Streichliste bei Galeria Kaufhof Was passiert mit den Stuttgarter Filialen?

Die Filiale an der Eberhardstraße schließt zum 31. Januar 2024. Das Gebäude soll abgerissen werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechows/i

52 Galeria-Standorte sind von der Schließung betroffen. Die ersten 21 Filialen werden bereits Ende Juni zumachen, weitere 31 sollen Ende Januar 2024 folgen. Darunter befindet sich auch der Standort Eberhardstraße in Stuttgart.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird 52 der noch verbliebenen 129 Warenhäuser schließen. „Insgesamt werden somit weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren“, berichteten die Arbeitnehmervertreter des Unternehmens am Montag. Zum 31. Januar 2024 werden folgende Filialen in Baden-Württemberg schließen: Esslingen, Heidelberg Bismarckplatz, Leonberg, Pforzheim und Reutlingen. Auch die Stuttgarter Filiale an der Eberhardstraße 28 ist betroffen, während der Standort Königstraße 6 erst einmal gesichert scheint.

 

Stadt will mit Eigentümer einen Vergleich schließen

Dass die Filiale an der Eberhardstraße vor dem Aus steht, war kein Geheimnis mehr. Die Stadt und die österreichische Signa-Gruppe des Milliardärs René Benko, die seit 2019 vollständig im Besitz von Galeria Karstadt Kaufhof ist, hatten sich bereits monatelang über das Vorkaufsrecht für das Areal hinter dem Stuttgarter Rathaus gestritten. Mittlerweile hat der Gemeinderat Oberbürgermeister Frank Nopper ermächtigt, einen Vergleich mit dem umstrittenen österreichischen Immobilienmogul abzuschließen (wir berichteten). CDU, FDP, Freie Wähler, AfD und Nopper (CDU) stimmten gemeinsam mit der SPD für den zwischen dem Rathauschef und der Signa ausgehandelten Vergleichsvorschlag. Dieser sieht vor, dass das Areal des Kaufhof-Warenhauses an der Eberhardstraße im Eigentum der Signa verbleibt. Benko plant den Abriss und einen Neubau, in den dann die Landeszentrale der Deutschen Bundesbank einzieht. In den Erdgeschosszonen sollen Einzelhandelsflächen ausgewiesen werden. Im Gegenzug verpflichtet sich die Signa, den eigentlich für Geschossneubauten in Sanierungsgebieten vorgeschriebenen Wohnungsanteil an anderer Stelle in der City auf eigene Kosten zu realisieren. Benko und die Bundesbank als Hauptmieter hatten Wohnungen in dem geplanten Neubau abgelehnt. Auf Druck des Gemeinderats und vor dem Hintergrund eines drohenden langwierigen Rechtsstreits will die Signa nun im Stuttgarter Westen und beim Haus der Wirtschaft ersatzweise bis zu 75 Wohnungen erstellen. Der noch zu verhandelnde Vergleich beinhaltet zudem, dass die Signa das benachbarte Areal des Kaufhof-Parkhauses an der Steinstraße nach den Wünschen der Stadt neu bebaut und im Anschluss zum Vorkaufspreis an die Stadt veräußert. Aktuell heißt es dazu bei der Stadt: „Die Landeshauptstadt befindet sich nach wie vor in Verhandlungen mit der Signa. Ein Vergleich konnte noch nicht abgeschlossen werden. Bevor der Vergleich geschlossen werden kann, muss zuvor eine Entscheidung über die Nutzungen in der Steinstraße 4 getroffen werden.“

Verdi will um jeden Arbeitsplatz kämpfen

Auch für Citymanager Sven Hahn kommt die Schließung der Kaufhof-Filiale an der Eberhardstraße nicht überraschend: „Die Debatte über die Zukunft des Standortes wird ja schon lange öffentlich geführt.“ In erster Linie seien die neuesten Entwicklungen und Nachrichten aber natürlich dramatisch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Filiale, die ihren Job verlieren würden. „Wir haben ja schon lange mit dieser Hiobsbotschaft gerechnet“, betont eine Angestellte, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Aber wenn es dann einmal soweit ist und man das Datum kennt, an dem man wohl seinen Job verlieren wird, ist das schon ein Schlag ins Gesicht. Ich habe Existenzängste und ganz schlecht geschlafen“, sagt die sichtlich mitgenommene Frau Mitte 50.

„Das ist ein schwarzer Tag für die Menschen bei Galeria. Mögliche Schließungen treffen die Beschäftigten hart. Wieder einmal sind sie es, die die Zeche dafür zahlen müssen, dass Manager ihren Job nicht gemacht haben“, sagte Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Bundesvorstand für den Handel zuständig, in einer ersten Stellungnahme zu den bekannt gewordenen Schließungen und Streichungen. Man werde die vorgelegte Schließungsliste genau prüfen und wolle jede Möglichkeit und Chance nutzen, um Filialen zu erhalten. „Klar ist: Wir werden zusammen mit den aktiven Beschäftigten um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, betont Nutzenberger.

Regina Schneider aus Waiblingen kann das Vorgehen der Gewerkschaft nur begrüßen. Seit Jahren kauft sie immer mal wieder in der Filiale an der Eberhardstraße ein. Viel los sei zwar in den vergangenen Monaten nicht gewesen, aber gerade das habe ihr eigentlich ganz gut gefallen. Sie könne zwar nachvollziehen, dass wohl aus wirtschaftlichen Gründen immer wieder Filialen und Geschäfte zumachen müssten, aber für die Angestellten sei das natürlich eine Katastrophe.

Wie es in Bad Cannstatt weitergeht, ist mittlerweile klar

Schon 2020 wurden bundesweit 47 Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof in prominenten Lagen geschlossen – auch die Filiale in Bad Cannstatt. Was auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal am Wilhelmsplatz passieren soll, war lange unklar. Nun hat die LBBW Immobilien-Gruppe das Grundstück von der Eugen Mertz GmbH & Co. KG und einer Cannstatter Erbengemeinschaft erworben. Ein wichtiges Zeichen für den Cannstatter Einzelhandel. Mit der Neubebauung des zentral gelegenen Grundstücks hofft man die Lücke, die der Kaufhof nach seiner Schließung im Oktober 2020 hinterlassen hat, füllen zu können. Geplant ist unter anderem, dass die BW-Bank wieder an diesem Standort eine Filiale eröffnet. Des Weiteren ist eine Wohn- und Büronutzung sowie Einzelhandel samt Nahversorger vorgesehen. Der Baubeginn des Projekts ist voraussichtlich Ende 2024. Mit der Fertigstellung wird zum zweiten Quartal 2027 gerechnet.

Galeria spricht nur von rund 4300 Kündigungen

Während man in Bad Cannstatt den neuesten Entwicklungen nach der Kaufhof-Schließung mittlerweile positiv entgegenblicken kann, ist man andernorts eher noch geschockt. „Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag. Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen und sind in harte interne wie externe Gespräche gegangen“, sagt Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter Galeria. Das Warenhaus-Unternehmen brauche insgesamt eine höhere Flächenproduktivität. Geiwitz: „Die verbleibenden Filialen haben eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive.“ Von den Schließungen seien in den Filialen insgesamt rund 4000 Mitarbeitende betroffen. Auch in der Essener Zentrale sowie den Servicefunktionen wie IT und Facility Management würden 300 Stellen wegfallen. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese solle dabei helfen, sich weiter zu qualifizieren und eine neue Stelle zu finden.

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