Straßenbau in Stuttgart Asbest am Nesenbachkanal verzögert Baustelle an der B14
Die mehr als 100 Millionen Euro teure Sanierung an der Cannstatter Straße soll mindestens sechs Jahre dauern. Ein Asbestfund könnte die Pläne nun deutlich ändern.
Die mehr als 100 Millionen Euro teure Sanierung an der Cannstatter Straße soll mindestens sechs Jahre dauern. Ein Asbestfund könnte die Pläne nun deutlich ändern.
Mit bis zu 70.000 Fahrzeugen am Tag zählt die Cannstatter Straße zu einer der Hauptverkehrsadern in der Landeshauptstadt. Doch in den kommenden Jahren müssen sich die Autofahrer wieder auf massive Behinderungen einstellen, und vielleicht noch länger als bislang geplant. Hintergrund ist die notwendige, mehr als 100 Millionen Euro teure Sanierung des Nesenbachkanals, der zwischen dem Neckartor und den Mineralbädern unter der B14 verläuft. Die Bauzeit ist auf sechs Jahre veranschlagt – mindestens. Denn nun wurde Asbest an dem Kanal aus den 1960er Jahren entdeckt. Das könnte die Sanierung deutlich verlängern. „Wie lange können wir im Augenblick noch nicht abschätzen“, sagt der zuständige Projektleiter von der Stadtentwässerung Stuttgart, Bálint Botka.
Bereits seit November vergangenen Jahres laufen die vorbereitenden Maßnahmen. In beide Richtungen stehen nur noch zwei Fahrspuren zur Verfügung. Im Vorfeld des eigentlichen Baustarts Ende dieses Jahres wird auf einer Länge von 800 Metern der Mittelstreifen gerodet und zurückgebaut, zudem die Blitzer abgebaut. Die Voraussetzung, dass die Fahrbahnen verschwenkt werden können. Doch seit einigen Tagen ruhen die Arbeiten. Hintergrund ist ein Asbestfund auf der Baustelle. Im Rahmen der Baufeldfreiräumung wurde ein kleiner Teil des Nesenbachkanals freigelegt. „Dabei hat sich herausgestellt, dass die Abdichtung mit Asbest verseucht ist“, erklärt Botka. Alleine die vorbereitenden Maßnahmen verschieben sich dadurch um rund eineinhalb Monate. Anstatt wie bisher geplant im Juni, werden die Arbeiten erst Ende Juli abgeschlossen werden können, „aber noch rechtzeitig vor den Sommerferien“, sagt Botka.
Enorme Auswirkungen hat dies aber auch auf die gesamte Kanalerneuerung. Zwar sei bislang nur ein kleiner Teil einsehbar, „wir müssen aber davon ausgehen, dass der gesamt rund 1000 Meter lange Abschnitt von Asbest betroffen ist.“ Daher muss nun ein neuer Zeit- und Bauplan erarbeitet werden. „Der zusätzliche Bauschritt muss nun ausgeschrieben und eingeplant werden“, sagt Botka. Denn um das Asbest fachgerecht abbauen und entsorgen zu können, ist ein enormer Mehraufwand notwendig. Um die Bauarbeiter vor den krebserregenden Asbestpartikeln zu schützen, müssen diese Ganzkörperanzüge und Atemmasken tragen. Zusätzlich muss die Staubentwicklung mit Hilfe von Wasser und Absauganlagen verhindert, und das Asbest schließlich in geschützten Behältern gesondert entsorgt werden.
Dennoch sieht Botka anhand des frühen Zeitpunkts noch zumindest ein wenig Glück im Unglück: „Somit können wird noch rechtzeitig reagieren.“ Mindestens sechs Jahre sind mit den vorbereitenden Maßnahmen derzeit für den Abbau des maroden Nesenbachkanals und den Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite vorgesehen. Die Kosten sind von den ersten Planungen von 40 bis 50 Millionen auf inzwischen mehr als 100 Millionen Euro gestiegen. Ob und wie lange sich die Maßnahme verlängern wird und die Kosten noch einmal steigen, sei derzeit noch nicht abschätzbar – aber durch den enormen Mehraufwand bei der Entsorgung des Asbests durchaus wahrscheinlich.
Historie
Für den Ausbau der Cannstatter Straße in den 1960er Jahren wurde der Haupauffangbereich des Nesenbachs zum noch heute bestehenden Abwasserkanal umgebaut. Bis dahin floss das Abwasser aus den Stadtteilen Vaihingen, Heslach, Kaltental und der gesamten Innenstadt bis zum Schwanenplatz in einem offenen Rinnsal zum Hauptklärwerk in Mühlhausen.
Lage
Der Kanal verläuft zwischen der Kreuzung Cannstatter, Wolfram- und Heilmannstraße sowie dem Schwanenplatztunnel unter den Fahrspuren in Richtung Innenstadt und Arnulf-Klett-Platz. Er ist 7,60 Meter breit sowie zwischen drei und fünf Meter hoch.
Schäden
Die Stahlbetonplatten des Kanals weisen durch den Jahrzehnte langen Verkehr inzwischen massive Schäden auf. Bereits 2014 und 2018 wurden zur Sicherheit 43 Stahlrahmen eingebaut, welche die Deckenelemente stützen.