Dienstagnachmittag, kurz nach 17 Uhr: Mitarbeiter der Firma Bosch, deren Büros praktischerweise vis-à-vis des Leinfelder Bahnhofs liegen, huschen zu den Gleisen. Eine Stadtbahn der Linie U 5 steht schon bereit und wird in einer Minute in Richtung Stuttgart abfahren. Noch läuft alles nach Plan. In wenigen Tagen schon wird das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz nach Leinfelden-Echterdingen allerdings umständlicher. Auch wer in der Stadt lebt und viel mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, muss sich auf Änderungen einstellen. Denn die Linie U 5 legt von Montag, 8. Juli, an bis Sonntag, 8. September, eine Pause ein.
Der Grund der Sperrung: Die Neubaustrecke, die künftig vom Leinfelder Bahnhof zur neuen Haltestelle am Neuen Markt führt, wird an das bestehende Netz angeschlossen. Die neue Haltestelle wird im Gebiet Schelmenäcker beim Jugendhaus und dem Kinderhaus in einer kleinen Senke liegen. Zeitgleich werden Arbeiter die 35 Jahre alten Gleise zwischen den Haltepunkten Leinfelden Frank und Unteraichen erneuern. Die Linie U 5 pendelt in dieser Zeit nur zwischen dem Killesberg und dem Möhringer Bahnhof. Um die Auswirkungen für die Nutzer gering zu halten, richten die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) einen Schienenersatzverkehr ein. Gelenkbusse werden zwischen dem Möhringer Bahnhof und dem Leinfelder Bahnhof fahren. Mit der Linie U 6 sind die Haltestellen Vaihinger Straße, Rohrer Weg und auch das Möhringer Freibad zu erreichen.
Was die Situation für Nahverkehrsnutzer nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass die Deutsche Bahn vom 15. Juli an bis zum 26. Juli die S-Bahn-Strecke zwischen Stuttgart-Rohr und dem Flughafen sanieren wird. Dabei wird auch der Erschütterungs- und Lärmschutz verbessert werden. Der Abschnitt zwischen Vaihingen und Filderstadt wird gesperrt. In diesen eineinhalb Wochen erreichen die Fahrgäste die Bahnhöfe in Leinfelden und Echterdingen ausschließlich mit Ersatzbussen. Zum Flughafen kommt man weiterhin mit der Stadtbahnlinie U 6.
Als im Mai klar wurde, dass Leinfelden-Echterdingen über mehrere Wochen vom Schienennetz teilweise gänzlich abgeschnitten wird, hatte sich der Oberbürgermeister Otto Ruppaner mit einem Brief an den SSB-Vorstand Thomas Moser gewandt. Er bemängelte in dem Schreiben, dass die Stadtverwaltung „nicht direkt über Start und Dauer der nun anstehenden Sperrung“ der U 5 informiert worden sei. Ruppaner: „Es ist sowohl für die Stadtverwaltung als auch für unsere Bürgerinnen und Bürger schlichtweg nicht mehr hinnehmbar, dass Informationen zu Streckensperrungen, Bauarbeiten und geplanten Ausfällen nicht frühzeitig bekannt gemacht werden.“ Der neue Rathauschef, der seit März im Amt ist, bat darum, die Streckensperrung der U 5 auf ein Mindestmaß zu reduzieren und diese möglichst bürgerschaftsfreundlich auszugestalten.
SSB-Vorstand widerspricht Stadtverwaltung
Mittlerweile hat der SSB-Vorstand dem Oberbürgermeister auch eine Antwort geschickt, der Brief liegt unserer Redaktion vor. Darin stellt Moser dar, dass dem Unternehmen bewusst sei, dass eine achtwöchige Sperrung der Linie eine Herausforderung für die Fahrgäste und für Leinfelden-Echterdingen darstelle. Thomas Moser widerspricht dem Vorwurf, nicht mit der Stadtverwaltung gesprochen zu haben. Er weist darauf hin, dass es mehrere Gespräche zwischen der Stadt und der SSB gegeben habe. Birgit Kiefer, eine Sprecherin des Unternehmens, teilt dazu auf Nachfrage mit: „Die Planung dieser Sperrung erfolgte bereits vor mehreren Jahren und war kommuniziert.“ Das Vorhaben sei wie üblich mit den Ämtern abgestimmt gewesen. Art und Dauer der Sperrung seien mehrfach auf Arbeitsebene ein Thema gewesen. Denn den Stuttgarter Straßenbahnen liege sehr an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen.
Thomas Moser hat in seinem Schreiben gegenüber Otto Ruppaner auch betont, dass die SSB keinen Einfluss auf den Betrieb oder die Kommunikation der Bahn hätten. „Die Deutsche Bahn koordiniert ihre Baustellen in Eigenregie und stimmt diese nicht mit den SSB ab“, so die SSB-Sprecherin.
Dies hat nun wiederum die CDU-Fraktion in Leinfelden-Echterdingen verärgert. Es könne nicht die Sache der Kommune sein, Baustellen der unterschiedlichen Schienenverkehrsträger zu koordinieren, macht die Fraktionschefin Ilona Koch gegenüber unserer Zeitung deutlich. Im Zeitalter einer vernetzten Mobilität müsse eine Abstimmung der verschiedenen Verkehrsträger eine Selbstverständlichkeit sein und ein unabdingbarer Selbstanspruch, betont sie. Es brauche gemeinsame Lösungen mit allen Beteiligten. Sonst werde es weiterhin nichts mit der Verkehrswende.
Otto Ruppaner teilt abschließend mit: „Wir werden uns im Weiteren mit der SSB bilateral auf der Arbeitsebene verständigen.“ Generell bleibe der Wunsch einer besseren Verständigung zwischen den Verkehrsträgern in solchen Angelegenheiten.
Alternative Routen
Ersatzstrecken
Die Stadtbahnen der Linien U3, U6, U8 und U12 sind von der Sperrung nicht betroffen und bedienen alle Haltestellen wie gewohnt, teilt die Stuttgarter Straßenbahnen AG auf ihrer Internetseite mit. Zwischen dem Möhringer Bahnhof und dem Rohrer Weg sowie dem Möhringen Freibad können die Stadtbahnen der Linie U6 genutzt werden.
Ersatzfahrpläne
Zwischen Leinfelden und Vaihingen fahren prinzipiell auch die S-Bahnen der Linie S 2 – allerdings nicht im Zeitraum zwischen dem 15. Juli und dem 26. Juli. Denn wird damit begonnen zwischen Stuttgart-Rohr und Filderstadt die S-Bahn-Gleise zu erneuern. Die Arbeiten werden zwischen dem 9. und 27. September fortgesetzt. Auch die DB bietet einen Schienenersatzverkehr an. Sobald die Fahrpläne feststehen, werden sie im Netz unter www.s-bahn-stuttgart.de/baustellen nachzulesen sein, schreibt die Bahn auf ihrer Homepage.