Straßenlaternen in Feuerbach Schattenseiten der Lichtflut

Keine  helle Freude kommt  bei  Matthias Engel beim Anblick solcher  Bodenstrahler auf. Foto:  
Keine helle Freude kommt bei Matthias Engel beim Anblick solcher Bodenstrahler auf. Foto:  

Wer den Stadtbezirk mit dem Feuerbacher Ingenieur und Hobbyastronom Matthias Engel erkundet, entdeckt die Schattenseiten der Straßenbeleuchtung.

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Feuerbach - War es ein Planet? Oder eher ein Komet, der da am Firmament strahlte? Ganz gleich welches astronomische Phänomen die drei Weisen aus dem Morgenlande zur Zeit von Jesu Geburt am Sternenhimmel wahrgenommen haben. Eines wäre heutzutage sicherlich fraglich: Ob die drei aufgrund der aktuellen Lichtverhältnisse überhaupt in der Lage wären, einen Himmelskörper wie den Stern von Bethlehem als solchen am Nachthimmel auszumachen.

Denn Experten sagen, die Lichtflut in den Industrieländern habe der tiefen Dunkelheit weitgehend den Garaus gemacht. Inzwischen debattieren Wissenschaftler vieler Disziplinen den „Verlust der Nacht“, zum Beispiel innerhalb eines gleichnamigen Forschungsprojektes in Berlin.

Kaum geht die Sonne unter, wird es wieder hell. Millionen Straßenlaternen entzünden sich, dazu kommen Lichtwerbung, illuminierte Gebäude und Parks, Firmen- und Privatbeleuchtung. Gerade weil Leuchtdioden der neuesten Generation wenig Energie verbrauchen und vergleichsweise klein sind, setzen Städteplaner, Architekten und Lichtingenieure sie verstärkt ein.

Straßenlaternen strahlen in die Häuser

Für helle Freude sorgt diese Entwicklung bei Matthias Engel nicht. Der in Feuerbach wohnende Ingenieur und Hobbyastronom wendet sich gegen das um sich greifende Phänomen der Lichtverschmutzung. Bei einem Rundgang durch das abendlich erleuchtete Feuerbach erläutert der 33-Jährige die Problematik falscher Beleuchtung an einfachen Beispielen und hat auch Verbesserungsvorschläge entwickelt.

„Das Problem ist nicht das Licht an sich, sondern dass es im öffentlichen Raum oft falsch und nicht zielgerichtet eingesetzt wird“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Stuttgart. Viele Straßen in Feuerbachs Zentrum erhellt neuerdings bläulich-weißes LED-Licht. Doch die zylinderförmigen Straßenlaternen erhellen nicht nur die Straße, sondern strahlen auch direkt auf die Häuser und damit in die Wohnräume hinein. „Das hat vermutlich einen Bewohner so gestört, dass er die der Wohnung zugewandten Seite der Straßenleuchte mit Klebeband abgeklebt hat“, sagt Engel und zeigt auf eine Stelle an der Grazer Straße. „Diese Laternen strahlen große Lichtmengen nach oben und zur Seite, blenden dadurch und hellen unnütz den Nachthimmel auf. Das ist Energie- und Geldverschwendung. Gezielt nach unten gelenktes Licht würde das verhindern.“

Das Fazit: Eine sinnvolle Beleuchtung sieht nach Meinung von Engel anders aus – auch am Wilhelm-Geiger-Platz. Die Auswirkungen des Lichtsmogs werden gerade erst erforscht. Neben Biologen und Astronomen beschäftigen sich auch Mediziner und Schlafforscher mit den Folgen der Dauerbeleuchtung. Nach deren Untersuchungen kommt durch den Verlust der Nacht der Biorhythmus des Menschen leicht aus dem Takt. „Die innere Uhr eines Menschen kann sich verstellen“, sagt Engel. Vor allem das Licht mit einem hohen Blauanteil behindert nachweislich die Freisetzung des Schlafhormons Melatonin.

Auch Tiere und Pflanzen leiden unter der Lichtverschmutzung

Doch nicht nur Menschen zieht das Dauerlicht in Mitleidenschaft, auch andere Organismen wie Tiere und Pflanzen leiden darunter. Als Beispiele zeigt Engel die von Bodenstrahlern beschienenen Bäume der „Grünen Fuge“ auf dem Stuttgarter Killesberg: An der Stelle, wo der Baum angestrahlt wird, trägt er teilweise mitten im Winter noch Blätter. „Das nach oben gelenkte Licht ist pure Energieverschwendung und verändert den biologischen Rhythmus der Pflanze“, erklärt der Feuerbacher.

Dabei könnte auch in seinem Heimatort Feuerbach mit wenig Aufwand viel erreicht werden. „Das Licht sollte so gelenkt werden, dass kein Licht oberhalb der Horizontalen abgestrahlt wird“, sagt Engel. „Das kann man durch voll abgeschirmte Leuchten erreichen, wie zum Beispiel am Park an der Kremser Straße.“ Wichtig sei zudem, eine warmweiße Lichtfarbe von maximal 3000 Kelvin mit geringen Blauanteilen zu verwenden. „Das hat eine geringe Anlockwirkung auf Insekten und ist für die Gesundheit besser.“ Auch sollte nur so stark wie nötig beleuchtet werden und es sollten intelligente Schaltkonzepte zum Einsatz kommen, die das Licht dimmen.

So einleuchtend diese Argumente und Ideen auch klingen – auf seine lichttechnischen Vorschläge haben die hiesigen Behörden bisher kaum reagiert. Dabei müssten die Vorteile vor allem für Schwaben auf der Hand liegen: „Wir könnten Geld und Energie sparen, die Natur schützen und unsere Lebensqualität erhöhen.“




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