kulanz nicht zuließen. „Ich musste die Gebühren trotz der Belege bezahlen“, klagt er.
Auch mit dem Eigentümer der Fläche stand er mittlerweile in Kontakt. Auf eine Rückerstattung wartet Alexander Maßmann, der früher regelmäßig am Kimry-Platz eingekauft hat, bisher aber vergeblich. Ihn hat dieses Vorgehen abgeschreckt. „Ich nutze nun andere Einkaufszentren“, sagt er.
Der Kimry-Platz wurde früher oft von Fremdparkern genutzt. Foto: Simon Granville (Archiv)
Dass das Problem der Familie kein Einzelfall ist und es immer wieder zu solchen Forderungen kommt, belegen Kommentare im Internet und Zuschriften an die Redaktion. Als unfair, unseriös und keineswegs kundenfreundlich wird die Praxis beschrieben.
Parkdauer soll vorerst nicht erhöht werden
Die Firma Parkdepot verweist darauf, dass die Bedingungen auf den Schildern ersichtlich sind. Eine Erhöhung des Höchstdauer sei aktuell nicht geplant. „Die 90 Minuten sind in enger Abstimmung mit unserem Vertragspartner vereinbart, um die Parkflächen für Kundinnen und Kunden freizuhalten“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Auslastung werde jedoch regelmäßig evaluiert. In einer früheren Stellungnahme hatte Parkdepot geschrieben, dass sich Kunden im Durchschnitt nur etwa 23 Minuten auf einem Parkplatz zum Einkaufen aufhalten. Demnach wird das Zeitlimit von den meisten Nutzern eingehalten.
Die Beschwerden nehme man ernst, teilt das Unternehmen mit. „Ziel ist es nicht, echte Kunden zu sanktionieren, sondern die Blockade von Parkplätzen durch Nicht-Kunden zu verhindern.“ Jeder Fall werde individuell geprüft. Und weiter: „Grundsätzlich zeigt sich unser Kundenservice kulant bei der Vorlage der entsprechenden Kassenbelege aus den Geschäften.“