Streik bei Wüstenrot 350 Banker gehen für mehr Geld auf die Straße

Von Susanne Mathes 

Zwei Tarifrunden sind im Bankgewerbe mittlerweile vorbei. Die Beschäftigten ärgern sich über die bisherigen Angebote der Chefetagen und erhöhen den Druck bei einer Protestkundgebung.

Die Beschäftigten von Wüstenrot sträuben sich gegen eine Nullrunde. Foto: Mateja
Die Beschäftigten von Wüstenrot sträuben sich gegen eine Nullrunde. Foto: Mateja

Ludwigsburg/Kornwestheim - Rund 350 Mitarbeiter der Wüstenrot Bausparkasse, der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank und der W&W Service GmbH folgten am Montag einem Verdi-Aufruf und legten ihre Arbeit nieder.

Bei einer Kundgebung vor dem Wüstenrot-Turm an der Markungsgrenze zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim schworen der Verdi-Bankensekretär Christian Miska, die Bausparkassen-Betriebsrätin Kirsten Hermann und Petra Sadowski, Betriebsratsvorsitzende bei der Pfandbriefbank, die Beschäftigten auf die Verhandlungsrunde für öffentliche und private Banken in Wiesbaden an diesem Dienstag ein – die mittlerweile dritte. „Dass die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde nichts bieten, ist nicht ungewöhnlich. Dass in der zweiten Runde immer noch kein Angebot kommt, aber schon“, sagte Miska.

Verdi fordert ein Plus von 4,9 Prozent

Verdi fordert für die 230 000 Beschäftigten in den privaten und öffentlichen Banken – davon rund 20 000 in Baden-Württemberg – eine Gehaltserhöhung von 4,9 Prozent, eine entsprechende Erhöhung der Außer-Tarif-Gehälter und die gleiche Bezahlung bei gleicher Tätigkeit. Zudem will die Gewerkschaft erreichen, dass die Ausbildungsvergütung um 80 Euro steigt, Azubis nach der Ausbildung unbefristet in Vollzeit übernommen werden und der Tarifvertrag Altersteilzeit verlängert wird.

„Wir merken, dass die drohende Nullrunde die Leute auf die Straße holt“, berichtete Miska von den Streiks in den vergangenen Tagen – etwa in Stuttgart oder in Karlsruhe. „Die Kollegen haben in den letzten Jahren Stellenabbau und Flexibilisierung ertragen und sollen dafür jetzt auch noch einen Reallohnverlust in Kauf nehmen.“ Es sei bedauerlich, dass man Bank-Beschäftigte in der öffentlichen Wahrnehmung oft über einen Kamm schwere: „Die Banker mit den Millionen-Boni sind nicht diejenigen, die bei uns organisiert sind“, hob Miska hervor. Frank Hawel, Verdi-Landesfachbereichsleiter Finanzdienstleistungen, meinte, als Dank für die zuletzt erbrachten Opfer sollten sie Beschäftigten jetzt von der Gehaltsentwicklung anderer Branchen oder bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken dauerhaft abgekoppelt werden.“ Das sei inakzeptabel. „Die Banken befinden sich in einer herausfordernden Situation, sie sind aber alles andere als notleidend. Sie können sich einen anständigen, fairen Tarifabschluss leisten.“

Verkehrliche Behinderungen bei der Kundgebung

Die Mehrzahl der 350 bei der Kundgebung versammelten Wüstenrot-Mitarbeiter zog im Anschluss, von der Polizei eskortiert, die Hohenzollernstraße entlang zum Streiklokal im Ludwigsburger Ratskeller. Dabei kam es zu Verkehrsbehinderungen.