Betriebe und Mitarbeiter reagieren mit Shuttleservice und Fahrgemeinschaften - denn der Streik gilt nicht als Ausrede vor dem Arbeitgeber.
Stuttgart - Vier Tage ohne Bus und Bahn: das trifft die Landeshauptstadt hart. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, reagieren die Pendler und organisieren sich ihre Fahrten einfach selbst - ob sie wollen oder nicht. Das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) hilft sogar seinen Mitarbeitern.
"Wir haben beim zweiten Streik einen Shuttleservice für unsere Angestellten eingerichtet", sagt RBK-Sprecherin Madeleine Neubert. Das will das Krankenhaus auch in den kommenden Tagen machen. Dann wird morgens ein Bus die Mitarbeiter vom Feuerbacher Bahnhof hoch an das Krankenhaus bringen - und abends in die Gegenrichtung.
Was die Tausenden von Daimler-Mitarbeiter in Stuttgart tun, um in den nächsten Tagen rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen, weiß die Konzernpressestelle nicht. Aber: "Bei den bisherigen Streiktagen hatten wir keine nennenswerten Auswirkungen", sagt Dominique Albrecht. Die Arbeiter und Angestellten haben sich offensichtlich selbst organisiert - auf welche Art auch immer. Das wisse Daimler sehr zu schätzen. So erwartete die Firma für die nächsten Tage keine größeren Beeinträchtigungen durch den Ausfall von Bussen und Bahnen.
Eigenverantwortlich zur Arbeit und zur Schule
Ähnlich sieht das auch die EnBW, die unter anderem 2000 Mitarbeiter am Fasanenhof beschäftigt - und schlecht mit der S-Bahn zu erreichen ist. "Jeder wird sich individuell auf den Ausfall einstellen", sagt der Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth. Wahrscheinlich steht manch ein Angestellter früher auf, um rechtzeitig da zu sein. Groscurth rechnet auch mit mehr Fahrgemeinschaften. Bei der EnBW gibt es zudem eine generelle Mitfahrbörse. "Es wird sich zeigen, ob die Mitarbeiter verstärkt darauf zurückgreifen", meint der Sprecher.
Gleiche Töne hört man auch vom Stuttgarter Büro der Allianz Deutschland. Man hoffe, dass alle rechtzeitig zur Arbeit erscheinen, sagt Eckhard Marten.
Auch an den Schulen herrscht die Erwartung vor, dass sich die Betroffenen selbst zu helfen wissen. Lehrer sind zum größten Teil motorisiert. Schüler allerdings nicht selten auch. "Wir haben ohnehin viele Kinder, die von ihren Eltern gefahren werden", sagt ein Mitglied der Schulleitung an der Freien Waldorfschule am Kräherwald. "Die müssen jetzt eben noch früher los." Er rechnet allerdings mit Verspätungen, die den Unterricht beeinträchtigen werden. Doch in der kommenden Woche beginnen die Herbstferien. "Danach ist der Spuk wohl hoffentlich vorbei."
Kinder können nicht zu Hause bleiben
Dieter Elsässer, Schulleiter des Karls-Gymnasiums, blickt den kommenden Tagen gelassen entgegen. "Das ist ja nicht der erste Tag, an dem Busse und Bahnen nicht fahren." Klassenarbeiten in den ersten Unterrichtsstunden könnten verschoben werden, falls nur wenige Schüler ihren Weg in die Schule an der Tübinger Straße rechtzeitig finden.
Eines geht aber mit Sicherheit nicht: Eltern können ihre Kinder nicht einfach zu Hause behalten, weil die öffentlichen Verkehrsmittel ausfallen. "Es gilt nach wie vor die Schulpflicht", sagt Clemens Homoth-Kuhs, Sprecher des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Karin Winkler, Leiterin des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, stellt aber klar, dass die Schulen den Einzelfall prüfen werden. "Wir hoffen aber, dass das überhaupt nicht nötig sein wird."
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Die Rechtslage
Wegerisiko Wenn ein Streik oder der Ausfall des Nahverkehrs angekündigt ist, trägt der Arbeitnehmer das "Wegerisiko", so die Rechtsprechung. Er muss sich entsprechend früher auf den Weg machen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Notfalls muss er Urlaub nehmen.
Bezahlung Bei Verspätungen ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die ausgefallene Arbeitszeit zu bezahlen. Er kann theoretisch verlangen, dass die Zeit nachgearbeitet wird. Oft gibt es ein Gleitzeitkonto.
Abmahnung Theoretisch kann wegen einer Verspätung sogar abgemahnt werden. Praktisch wird dies kaum geschehen.