Straßenverkehr Fußgänger sind im Straßenverkehr besonders gefährdet

Von dpa/ 

Kurz auf das Handy geschaut, das herannahende Auto übersehen - und schon ist es passiert. Meist sind allerdings nicht die Fußgänger Schuld, wenn sie über den Haufen gefahren werden. Eine aktuelle Studie liefert Erkenntnisse.

Fußgänger gehen über eine Straße. Der Versicherungskonzern Allianz fordert konkrete Maßnahmen für mehr Schutz von Fußgängern. Foto: Sven Hoppe/dpa 11 Bilder
Fußgänger gehen über eine Straße. Der Versicherungskonzern Allianz fordert konkrete Maßnahmen für mehr Schutz von Fußgängern. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ismaning - Fußgänger haben keine Knautschzone – und sind auch dadurch im Straßenverkehr besonders gefährdet. Welchen Risiken sie als Verkehrsteilnehmer ausgesetzt sind, hat der Versicherungskonzern Allianz in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie untersucht.

Enthalten sind auch Vorschläge, wie sich die Opferzahlen reduzieren ließen. Die Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik ist in Zusammenarbeit mit dem Institut Mensch-Verkehr-Umwelt in München und dem Makam Research in Wien entstanden.

Hier kommen Sie zu der Allianz-Studie „Sicher zu Fuß – Mobilität und Sicherheit von Fußgängern“.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

Risiko

Generell ist der Straßenverkehr sicherer geworden. Das Zufußgehen ist jedoch statistisch betrachtet - noch vor dem Fahrradfahren, dem motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr – die gefährlichste Fortbewegungsart. So lag der Anteil der Fußgänger an den Verkehrstoten 2018 bei etwa 14 Prozent: 457 Fußgänger starben.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bedeutete dies zwar einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Langfristig betrachtet – seit der Jahrtausendwende – nahm der Anteil jedoch leicht zu.

Gefahren

Besonders gefährdet sind Fußgänger in der Zeit von Oktober bis Februar, innerorts und in der Dämmerung oder bei Dunkelheit. Bei Unfällen in der Nacht gibt es besonders viele Todesopfer.

Opfer

Schon jetzt trifft es überproportional häufig Senioren. „Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger in Deutschland ist älter als 64 Jahre“, berichtet Jochen Haug, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG. „Und der Anteil stieg vergangenes Jahr nochmals stark an, von 51 auf 56 Prozent.“

Der „typische“ Fußgängerunfall

Bei 87 Prozent aller tödlichen Fußgängerunfälle sind Autos und Laster involviert, deren Fahrer zumeist auch die Hauptunfallverursacher sind. „Fußgänger sind eher die ‚Opfer‘ als die ‚Täter‘“, betont Christoph Lauterwasser vom Allianz Zentrum für Technik.

Am häufigsten kommt es zu Kollisionen, wenn Fußgänger Straßen überqueren. Ein Fünftel sind Abbiegeunfälle. Noch größer ist jedoch – laut Studie überraschenderweise – der Anteil der Unfälle mit rückwärtsfahrenden Fahrzeugen.

Was Fußgänger falsch machen

Der häufigste Fußgängerfehler ist es, beim Überqueren von Straßen nicht aufzupassen. Die Statistiken legen zudem nahe, dass jeder zehnte getötete Fußgänger betrunken war. „Alkohol, Medikamente, Drogen, Müdigkeit, Ablenkung, haben als Unfallursache ein hohes Dunkelfeld“, heißt es bei der Allianz.

Ablenkung durch Smartphones

Das Smartphone ist auch aus den Händen vieler Fußgänger nicht mehr wegzudenken. 45 Prozent nutzten ihre Geräte auch beim Überqueren von Straßen, heißt es. Die Daten zeigen, dass zwischen einer Ablenkung durch Tippen, Musik hören und Fotos machen sowie Unfällen signifikante Zusammenhänge bestehen.

Neu hinzukommende Gefahren

Die Allianz erwartet durch die neuen E-Scooter einen Anstieg der Unfallzahlen – sowohl durch Zusammenstöße als auch durch Unfälle ohne Beteiligung anderer Fahrzeuge. Besonders kritisch sieht Haug das niedrige Einstiegsalter ab zwölf Jahren und eine mögliche Freigabe der Gehwege für langsame E-Roller.

Kosten

Fußgängerunfälle verursachen laut Allianz jährlich mehr als zwei Milliarden Euro Kosten.

Wo Technik die Situation verbessern könnte

Das Hauptproblem sind die hohen Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Fußgängern und Fahrzeugen. „Wichtig ist es, Tempo 30 gezielt einzusetzen“, sagt Christoph Lauterwasser vom Allianz Zentrum für Technik. Bewährt hätten sich etwa Geschwindigkeitsanzeigen an Straßen. Zudem sollten Autos und Laster mit Notbremssystemen auch beim Rückwärtsfahren ausgestattet werden, fordert Lauterwasser.

Was die Politik verbessern kann

Fußgänger brauchen aus Sicht der Allianz ein zusammenhängendes Netz aus Bürgersteigen, auf denen nur im Ausnahmefall auch Fahrräder oder Roller fahren dürfen. Außerdem wären ein nationaler Fußverkehrsplan, eigene Unfall-Jahresberichte sowie die Erneuerung der Europäischen Charta der Fußgänger aus dem Jahr 1988 weitere wichtige Ansätze, schreiben die Studienmacher.