Strategie-Wende in Plüderhausen Ende einer Ära: Arbeitsbekleidungs-Hersteller Kübler schließt Outlet
Ein Traditionsunternehmen aus dem Remstal schließt sein Outlet. Dahinter steckt eine grundlegende Neuausrichtung – mit Folgen für Schnäppchenjäger.
Ein Traditionsunternehmen aus dem Remstal schließt sein Outlet. Dahinter steckt eine grundlegende Neuausrichtung – mit Folgen für Schnäppchenjäger.
Der Blaumann zum Schnäppchenpreis hat bald ausgedient. Der Arbeitskleidungshersteller Kübler aus Plüderhausen schließt sein Outlet am Firmensitz. Bis zum 30. Juni 2026 soll der Laden dichtmachen. Noch laufen dort Abverkaufsaktionen – eine letzte Gelegenheit für Heimwerker, sich günstig mit Arbeitshosen, Jacken und Warnkleidung einzudecken.
Mit der Ankündigung des Abverkaufs machte im Ort schnell ein anderes Gerücht die Runde: Steht der Standort Plüderhausen womöglich zur Disposition? Das Unternehmen weist das entschieden zurück. Die Schließung habe nichts mit einem möglichen Rückzug zu tun, sondern mit einer strategischen Neuordnung der Vertriebswege, wie Kübler mitteilt.
Wer also schon immer einmal einen Blaumann zum Sonderpreis mitnehmen wollte, hat jetzt vielleicht die letzte Chance. Der Abverkauf läuft mit Rabattaktionen, bevor die Türen endgültig schließen. Hintergrund ist eine Neuausrichtung – oder auch Rückbesinnung – im Vertrieb: Künftig sollen vor allem der technische Fachhandel und die Vermietung von Berufsbekleidung im Mittelpunkt stehen.
Der Fachhandel sei seit jeher der wichtigste Absatzkanal gewesen, betont das Unternehmen. Die enge Partnerschaft mit diesen Händlern sei eine zentrale Säule des Erfolgs, erklärt der CEO Richard Scheiner laut einer aktuellen Unternehmensmitteilung.
Das Ende des Outlets ist kein isolierter Schritt, sondern ein weiterer Baustein einer umfassenden Neuausrichtung. Schon im vergangenen Jahr hatte das Familienunternehmen seine Organisation und Strategie umgebaut. Ziel sei es, sich stärker auf die Entwicklung und den Vertrieb hochwertiger Arbeits- und Schutzkleidung zu konzentrieren, hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
Dazu gehört auch der Rückzug aus einem Geschäftsfeld, das lange als Wachstumsmotor galt: dem Verkauf über Baumärkte. Während Fachhandel und Mietberufsbekleidung künftig die wichtigsten Absatzkanäle bleiben sollen, verabschiedete sich Kübler bewusst aus dem Do-it-yourself-Segment.
Der Strategiewechsel ging auch mit Veränderungen an der Spitze einher. Anfang 2025 wurde der bisherige Finanzchef Richard Scheiner zum CEO berufen. Gleichzeitig ordnete Kübler seine Organisation neu. Drei Bereiche – interne Prozesse, Produkt- und Markenentwicklung sowie Vertrieb – sollen enger zusammenarbeiten und das Unternehmen effizienter machen.
Wirtschaftlich steht der Hersteller laut eigenen Angaben stabil da. Zuletzt lag der Umsatz bei rund 50 Millionen Euro, etwa 27 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, wie das Unternehmen mitteilt.
Dass Kübler heute zu den bekannten Marken der Branche gehört, ist das Ergebnis einer langen Firmengeschichte. Das Unternehmen geht auf ein Bekleidungswerk zurück, das in der Nachkriegszeit gegründet wurde und sich früh auf Berufs- und Schutzkleidung spezialisierte.
Über Jahrzehnte entwickelte sich der Betrieb aus dem Remstal zu einem international tätigen Hersteller für Arbeitskleidung – von klassischen Blaumännern über Warnschutz bis hin zu wetterfester Berufsbekleidung. In diesem Jahr feiert das Familienunternehmen sein 70-jähriges Bestehen. Arbeits- und Schutzkleidung aus Plüderhausen steht laut Unternehmensangaben bei Anwendern in Industrie, Handwerk und Dienstleistungsbetrieben für Qualität, Funktionalität und hohen Tragekomfort.
Alle Produktlinien werden am Stammsitz in Plüderhausen entwickelt. Dort arbeiten interdisziplinäre Teams ebenso wie Näherinnen in einer eigenen Musternäherei, die Prototypen und Sonderanfertigungen herstellen. Größere Serien werden über langjährige Partnerbetriebe im Ausland gefertigt.
Gerade deshalb betont die Geschäftsführung die Bedeutung des Standorts. Entwicklung, Unternehmenssteuerung und Teile der Fertigung seien weiterhin im Remstal gebündelt. Das „Herz des Familienunternehmens“ schlage weiterhin in Plüderhausen, teilt Kübler mit.
Die Schließung des Outlets bedeutet also nicht den Abschied vom Standort, sondern eher eine Rückbesinnung. Kübler setzt künftig stärker auf seine Kernkompetenzen: hochwertige Arbeitskleidung, Innovation – und die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel. Für Schnäppchenjäger allerdings endet damit eine kleine Institution. Der Abverkauf läuft – und damit wohl die letzte Gelegenheit, in Plüderhausen noch einmal einen Blaumann zum Sonderpreis zu ergattern.