Straßen in Stuttgart Zu wenig Geld für Sanierung aller Schlaglöcher
Jährlich werden etwa 5000 Schadstellen in der Stuttgarter Straßen- und Gehweglandschaft ausgebessert. Nötig wären kürzere Intervalle zum Sanieren.
Jährlich werden etwa 5000 Schadstellen in der Stuttgarter Straßen- und Gehweglandschaft ausgebessert. Nötig wären kürzere Intervalle zum Sanieren.
Stuttgart - Der Autofahrer merkt es mit einem mehr oder weniger heftigen Ruckeln, der nicht darauf achtende Fußgänger kommt meist ins Stolpern: Wieder ein Schlagloch in der Stuttgarter Asphalt-Fläche, in diesem Fall noch mitten in der Stadt – am Olgaeck, genauer: an der Kreuzung Olga- /Charlottenstraße.
Etwa zwei Wochen dauerte es, bis der Schaden behoben war. Die Stadt war gründlich, hat an den Ampeln der Olgastraße im großen Stil den Oberflächenasphalt weggefräst, um Platz zu schaffen für einen neuen Belag, der jetzt wohl einige Jahre frei sein wird von Schlaglöchern und Spurrillen. „Arbeiten wie an dieser Kreuzung sind immer sehr aufwendig“, berichtet Jürgen Mutz, der Leiter der Bauabteilung Mitte/Nord beim Stuttgarter Tiefbauamt: „Viele Absperrungen und Umleitungen sind notwendig, hier waren auch die Fußgänger betroffen. Der dichte Stadtbahn-Verkehr musste auch noch berücksichtigt werden“. Mit dem Auftragen des Asphalts allein ist es noch lange nicht getan: „Danach mussten viele Straßenmarkierungen wieder neu angebracht werden und Kontaktschleifen, die im Boden eingelassen sind.“ Dazu wurden die Osterferien als Bauzeit gewählt: „Da ist etwas weniger Verkehr“, so Mutz.
Schlaglöcher und Spurrillen sind das tägliche Brot von Mutz und seinen Kollegen. Vor allem nach einem Winter mit vielen heftigen Temperaturschwankungen: „Da entstehen Spannungen, da reißt die Asphaltdecke“, weiß der Fachmann. Von etwa 5000 solcher Reparaturen im Jahr geht Mutz aus, „mal mehr, mal weniger, eigentlich selten weniger“. Lockere Gehwegplatten oder Kanaldeckel zählt er zu den 5000 dazu: „Wenn Gefrieren und Auftauen in kurzen Wechseln erfolgen, treten Risse auf, Wasser dringt ein“.
Solche Gefahrenstellen erkennen unter anderem die Mitarbeiter des Tiefbauamts selbst durch Kontrollgänge. „Das sind etwa zwölf Leute pro Betriebsstelle. Und wenn sie die geeigneten Materialien dabei haben, bearbeiten sie sofort die Schadstellen“, so Mutz: „Jetzt verwenden wir bevorzugt Heißasphalt. Dann wird nicht nur das Loch selbst, sondern gleich die Straße drumherum ausgebessert.“
Finanziert wird dies aus dem Gesamtetat von 14 Millionen Euro. „Das ist nicht viel“, so Mutz. Gesondert davon sind größere Aufgaben, etwa die Sanierung der Straße Am Kräherwald, die in mehreren Bauabschnitten erfolgte. „In den Sommerferien haben wir jeweils größere Abschnitte gemacht, jeweils etwa 6000 bis 8000 Quadratmeter. Diese Flächen haben wir in einem Zug saniert, da mussten wir auch in die Tiefe gehen, denn häufig ist der Straßenaufbau ebenfalls beschädigt. Oder er ist nicht mehr den heutigen Anforderungen gewachsen“, so Mutz. Aufgaben dieser Größenordnung würden ausgeschrieben. Bei der Sanierung der Straße Am Kräherwald sei es es um Kosten in Höhe von einer Million Euro gegangen. Aber: „Wir haben vom Gemeinderat jetzt etwas mehr Geld bekommen. Damit wollen wir konsequent größere Maßnahmen umsetzen, das ist aufs Ganze gesehen kostengünstiger.“ Denn alles rund um eine Baustelle ist ähnlich teuer, unabhängig von deren Größe. Und Mutz denkt da als Autofahrer: „Es ist doch besser, wenn ein größeres Stück erledigt ist als diese Klein-Klein-Arbeiten.“
Zurück zum Olgaeck: „Hier mit der starken Belastung einer Bundesstraße müsste man alle zwölf bis 16 Jahre die oberste Schicht erneuern. Das schaffen wir meist aber nicht, dafür reicht unser Budget nicht. Also dauert es meist viel länger, bis wir ran können. Und dann gehen die Schäden eben tiefer und es wird teurer“, so Mutz.
Schlaglöcher und andere Schäden kann übrigens jeder selbst an die Stadt melden per Internet. Mutz: „Das ist ganz unkompliziert. Da kommen jährlich schon einige hundert Meldungen rein.“
Auch der Automobilclub Europa ACE mit Sitz in Stuttgart ist in Sachen Schlaglöcher aktiv, auch dort können solche Schäden übers Internet gemeldet werden. Harald Kraus betreut dort die eingehenden Meldungen seit zehn Jahren. Und was die Stadt Stuttgart betrifft, ist er voll des Lobes: „Wir geben die Meldungen weiter. Die Schadstellen sind dann meist in zwei Tagen behoben. Das ist nicht in allen Städten so.“ Denn Kraus hält Rücksprache mit den Ämtern, fragt nach, auch bei denen, die Schäden gemeldet haben.
Allerdings hat Kraus für Stuttgart speziell im Vergleich zur Stadt wenig zu vermelden: Etwa zehn Meldungen hat es dazu im vergangenen Jahr gegeben. Doch der ACE arbeitet ja vor allem deutschlandweit. Und da kommt Kraus auf mehrere tausend Meldungen jährlich, die meisten davon aus Nordrhein-Westfalen. Kraus: „Auch der Bund stellt Mittel für die Behebung von Straßenschäden zur Verfügung. Doch die reichen nicht aus, die Städte sind so immer im Verzug.“
Für Baden-Württemberg gibt es alle fünf Jahre einen Straßenzustandsbericht: „Da werden alle Straßen abgefahren und bewertet“, so Kraus. „In den letzten fünf Jahren hat sich der Zustand der Bundes- und Landesstraßen verbessert, aber nur minimal. Nach wie vor sind 40 Prozent von ihnen in einem schlechten bis sehr schlechten Zustand.“ Kraus: „Unser Schadensmelder ist wichtig als Korrektiv. Würden die Kommunen ihren Aufgaben nachkommen, gäbe es bei uns ja keine Meldungen mehr.“