Streaming-Tipp: „Bodyguard“ mit Richard Madden Eine Ministerin braucht Schutz

David Budd (Richard Madden) soll die Innenministerin (Keeley Hawes) vor ihren vielen Feinden schützen. Foto: Verleih 12 Bilder
David Budd (Richard Madden) soll die Innenministerin (Keeley Hawes) vor ihren vielen Feinden schützen. Foto: Verleih

Richard Madden aus „Game of Thrones“ kann in seiner neuen Rolle voll überzeugen. In „Bodyguard“ bei Netflix spielt er den Personenschützer, der eine verhasste britische Innenministerin vor ihren vielen Feinden bewahren soll.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Einmal blinzeln, bitte: Befinden wir uns da wirklich im 21. Jahrhundert? Doch, kein Zweifel, dies ist kein imaginäres Mittelalterreich in einer Kämpf-oder-stirb-Fantasywelt. Aber wie da in der sechsteiligen britischen Miniserie eine Innenministerin im London unserer Tage von zu allem entschlossenen Intriganten umschlichen wird, wie sich Gerüchte durch edle Büros und zugige Parkhausecken winden, diese Frau wolle nach der Macht als Premierministerin greifen, wie da islamistischer Terror als allgegenwärtige Bedrohung gefürchtet wird, als sei er eine nicht zu bannende dunkle Magie – das erinnert ein wenig an eine Internet-Ära-Variante von „Game of Thrones“.

Die Assoziation fällt auch deshalb leicht, weil der titelgebende Personenschützer, der Afghanistanveteran David Budd, von Richard Madden gespielt wird. Und der wurde in „Game of Thrones“ als Robb Stark weltberühmt. Was nicht heißen soll, dass Madden hier bloß Pelzumhang und Schwert gegen Anzug und Pistole tauscht. Wie er seinen Budd unter ständiger Anspannung, hochkonzentriert, stechend misstrauisch die Ministerin Julia Montague (Keeley Hawes) begleiten lässt, in einer Mischung aus Professionalismus und Trauma, das wahrt ordentlich Abstand zu Robb Stark.

Erotische Spannung

Manchmal bekommt dieser David Budd etwas Maschinelles, als sei er eine jüngere, smartere Variante von Arnold Schwarzeneggers Terminator, dann wieder zeigt er Risse und Sprünge, als sei er eine Tonsoldatenfigur, die ein Erdbeben unter ihrem Museum nicht besonders gut überstanden hat.

Es geht der von Jed Mercurio („Invasion: Earth“, „Critical“, „Line of Duty“) geschriebenen Serie nie wirklich um die politischen Hintergründe. Der tiefe Pessimismus gegenüber den Zuständen im Inneren demokratisch legitimierter Macht ist allenfalls Würze für ein Spiel um Spannung und Überraschungen. Es gibt nichts, was nicht sofort als Genrebaustein kenntlich wäre, einschließlich der menschlichen und erotischen Spannung zwischen der Beschützten und ihrem Beschützer.

Der nächste Kick

Aber „Bodyguard“, in Deutschland beim Streamingdienst Netflix zu sehen, ist nicht umsonst die beliebteste BBC-One-Produktion des Jahres geworden. Hier wird nicht bloß routiniert aneinandergereiht, was andere schon oft so ähnlich gemacht haben. Hier wird probiert, wie viel Spannung sich mit sorgfältiger Inszenierung dem Vertrauten noch entlocken lässt.

Das sorgt für Passagen, die viele Kinothriller halbgar aussehen lassen, wie die rund zwanzigminütige Eingangssequenz, in der Budds Misstrauen von einem Zugpassagier geweckt wird. Der Preis dafür? Die bloß soliden Passagen wecken eine gewisse Ungeduld beim Zuschauer nach dem nächsten Kick. Aber der wird dann ja auch zuverlässig geliefert.

Info: Alle sechs Folgen der ersten Staffel (je eine Stunde) sind bei Netflix abrufbar.




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