Streiks bei der Bahn Die Schlichtung mit der GDL wird schwieriger

Regina Rusch-Ziemba, stellvertretende EVG-Vorsitzende,  und  Ulrich Weber, Personalvorstand der Bahn haben sich  auf einen  Tarifabschluss geeinigt. Foto: dpa
Regina Rusch-Ziemba, stellvertretende EVG-Vorsitzende, und Ulrich Weber, Personalvorstand der Bahn haben sich auf einen Tarifabschluss geeinigt. Foto: dpa

Der Tarifabschluss der Gewerkschaft EVG mit der Bahn wirkt wie eine gute Nachricht für die Bahnkunden. Doch der Deal könnte die GDL provozieren, meint Thomas Wüpper.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Stuttgart - Verschwörungstheoretiker vermuteten schon vorigen Sommer, dass bei der Deutschen Bahn ein harter Arbeitskampf droht. Und sie wussten den Grund: Die Regierungskoalition braucht Streiks, Stillstand und verärgerte Fahrgäste, um das heikle Gesetz zur Tarifeinheit zu rechtfertigen, das die Rechte kleiner Gewerkschaften beschneidet und Arbeitgebern sowie großen Gewerkschaften schon vor fünf Jahren versprochen wurde. Der Arbeitskampf des Staatskonzern DB mit der Lokführergewerkschaft GDL - alles nur eine infame Inszenierung von oben?

Das klingt sehr nach Komplott-Theorien linker Spinner. Zehn Monate später allerdings zeigt sich im Rückblick, dass die neun Streiks der Lokführer die perfekte Begleitmusik für die Politik lieferten. Und das gewiss nicht freiwillig. Immer wieder scheiterten die Tarifgespräche, 18 Treffen mit der DB-Spitze blieben ohne Einigung. Die GDL-Streiks trafen Reisende und Pendler, Weselsky wurde zum viel gescholtenen Buhmann. Zu Recht?

Die GDL erstarkte, weil die Lokführer sich dort nach der Bahnreform gut vertreten sahen, besser jedenfalls als bei der großen Gewerkschaft Transnet, heute EVG, die einst sogar für den Börsengang der Bahn demonstrierte. EVG-Chef Alexander Kirchner ist seit langem Vizechef des DB-Aufsichtsrats und im Konzern, anders als Weselsky, immer gern gesehen. Die GDL ist der Störfaktor in diesem Machtgefüge. Es ist daher wenig überraschend, dass die EVG nun mit dem Konzern einen Tarifabschluss geschafft hat, auffällig pünktlich zum Beginn der Schlichtung mit der GDL und inklusive eines neuen Vertrags auch für die relativ wenigen bei der EVG organisierten Lokführer. Den Ton soll wieder die EVG angeben, die GDL den Abschluss gefälligst übernehmen, damit unterschiedliche Tarifverträge vermieden werden.

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass dieser EVG-Abschluss die Schlichtung nicht erleichtert und die GDL erneut provoziert. Die Bahnspitze versucht offenkundig weiterhin die Quadratur des Kreises, wenn sie der EVG faktisch Tarifeinheit, der GDL aber einen eigenen Tarifvertrag zusagt. Das kann nicht gut gehen .

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