Der lange Winter hat auf zahlreichen Straßen Schäden hinterlassen – mit entsprechenden finanziellen Folgen. Der Autoclub ACE macht den Behörden Beine.
Ludwigsburg - Die Zeiten werden schlechter. Die Straßen auch. Diese weit verbreiteten Vorurteile finden zumindest bei Straßenbaubehörden teilweise Bestätigung. Nun, da der Frühling sich offenbar endlich Bahn gebrochen hat, nachdem bis in den April hinein winterliche Temperaturen gemessen wurden, rollen vielerorts wieder die Straßensanierer an. Dabei gilt die Faustregel: je länger und kälter der Winter, desto größer sind die Löcher in den Straßen – und den öffentlichen Kassen.
Zum Beispiel im Kreis Ludwigsburg. Das Landratsamt ist für 670 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zuständig. „Der vergangene Winter war besonders lang und hatte viele Tau- und Frostwechsel“, erklärt der Pressesprecher des Kreises Andreas Fritz. Die Folge seien deutlich mehr und größere Straßenschäden. Allein für diesen Winter müsse der Kreis rund 500 000 Euro für Straßensanierung ausgeben. Nur für die Reparatur von Schlaglöchern fielen rund 150 000 Euro an – deutlich mehr, als noch im Jahr zuvor.
Politik blockt die Sanierung
Zustände wie nach dem Rekordwinter 2010 seien nicht zu beklagen. Damals seien die Ausgaben doppelt so hoch gewesen wie in diesem Jahr. Genervte Autofahrer können sich derweil getrost an Harald Kraus wenden. Der 64-jährige Kaufmann betreut in seinem Ruhestand ehrenamtlich den Schlaglochmeldedienst des Auto Clubs Europa (ACE). Kraus hat sich seitdem viel Wissen über Straßensanierung angeeignet und betrachtet die Entwicklung der Fahrwege mit Sorge. Die Kreisstraße zwischen Remseck-Hochdorf und Affalterbach ist hierfür nur ein Beispiel. „Diese Straße muss dringend saniert werden“, sagt Kraus. Die schmale, kurvige Strecke mit dem am Rand ausfransenden Belag sei vor allem bei Begegnungsverkehr gefährlich. Aus politischen Gründen sind ihm und dem Landratsamt aber die Hände gebunden: so lange die Kommunen nicht mitziehen, wird nicht saniert. „Da kann man nichts machen“, sagt Harald Kraus ernüchtert.
Bei vielen anderen Baustellen laufe die Sache jedoch weit besser. Rund 70 Prozent der gemeldeten Schäden würden binnen drei bis vier Wochen behoben. Vorbildlich sei diesbezüglich die Stadtverwaltung in Stuttgart. Dort daure es in der Regel nur zwei Tage, bis die Schlaglöcher geflickt seien – „das ist ziemlich flott“, sagt Harald Kraus. „Der letzte Winter hat den Straßen stark zugesetzt“, teilt Jürgen Mutz vom Tiefbauamt der Landeshauptstadt mit. Betroffen seien insbesondere die Straßen, die schon zuvor beschädigt waren. Sein Amt rechne in diesem Frühjahr mit rund 25 Prozent höheren Sanierungskosten.
Nur Flicken hilft wenig
Gut das Dreifache der Kosten vom Vorjahr gibt der Rems-Murr-Kreis für Schlaglochsanierungen aus. Mittelfristig müsse mehr Geld her, um die Fahrbahnen halbwegs in Schuss zu halten. Damit die Altlasten nicht allzu groß werden, hat der Landkreis Böblingen ein Sonderprogramm aufgelegt. Über mindestens sechs Jahre hinweg sollen laut einem Sprecher 42 Millionen Euro in den Straßenerhalt gesteckt werden. Auf kommunaler Ebene sieht es ähnlich aus. Ludwigsburg rechnet mit mehr als 300 000 Euro für Sanierungen, statt der üblichen 200 000 Euro. Auch Bietigheim-Bissingen rechnet mit einem erhöhten, dreistelligen Betrag.
Harald Kraus vom ACE geht derweil davon aus, dass noch viel zu wenig Geld in den Straßenerhalt fließe. „Die Löcher werden geflickt. Aber meistens nur provisorisch.“ Oft würden die Lücken nicht großflächig ausgefräst und neu asphaltiert. Nach kurzer Zeit brächen die Schäden wieder auf.
Die Schlagloch-Meldestelle des ACE findet sich unter https://www.ace-online.de/schlaglochmelder.html