Straßenkunstfestival in Leonberg Straßenkunst ohne Barrieren

Auch in diesem Jahr trommeln Behinderte und Nichtbehinderte wieder miteinander. Foto: Jürgen Bach

Atrio Leonberg veranstaltet gemeinsam mit einem Projektteam und der Stadt Leonberg am Sonntag wieder ein Straßenkunstfestival in der Altstadt.

Die Zusammenarbeit mit dem Projektmanager Philipp Falser und der Stadt habe sich „absolut bewährt“, sagt Martin Metz, Geschäftsführer von Atrio Leonberg, rückblickend über das inklusive Straßenkunstfestival in der Leonberger Altstadt, kurz: Straku, im vergangenen Jahr. Dabei gibt er zu: „Ich bin gar nicht mit großen Erwartungen an das Festival herangegangen.“ Am Sonntag steht nun die zweite Auflage der Veranstaltung auf dem Programm. Geboten werden Musik unterschiedlicher Richtungen, Tanz, Akrobatik und Clownerie – von und für Behinderte und Nichtbehinderte.

 

Es gehe bei der Veranstaltung darum, dass ein Miteinander zwischen Behinderten und Nichtbehinderten entstehe, so Metz. Deshalb sollen die Schwellen möglichst niedrig sein. Im Programmheft heißt es, dass Inklusion für die Veranstalter bedeute, dass jeder willkommen ist, dass alle teilnehmen können, Barrieren im Kopf abgebaut werden, im öffentlichen Raum und im Miteinander. Und so gibt es das Programmheft auch online in großer Schrift und zum Anhören. Dazu gibt es vorne in dem Blättle zwei QR-Codes. Rebekka Pälmer vom Straku-Vorbereitungsteam bei Atrio betont, der Text sei zudem wieder in leichter Sprache verfasst – dieser sei durch eine Glühbirne gekennzeichnet.

„Wir wollen zeigen, dass es immer noch Barrieren gibt“, macht Pälmer deutlich. „Deshalb haben wir uns einen Blinden- und Rollstuhlparcours überlegt.“ Das Vorbereitungsteam, dem auch Menschen mit Behinderung angehören, will am Festivaltag zeigen, wie man als Behinderter oder Behinderte vorankommt – oder eben auch nicht. „Wir haben Rollstühle und Simulationsbrillen am Sonntag zum Probieren als Teil unseres Mitmachangebots,“ so Pälmer.

Rollstühle und Simulationsbrillen zum Probieren

Dieses Jahr findet das Straßenkunstfestival nur an einem Tag statt – im vergangenen Jahr waren es zwei Tage – , aber wieder ist auf drei Bühnen etwas geboten. „Das Straßenkunstfestival gibt es dieses Jahr in einer kompakten, dichten Variante, damit man alles genießen kann“, sagt Philipp Falser. Er ist der Projektleiter der Marke Straku, die auch in anderen Städten Straßenkunstfestivals organisiert. Ein inklusives Konzept gab es bisher allerdings nur noch in Heilbronn. „Man kommt gut zu den Bühnen, denn man ist barrierearm unterwegs“, verspricht Falser für die Veranstaltung in der Leonberger Altstadt. Er betont, dass das Programm durch viele regionale Künstlerinnen und Künstler gekennzeichnet sei. „Daneben gibt es Darbietungen von auswärts, die Staunen hervorrufen,“ ist Falser überzeugt.

Bei der Eröffnung kommen Inklusion und Regionalität zusammen, denn dann singt der Atrio-Chor und eine Gruppe von Atrio Leonberg tritt gemeinsam mit der Musikschule Los Trommlos bei einer Trommelshow auf. Die Siesta Dancers aus Leonberg präsentieren zwei Mal eine Tanzshow. Dass Atrio Leonberg und die Lebenshilfe Leonberg ohne Barrieren kooperieren, zeigt nicht nur der Auftritt des Chors der Lebenshilfe beim Straku. Nicole Lauser, die jetzt im Vorbereitungsteam mitgewirkt hat, in der Werkstatt von Atrio arbeitet und in einer ihrer WGs wohnt, singt beispielsweise im Lebenshilfe-Chor.

Inklusion und Regionalität kommen zusammen

Die Auftritte der nicht regionalen Künstler seien visuell eindrucksvoll und auch zum Hören, sagt Falser. Janna Wohlfahrt aus Dorsten, die Weltmeisterin im Einradfahren, war bereits im vergangenen Jahr beim Straßenkunstfestival zu erleben und hat das Publikum begeistert. Daneben sind die Besuchbrüder, zwei Clowns aus Berlin, mit einer Roadshow zu Gast. „Beatsocks – Not just Puppets“ präsentiert Stefano Locati aus Italien. Dabei handelt es sich um eine Show mit Zaubermagie, Jonglage und Puppenspiel. David Finscher aus Stuttgart tritt als Clown mit einem „Concerto grande“auf. Julia Wahl und Fabio Zimmermann aus Tübingen sind mit Jonglage und Akrobatik dabei.

Die Band PHI spielt Indierock, Vera aus Berlin Indiefolk. Von Nagomi aus Esslingen ist eine Mischung aus Klängen aus dem Süden und verschiedenen Musikrichtungen wie R’n’B, Hiphop und Pop zu hören. Und das Kreativwerk Höfingen lädt von 12.30 bis 18 Uhr zum Mitmachen ein: Gemeinsam mit den Besuchern will man die längste Fahnenkette von Leonberg gestalten.

Mit Blick auf das Straßenkunstfestival sagt der Oberbürgermeister Martin Georg Cohn: „Es zeigt, dass wir eine Vielfalt in der Stadt haben.“ Die „Verzahnung“ zwischen der Stadtverwaltung und Atrio, das das Festival auf die Beine stellt, zeige, wie beispielhaft dieses Programm ist. „Der Hintergrund ist, dass wir Inklusion leben“, so Cohn. „Ich hoffe, dass wir mit dem zweiten Aufschlag in die Kontinuität kommen,“ wünscht er sich. Diese Hoffnung teilt auch Florian Streib, der Amtsleiter für Sport und Kultur bei der Stadt. Er sagt über die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Atrio: „Das Wichtigste ist, in dieser Zeit und in die Zukunft blickend eine Partnerschaft zu pflegen.“ Und schließlich hebt er hervor, dass es wichtig sei, dass eine Behinderung gar nicht mehr auffiele.

Kulinarisches Angebot als Ergänzung

Markus Metz macht darauf aufmerksam, dass es in diesem Jahr beim Straku zusätzlich ein kulinarisches Angebot gebe, um das sich der Obst-, Garten- und Weinbauverein Eltingen-Leonberg kümmere. „Das ist eine gute Ergänzung“, freut sich Metz.

Metz weist dann noch darauf hin, dass Sonntag der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung sei. Es sei aber gar nicht ihre Absicht gewesen, aus diesem Grund das Straku an diesem Tag zu veranstalten.

Das Straku Leonberg rund um den Marktplatz beginnt am Sonntag, 5. Mai, um 12.30 Uhr. Mehr unter straku-festival.com

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