Konstantin Rausch, Moritz Leitner, Gotoku Sakai – Der VfB Stuttgart hat in den vergangenen Jahren auf dem Transfermarkt vieles ausprobiert. Ohne überragende Erfolge. Jetzt soll ein strategischer Schwerpunkt gesetzt werden.

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Ideen hat Fredi Bobic ja immer mal wieder. Zum Beispiel die mit Konstantin Rausch (23), den der Manager des VfB Stuttgart vor dieser Saison aus Hannover geholt hat. Insofern schließt sich der Kreis, da die Mannschaft aus Niedersachsen am Samstag in der Mercedes-Benz-Arena antreten wird. Zuvor beantwortet Rausch in einer VfB-Presserunde ein paar Fragen. Er sagt das. was man in dieser Situation eben so sagt. Etwa, „dass es nicht viel zu sagen gibt“. Oder „dass man sich freut, wenn man die alten Kollegen wieder trifft“. Oder auch, „dass das Einzige, was für uns zählt, die drei Punkte sind“. Ende der Durchsage.

Der Verteidiger war nicht der einzige Spieler, der im Sommer aus Hannover gekommen ist. Begleitet haben ihn Mohammed Abdellaoue (28) und Karim Haggui (29). Sie sitzen nicht in der VfB-Presserunde und beantworten keine Fragen. Schließlich haben sie genügend Probleme mit sich selbst, da sie sportlich bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Zusammengefasst könnte man das dann als die Hannover-Idee von Fredi Bobic bezeichnen.

Der VfB hat vieles versucht

Es hat in den vergangenen Jahren aber auch weitere Ideen von ihm gegeben. Etwa die Nachwuchs-Idee, als der VfB mal schnell Talente wie Christoph Hemlein, Pascal Breier und Alexander Riemann mit Profiverträgen ausgestattet hat. Oder die Japan-Idee mit Shinji Okazaki und Gotoku Sakai. Oder die Bruno-Labbadia-Gedächtnisidee, als Tunay Torun und Sercan Sararer verpflichtet wurden, die dem alten Trainer von seinen früheren Stationen her bekannt waren. Oder die Routine-Idee mit Mauro Camoranesi und Tamasz Hajnal. Oder die Jugend-von-außen-Idee mit Marco Rojas. Oder die Leihspieler-Idee mit Moritz Leitner, Federico Macheda und Felipe. Das Fazit: der VfB hat auf dem Transfermarkt von allem ein bisschen was probiert – je nachdem, was sich gerade angeboten hat.

Diese Politik war auch der Tatsache geschuldet, dass seit dem Amtsantritt von Bobic 2010 vergleichsweise wenig Geld für Neuzugänge zur Verfügung stand und steht. Der Manager musste den Personaletat zurückfahren und den Mangel verwalten. Dennoch hat der Club inzwischen erkannt, dass diese Mischmaschstrategie nicht aufgegangen ist. Dass der Ansatz falsch ist, zeigt sich ja auch schon daran, dass der VfB in der Bundesligatabelle nach 14 Spieltagen hinter Mannschaften wie Augsburg, Mainz und Hertha BSC liegt – die mit einem deutlich knapperen Budget als jenem in Stuttgart auskommen müssen.

Mittelmaß ist nicht genug

So droht der VfB in dem Pulk der mittelmäßigen Teams zu versinken, die sich um die Plätze sieben bis 14 streiten. Das ist jedoch nicht der Anspruch, den der Verein an sich selbst stellt – und daraus folgte die intern zuletzt ausführlich diskutierte Frage: welche der vielen Bobic-Ideen ist die beste? Die Antwort soll auf der Klausurtagung verabschiedet werden, die vom 14. Dezember an stattfindet. Neben der intensiveren Förderung der eigenen Talente zeichnet sich dabei jetzt offensichtlich ein zweiter Schwerpunkt ab – die Leihspieler-Idee.

Diese Idee hat Konjunktur, weil es sich der VfB nicht leisten kann, die in seinem Kader benötigte Qualität zu kaufen. 20 oder 30 Millionen Euro stehen nicht zur Verfügung – und ins Risiko gehen und sich verschulden will der Club nicht. Doch selbst wenn er es wollte, wäre es schwer, einen wirklich guten Spieler fest an sich zu binden. Denn dazu ist der VfB ohne Aussicht auf eine Teilnahme an der Champions League momentan nicht attraktiv genug.

Der Verein setzt auf Spieler aus dem Ausland

Anders verhält es sich dagegen bei Profis, die zwar bereits Klasse haben, aber bei ihrem aktuellen Verein noch nicht richtig zum Zug kommen. Sie haben ein Interesse daran, Spielpraxis zu sammeln – die Chance für den VfB, der dabei jedoch in höheren Kategorien als bei Macheda und Felipe denkt. Das Vorbild ist ein Spieler, der seine Karriere einst über exakt diese Schiene in Stuttgart gestartet hat: Philipp Lahm.

Weil solche Kaliber in Deutschland aber selten sind, liegt das Augenmerk des VfB auf dem Ausland – und da hauptsächlich auf den Topvereinen in England, Spanien und Italien. Dabei soll das allerdings kein Dauermodell sein, sondern zur Überbrückung dienen, um so den Anschluss an die Spitze zu schaffen und finanziell handlungsfähiger zu sein. Das ist die Zukunft.

Vorläufig muss sich der VfB jedoch mit dem begnügen, was er hat. Das ist die Gegenwart. Rausch sagt: „Wir sind voll auf das Spiel gegen Hannover fokussiert.“ Aktuell ist das nicht die schlechteste Idee.