Streik im öffentlichen Nahverkehr Großes Chaos bleibt aus am Esslinger Busbahnhof

Busfahrer des SVE Esslingen wollen bessere Arbeitsbedingungen. Foto: Roberto Bulgrin

Viele Pendler sind wegen des Streiks der Busfahrer offenbar im Homeoffice geblieben. Am Esslinger Busbahnhof jedenfalls war am Freitag weniger los als sonst. Doch nicht alle Fahrgäste reagieren Verständnis.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Am Freitagmorgen ist es ruhig auf dem sonst so wuseligen, umtriebigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in unmittelbarer Nähe des Esslinger Bahnhofs. Nur die Busse privater Linien sind unterwegs, die Fahrzeuge des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE) werden bestreikt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat zu dieser Arbeitsniederlegung im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen für Busfahrerinnen und Busfahrer aufgerufen.

 

Nur ein Kunde habe darüber geschimpft, sagt Sylvia Frede vom Bäckerei-Imbiss am ZOB. Bitter habe sich der Mann über die sich seiner Ansicht nach häufenden Arbeitsniederlegungen auch am Flughafen, bei der Bahn und nun bei den Bussen beklagt. Es seien auch allgemein weniger Kunden an diesem Morgen unterwegs, sagt die Mitarbeiterin. Freitags sei aber ohnehin weniger los, da sich zum Wochenende hin viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice befänden.

Falsche APP-Auskunft

Das kann Hancer Alper nicht machen. Er müsse dringend zur Arbeit, aber sein Bus fahre nicht, klagt er. Über die Service-Hotline habe er dazu keine Auskunft erhalten. Wenn er ständig wegen solcher Streiks zu spät komme, könne es zu Problemen mit seinem Arbeitgeber kommen. Denn selbst wenn die Fahrer nicht streiken würden, kämen die Busse manchmal nicht. Beschwerdemails würden wenig bringen, meist bekomme er erst nach Monaten eine Antwort. Sie habe eigens in die Auskunfts-App des VVS geschaut, berichtet Sarra Aouini, doch ihre Buslinie verkehre trotz einer anderslautenden Auskunft nicht. Und Taxis als Alternative seien auf die Dauer zu teuer.

Die streikenden Busfahrer haben sich indes am Standort der SVE in der Heilbronner Straße versammelt. Um 4 Uhr, sagt der Verdi-Bezirksgeschäftsführer Benjamin Stein, habe die Kundgebung begonnen. Auch in Zeiten des Fachkräftemangels hält er die Gewerkschaftsforderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit für sinnvoll. Die Busfahrerinnen und -fahrer seien im Schichtbetrieb erheblichem Stress ausgesetzt, die Folgen seien Krankheit, Fehlzeiten ober die Abwanderung in andere Tätigkeitsfelder. Dass durch Streiks der öffentliche Nahverkehr für Fahrgäste unattraktiver werde und der Umstieg vom Auto auf den Bus damit erschwert werden könne, räumt der Gewerkschafter ein. Allerdings sei Verdi gerade mit Blick auf den Klimawandel an einem funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr interessiert – das gehe eben nur mit einem ausreichenden, motivierten Personalstamm. Am kommenden Montag und Dienstag sei eine weitere Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern geplant. Dann werde sich zeigen, ob weitere Streiks folgen.

Keine schnelle Einigung erwartet

Von einer schnellen Einigung geht Andreas Clemens von der kaufmännischen Werkleitung des SVE nicht aus. Neben dem Esslinger Verkehrsbetrieb seien sechs weitere kommunale Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg von dem Streikaufruf betroffen. Aber, so Clemens: „Mit dem Tarifabschluss im April 2023 für den öffentlichen Dienst profitieren die Mitarbeitenden des SVE ab März 2024 schon von einer Entgelterhöhung von rund zwölf Prozent.“ Dies entspreche einer Erhöhung von rund 400 Euro monatlich. Unter Würdigung dieses Umstandes werfe die neue Forderungsliste der Gewerkschaft doch einige Fragen auf, insbesondere in ihrer Massivität.

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