Straßenmusikfestival in Ludwigsburg Das Blühende Barock bebt zur Musik

Von Julian Illi 

Seit Freitag gehört das Blühende Barock wieder den Straßenmusikern: Rund 40 Bands und Solo-Künstler aus der ganzen Welt jammen zwischen Schloss und Märchengarten und begeistern damit das Publikum. Das kühle Wetter stört da nur wenig.

Die Sieger des Publikumspreises: Cobario aus Wien Foto:   12 Bilder
Die Sieger des Publikumspreises: Cobario aus Wien Foto:  

Ludwigsburg - Der eine oder andere dürfte am Wochenende mit getrübter Stimmung ins Blühende Barock nach Ludwigsburg gekommen sein – schließlich war es gerade für Fußball-Fans in der Region ein schwer verdaulicher Samstag. Doch das, was seit Freitag im Blüba geboten war, sorgte auch beim trübsinnigsten VfB-Anhänger zumindest für eine kurze Ablenkung: das Straßenmusikfestival.

Schon kurz nach dem Eintritt ins Blühende Barock mischen sich Musikrichtungen aller Art, hört man Coverversionen von Red-Hot-Chili-Pepper-Songs und ungarische Fiddel-Musik, dröhnt Rock-Sound aus den Boxen und schweben Violinen-Klänge über die perfekt gestutzten Hecken und liebevoll gepflegten Beete des Parks.

Das Fest hat sich mittlerweile vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten entwickelt – und das liegt vor allem an seiner einzigartigen Atmosphäre. Wenn die Sonne hinter dem Residenzschloss untergeht und im ganzen Park die Kerzen leuchten, geht es auf den zwölf Bühnen, die im ganzen Blüba verteilt sind, richtig los. Der Mix könnte bunter kaum sein: von Folk bis Klassik, von der Klarinette bis zum Didgeridoo. 40 Künstler aus der ganzen Welt treten auf, eine halbe Stunde dauern die Gigs – danach ziehen die Musiker zur nächsten Bühne.

Zwischen den Auftritten wird gejammt

Auch zwischen den „offiziellen“ Auftritten wird im ganzen Park gejammt – und es bilden sich Menschentrauben dort, wo die Instrumente ausgepackt werden. Rund 350 Bewerbungen haben die Organisatoren erhalten, aus denen 40 Starter ausgewählt wurden. Darunter sind Künstler, die schon oft dabei waren, und absolute Newcomer.

Wer beim Publikum besonders gut ankommt, gewinnt den Wettbewerb und ein Preisgeld. In diesem Jahr sind das Cobario aus Wien. Gesungen wird bei der Band, die sich in Barcelona gegründet hat und mittlerweile in Wien zu Hause ist, nicht. Die drei Herren überzeugen ihr Publikum mit Instrumental-Musik auf zwei Gitarren und einer Geige. 2014 haben Cobario schon einmal das Preisgeld abgeholt, im vergangenen Jahr waren sie nicht dabei. Auf Platz zwei landen mit Rikas aus Korntal-Münchingen echte Lokalmatadoren, Platz drei belegt Frederik Konradsen.

Am Samstagabend stehen besonders viele Zuschauer auf der Wiese mitten im Ostgarten. Der Grund: Jammin’ Johnny & the Diskofuckers aus Buxtehude. Der Name ist dabei gewissermaßen Programm: Mit Trompete, Cajón, Gitarre und Saxofon arbeiten sie sich durch Party-Hits („Born to Be Wild“), starten eine Polonaise, die quer durchs Publikum führt und bringen alle Füße in Bewegung. Auch eine Fünf-Minuten-Adaption des Disney-Klassikers „König der Löwen“ ist zu sehen und zu hören: der „König der Möwen“. Locker, witzig und ein bisschen abgedreht. Zwei Zugaben dürfen Jammin’ Johnny spielen.

Publikumsmagnet: „Jammin’ Johnny“ aus Buxtehude

Während die Herren aus Buxtehude im Ostgarten einheizen, steht 100 Meter weiter Teresa Bangsgaard allein mit ihrer Akustikgitarre auf der Bühne. Die junge Frau kommt aus Dänemark, lebt in Madrid und singt englische Folk-Lieder mit einfühlsamer Stimme. Sie hätte gerne mehr Lieder im Repertoire, die „nach vorne gehen“, sagt sie. Aber gerade die ruhigen Balladen kommen beim Publikum besonders gut an. Nach dem Konzert werfen viele ihre Stimmkarten in eine kleine Box.

Der besonderen Stimmung während des dreitägigen Festivals tut auch das kühle Pfingstwetter kaum einen Abbruch: Solange der Regen ausbleibt, sei alles okay, sagt einer der Gastronomen im Blüba. Rund 40 000 Zuschauer sorgten in den Jahren 2014 und 2015 für Besucherrekorde, ganz so viele waren es in diesem Jahr nicht: Etwa 25 000 Gäste haben die Organisatoren bei der 13. Auflage des Festes gezählt.

Dabei war das Wetter nur eine Frage der Vorbereitung: Dicke Jacken, Mützen und Schals wärmten viele Zuschauer auch in den Abendstunden. Und wer schon öfter das Straßenmusikfestival besucht hatte, war ohnehin bestens präpariert: Für das Picknick auf dem Rasen wurde einfach eine Extra-Decke eingepackt.