Straßenbau in Bad Cannstatt Pragstraße ändert ihr Gesicht
Stadt investiert in die Umgestaltung der ehemaligen Industriemeile 18 Millionen Euro. Vor dem Wilhelma-Theater wird der Umbau wegen der maroden Rosensteinbrücke ausgesetzt.
Stadt investiert in die Umgestaltung der ehemaligen Industriemeile 18 Millionen Euro. Vor dem Wilhelma-Theater wird der Umbau wegen der maroden Rosensteinbrücke ausgesetzt.
Als es um den Gesamtbeschluss für den Bau des Rosensteintunnels ging, war die SPD vor mehr als zehn Jahren das Zünglein an der Waage. Nach einem parteiinternen Hin und Her stimmte die Gemeinderatsfraktion damals nur zu, wenn insgesamt 22 „verkehrslenkende und städtebauliche“ Rückbaumaßnahmen in Zuffenhausen, Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost umgesetzt werden. Die größte Maßnahme betrifft in Bad Cannstatt den Rückbau der Pragstraße zwischen Löwentor und Wilhelma-Kreuzung sowie die Umgestaltung der Kreuzung Prag-/Neckartalstraße vor der Rosensteinbrücke.
„Die Maßnahmen in der Pragstraße sollen im Frühjahr 2023 beginnen“, sagt Stadtsprecherin Jacqueline Albinus. Das Stadtplanungsamt rechnet mit einer Bauzeit von rund zweieinhalb Jahren. 18 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Der Um- und Rückbau erfolgt vom Löwentor bis zur Einmündung der Wilhelma- in die Pragstraße im Bereich des Amazonienhauses. Wesentliches Ziel ist die Reduzierung von Verkehrsflächen zugunsten des Fuß- und Radverkehrs. Zudem sollen Grünflächen entstehen und viele Bäume gepflanzt werden. Die wichtigste städtebauliche Veränderung der Pragstraße ist, dass sie künftig stadteinwärts und stadtauswärts nur noch jeweils eine Fahrspur für den Individualverkehr hat.
Geplant ist, die bergabwärts führende Fahrbahn entlang der Wilhelma bis auf Höhe der Firma Mahle zurückzubauen. Auf den frei werdenden Flächen sollen jeweils ein Rad- und ein Gehweg hergestellt und eine Baumallee gepflanzt werden. Der Verkehr wird auf der Pragstraße künftig auf der bebauten Seite abgewickelt. Auch hier wird ein Rad- und Gehweg eingerichtet sowie die Einmündungen der Quellen- und der Haldenstraße baulich entsprechend angepasst.
„Hinsichtlich der Schnittstellen zur Firma Mahle und ihrer Bauvorhaben sind uns keine Probleme bekannt“, so die Stadtsprecherin. Bekanntlich hat der Global Player der Automobilzulieferbranche 2018 verkündet, seine auf das Stadtgebiet verteilten Standorte in einem Neubau für rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Stammsitz zu bündeln. Nachdem das benachbarte Eckardt-Gelände erworben wurde und die Gebäude abgerissen worden waren, wurde das Zukunftsprojekt 2019 jedoch auf Eis gelegt. Der Grund: Dieselkrise, abflachende Konjunktur und wirtschaftliche Unsicherheit mit dem Brexit machten damals dem Autozulieferer zu schaffen. Der Konzern hat sich daraufhin einen Sparkurs auferlegt.
Mittlerweile hat das Unternehmen die riesige Freifläche zwischen Pragstraße und Glockenstraße eingeebnet und umzäunt. „Auf einer Teilfläche sollen weitere Mitarbeiterparkplätze erstellt werden“, sagte ein Unternehmenssprecher. Diese sollen die bisherigen freien Parkplätze an der Glockenstraße und dem Mahle-Parkhaus ergänzen. „Für die restlichen Flächen gibt es momentan keine weitergehenden Pläne“, so der Sprecher.
Während das Maßnahmenpaket für die Pragstraße samt Zeitplan für dessen Umsetzung steht, muss der Straßenrückbau weiter unten im Kreuzungsbereich Prag-/Neckartalstraße vor dem Wilhelma-Theater ausgesetzt werden. Die marode Rosensteinbrücke macht eine neue Neckarquerung in diesem Bereich erforderlich. Wie lange Planung und Neubau einer Brücke dauern wird, steht noch in den Sternen. Nach der Sommerpause werden sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Thema vertieft auseinandersetzen müssen. Ob in diesem Zusammenhang die Umgestaltung der Wilhelmastraße erfolgen kann, wird derzeit noch geprüft. Angedacht war, die Verbindungsstraße zwischen Brücken- und Pragstraße um eine Fahrspur zu reduzieren.