Streetlife-Festival in Herrenberg Wenn Kinderwagen den Straßenraum erobern

Herrenberg macht’s vor: Wenn einem der Straßenraum gehört, wird plötzlich ein ganz neues Lebensgefühl geweckt. Foto: Eibner/Michael Memmler

Streetlife-Festival, Blaulichtmeile, Feuerwehrfest und offene Geschäfte – die Kombination vielfältiger Angebote entpuppt sich in Herrenberg bei traumhaftem Wetter als Event von großer Anziehungskraft.

Normalerweise dominieren Autos die Szenerie auf Herrenbergs Hauptverkehrsachsen entlang der Altstadt – nicht so aber am letzten Sonntag. Denn zum zweiten Mal nach 2022 hieß es beim Streetlife-Festival für sechs Stunden: „Reclaim the streets“ – die Straße gehört heute uns, den Nicht-Autofahrern!

 

Flaniermeilen für Familien

Dieses Ansinnen, den Straßenraum alternativ zu nutzen, um ihn so als Begegnungsort in anderer Form als üblich erleb- und erfahrbar zu machen, wollten am Sonntag viele selbst einmal in die Tat umsetzen: Insbesondere viele Familien nutzten die Gelegenheit, in lockerer, entspannter Atmosphäre über die Fahrbahn zu flanieren. Kinderwagen waren daher die am meisten gesehenen Gefährte auf dem abgesperrten Teil der Seestraße zwischen Stadthallenstraße und Küferstraße. Kleinigkeiten wie Kreidezeichnungen von Kinderhand auf dem sonst viel befahrenen Asphalt unterstrichen dabei das kurzzeitig veränderte Lebensgefühl.

Spektrum der Nachhaltigkeit

Mit knapp 40 Ständen hatten zahlreiche örtliche Institutionen, Gruppierungen und Vereine ein umfangreiches Info- und Mitmachangebot auf die Beine gestellt, das ganz im Zeichen des Themenspektrums nachhaltige Mobilität, Klima- und Umweltschutz und Energie stand. Darunter waren etliche echte Hingucker. Unter anderem ein Segelflugzeug des Herrenberger Flugsportvereins samt Simulator, bei dem, wer wollte, mal versuchen konnte, ob die Fortbewegung in der Luft mithilfe thermischer Verhältnisse ohne eigenen Motor ein schönes Hobby wäre.

Lastenräder und Seifenkisten

Ausprobieren – und zwar die unterschiedlichsten Lastenräder – war auch an den Ständen lokaler Fahrradhändler möglich. Daneben stand rasanter Spaß, insbesondere für die kleinen Gäste, im Mittelpunkt: Am Fuß der Seifenkisten-Startrampe des Herrenberger CVJMs bildete sich regelmäßig eine Warteschlange. Keine Wartezeit, aber viel Vergnügen für Kinder bot die neugestaltete flache Wasserzone auf dem See-lesplatz, die sich angesichts der heißen Temperaturen quasi in ein alternatives Kinder-Planschbecken verwandelte.

Von Kleidertauschen und Shakemixern

Die Kleidertauschbörse, bei der die „Fridays for Future“-Ortsgruppe ein Zeichen für nachhaltige Kleidung statt „Fast Fashion“ setzte, war ein weiterer Anziehungspunkt: Maximal zehn gut erhaltene, gewaschene Kleidungsstücke bringen und mitnehmen, was gefällt – und natürlich zum dahintersteckenden Grundgedanken passt! Daher hatten die Macher auch an eine Umkleidekabine gedacht. Ebenfalls beliebt: der Fahrradmixer am Stand der Stabstelle für Klimaschutz. „Vor allem bei den Kindern“ komme es gut an, für einen Shake aus Himbeeren oder Bananen plus Soja- oder Hafermilch selbst in die Pedale zu treten, berichtete Verwaltungsmitarbeiter Kevin Possehl.

Positives Fazit

Die Resonanz des Aktionstags habe „alle Erwartungen übertroffen“, zog Lisa Bartholomä von der veranstaltenden Stabstelle ein durchweg positives Fazit. Die außergewöhnlichen Stunden auf der Seestraße in Verbindung mit den weiteren Aktionen spreche ein sehr breites Publikum mit unterschiedlichen Interessen an, findet sie.

Lebensretter gewähren Einblick

Dass sie damit richtig liegt, zeigte auch das rappelvolle Feuerwehrgerätehaus: Während sich drinnen alles um die kulinarische Versorgung der Gäste drehte, konnten Interessierte im Hof davor viele Einblicke in Feuerwehrfahrzeuge und die Arbeit der Wehr erfahren. Wissenswertes über Einsatzfähigkeiten weiterer Rettungs- und Hilfsorganisationen gab es zudem bei der Blaulichtmeile, die sich mit verschiedenen Standorten durch die ganze Altstadt zog. Regen Zulauf hatte dort unter anderem das DRK auf dem Marktplatz, das mit der Aktion „100 Pro Reanimation“ nicht nur demonstrierte, wie mit einer sofortigen Herzdruckmassage Leben gerettet werden kann. An vier Dummies durften Passanten die wichtigen Handgriffe üben.

Viele Ladentüren geöffnet

Viele der Straßenspaziergänger waren auch bummelnd unterwegs. Denn nach jahrelanger Pause hatten sich zahlreiche Geschäfte in der Altstadt für einen verkaufsoffenen Sonntag zusammengetan. Nach einer Klage der Gewerkschaft Verdi wegen der bisherigen Modalitäten, die bis vors Bundesverwaltungsgericht ging, hatten Stadt und Gewerbetreibende, wie im Urteil gefordert, nun einen frischen Anlauf unternommen – mit Erfolg.

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