Straßenfest in Stuttgart-Ost Die Lange Ost Nacht 2020 findet statt

Von  

Der Bezirksbeirat stimmt der Finanzierung zu. Es wird aber auch über ein neues Konzept nachgedacht – und eine Agentur hat schon relativ konkrete Vorstellungen, wie eine neue Ost-Nacht aussehen könnte.

Die Lange Ost Nacht lockt jedes Jahr Tausende von Besuchern auf die Gablenberger Hauptstraße. Foto: Karin Ait Atmane
Die Lange Ost Nacht lockt jedes Jahr Tausende von Besuchern auf die Gablenberger Hauptstraße. Foto: Karin Ait Atmane

S-Ost - Ich brauche dringend einen Beschluss, machen wir sie, oder nicht“, der Hauptorganisator der Langen Ost Nacht, Sebastiano Barresi, hat es den Bezirksbeiräten im Stuttgarter Osten diese Woche ganz deutlich gesagt. Ohne den Beschluss stünde das beliebte Straßenfest weiter auf der Kippe, wenn man beispielsweise nicht bald die Bühnen reserviere, seien sie weg.

Das Gremium ließ sich nicht lange bitten. Einstimmig bekam Barresi das Okay für das Fest in diesem Jahr, auch wenn es durch den erforderlichen Ordnerdienst 4000 bis 5000 Euro teurer wird als bisher. Und: Das Fest wird nach dem bisherigen Schema gefeiert. Über ein neues Festkonzept soll sich der Ausschuss für Sport und Kultur des Bezirksbeirats Gedanken machen.

Das Ordner-Problem ist gelöst

Anlass für die Diskussionen über die Lange Ost Nacht war der Auftritt Barresis vor einigen Wochen im Bezirksbeirat. Damals hatte er darüber informiert, dass er für dieses Jahr noch keinen Ordnerdienst für das Straßenfest mit Tausenden von Besuchern habe. Die Deutsche Jugend aus Russland (DJR), die das in den vergangenen Jahren übernommen hatte, steht aus Zeit- und Personalgründen nicht zur Verfügung. Andere Vereine waren bis zum damaligen Zeitpunkt noch nicht eingesprungen.

Nach der Berichterstattung dieser Zeitung meldeten sich bei dem Festorganisator viele Privatpersonen, Vereinsvertreter und auch professionelle Sicherheitsunternehmen mit Vorschlägen und Angeboten. Dieses Problem ist also für dieses Jahr gelöst.

Agentur-Chefs kommen aus Stuttgart-Ost

Auf die Berichterstattung meldete sich aber auch noch jemand anderes: Die Agentur mkr hat ihren Sitz zwar in Bad Cannstatt, ist aber durch und durch von Stuttgart-Ostlern geprägt. Der Geschäftsführer Barry Hackh kommt aus der alteingesessenen Familie Hackh, die das Restaurant Tasca im Feui und das Feuilleton an der unteren Haußmannstraße betreibt. Und der Onkel von Hackhs Partner Sascha Markmeyer leitet das Kulturwerk im Kübler-Areal, Markmeyer selbst wohnt seit vielen Jahren in Gablenberg. Hackh und Markmeyer sind nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Stammgäste bei der Langen Ost Nacht und haben schon im vergangenen Jahr angefangen, sich Gedanken über ein neues Festkonzept zu machen. Nach der Zeitungslektüre beschlossen sie dann, es auszuarbeiten und auch im Bezirk vorzustellen – was sie diese Woche im Bezirksbeirat auch taten.

„Wir haben aus Leidenschaft zum Bezirk gehandelt, weil wir Stuttgart-Ostler sind“, sagte Barry Hackh im Bezirksbeirat. „Wir dachten, es gibt Anlass dazu.“ Sie schlagen vor, die Lange Ost Nacht auf drei Tage, von Freitag bis Sonntag, auszudehnen, dafür aber auf die Gablenberger Hauptstraße als Festmeile zu konzentrieren. Die Straße müsste dann von etwa Freitagnachmittag bis Sonntagnacht gesperrt, die dort verkehrenden Buslinien umgeleitet werden. Hackh: „Was an einem Tag möglich ist, ist auch an drei Tagen möglich.“ Die Straße wollen sie durch Gestaltung, beispielsweise mit Schirmen oder Lampions, in drei Festbereiche für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen unterteilen. Zu ihrem Programm gehören eine Shisha-Lounge, eine Kaffeestunde und ein Stadtteilfrühstück, genauso wie eine Schlager- oder Hip-Hop-Party und vielfältige gastronomische Angebote.

Skeptische Reaktionen

Die Konzeptpräsentation überraschte die Bezirksbeiräte – und stieß auf Skepsis. Der CDU-Bezirksbeirat Thomas Rudolph, der auch Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Stuttgart-Ost ist, sagte: „Der Stadtbezirk besteht nicht nur aus Gablenberg“ – und lehnte einen Verzicht auf den Festbereich beim Ostendplatz ab. Er und andere Bezirksbeiräte halten drei Festtage für zu viel – zwei allerdings für sinnvoll. Außerdem wurde eine Kommerzialisierung des von örtlichen Vereinen und Unternehmen geprägten Festes befürchtet und zum Teil auch abgelehnt.

Ziel ihres Vorschlags sei, das Fest sowohl für Vereine als auch für Sponsoren attraktiver zu machen und so auch finanziell auf sicherere Beine zu stellen, sagte Hackh. Jetzt soll sich der neu zu bildende Ausschuss für Sport und Kultur mit dem Thema Lange Ost Nacht und auch mit dem vorgestellten Konzept beschäftigen.

Sonderthemen