Regenwetter und eine teils weite Anreise haben eine Gruppe von Eisenbahn-Fans nicht von einer strammen Wanderung auf der künftigen Hesse-Bahn abgeschreckt. 17 Teilnehmer, die sogar aus Mannheim und München angereist waren, konnten jetzt auf Einladung des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschlands (VCD) auf dem Streckenabschnitt zwischen Ostelsheim und Althengstett den Stand der Arbeiten inspizieren. Unter der Führung eines Mitarbeiters des Zweckverbandes Hermann-Hesse-Bahn gewannen sie etwa einen Eindruck davon, wie viele Vorschriften auch auf einer Strecke zu beachten waren, die rechtlich gesehen nie außer Betrieb gesetzt wurde.
Viele Hürden auf dem Weg
„Wir waren, was Streckenreaktivierungen angeht, bundesweit ein Vorreiter“, sagte als weiterer Streckenexperte Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion „Unsere Schwarzwaldbahn“. Er gehörte schon in den neunziger Jahren zu den ersten Impulsgebern für die Wiederbelebung. Dass es am Ende mehr als drei Jahrzehnte dauern würde, habe er sich allerdings so nicht vorstellen können. Ende 2025 soll es nun so weit sein – für Baukosten, die sich auf mittlerweile insgesamt 164 Millionen Euro summieren. „Aber es ist gut zu sehen, dass nun die Gleise liegen“, sagte Knupfer.
Fußmarsch durch den neuen Tunnel
Licht am Ende des Tunnels gibt es jedenfalls bei der einzigen, neu gebauten Röhre entlang der Strecke. Höhepunkt der Tour war der 498 Meter lange Iris-Tunnel durch den Hacksberg, der eine 3,7 Kilometer lange Schleife um den Berg abkürzt und die Fahrzeit der künftigen Akku-Züge trotz seiner vierprozentigen Steigung um vier Minuten schneller macht. Bis auf ein paar nicht abgedeckte Kabelschächte ist hier alles fertig, auch mit genügend Höhenreserve, sollte eines Tages die Hesse-Bahn doch unter Fahrdraht kommen.
Dass der Tunnel exakt diese Länge hat, das hat mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zu tun. Ab 500 Meter Tunnellänge gelten strengere und teurere Vorschriften. So machte man eben den offenen Einschnitt um zwei Meter länger.
Kein Besuch bei den Fledermäusen
Die Fledermäuse, die wegen ihrer Ansiedlung in mehreren älteren Tunneln für schwierige Auseinandersetzungen, einen aufwendigen Tunnelumbau und eine bisher vierjährige Verzögerung des Eröffnungsdatums gesorgt haben, erlaubten allerdings keinen Besuch: Seit Mitte September gilt für sie die Winterruhe.